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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
In jeder Kirche für gutes Wetter gebetet
Zwischenüberschrift:
Juli 1910: Geld für die Armenhäuser
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Juli 1910 war ein regenreicher Monat. Weil die Ernte ernstlich bedroht war, rief Bischof Dr. Voß alle Menschen in seiner Diözese auf, um gutes Wetter zu beten. In jeder Pfarrkirche und in jeder Kapelle wurden bis zum Ende der schlechten Witterung samstags für den gedachten Zweck Gottesdienste abgehalten.
Von Christiana Keller - Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich am Harderberg, in Höhe der Gastwirtschaft Mehring. Weil offenbar die Chaussee " glitschig" gewesen war, überschlug sich ein Zweisitzer mit drei Insassen. Der Wagen landete mit laufendem Motor und stark beschädigt auf der Seite. Die Herren waren herausgeschleudert worden und trugen erhebliche Verletzungen davon. Ein nahe wohnender Arzt versorgte die Verunglückten. Zum dritten Mal innerhalb weniger Monate diente auf diese Weise die Gaststube als Operationsraum. Nach gut zwei Stunden konnten die Männer heimgefahren werden.
Im Goldfischteich auf dem Gertrudenberg fand sich die Leiche einer Dame, die dort ertrunken war. Die Ermittler vermuteten einen Unglücksfall.
Die 1883 gegründete Armenanstalt genügte den Anforderungen schon lange nicht mehr, wie ein Referat den Versammelten deutlich machte. Es fehlte an Schlafräumen und besonders an Waschgelegenheiten für die Insassen. Für die vermehrt dazugehörigen Kinder gab es kaum Gelegenheit, getrennt von den Erwachsenen untergebracht zu werden. Armenhäuser gab es an der Bocksmauer, am Vitihof, im Hakenhof und an der Turnerstraße. Im Juli 1910 wurde beschlossen, das Haus an der Turnerstraße, zwischen dem Eisenbahndamm und der Hase für geschätzte 65 000 Mark umzubauen, neu auszustatten und zu erweitern. Das Kollegium nahm den Antrag einstimmig an.
In der Marienkirche war eine Predigerstelle zu besetzen. Dafür hatten sich in den vergangenen Monaten elf Anwärter beworben und jeweils eine Probepredigt gehalten. Keiner entsprach jedoch den Vorstellungen des Kirchenvorstands. Der vertretende Prediger, mit dem ein Teil der Gemeinde recht zufrieden war, stand gar nicht auf der Bewerberliste. Aus Protest traten mehrere Vorsteher zurück, woraufhin das königliche Konsortium in Hannover Neuwahlen verfügte. Noch war eine Einigung nicht in Sicht. Man hoffte auf moderate Kräfte in der neuen Zusammensetzung des Kirchenvorstandes, um zu einem guten Ende zu kommen.
Für Bad Rothenfelde trat im Juli 1910 eine neue Polizeiverordnung in Kraft. Der Badeort sollte sich nur von seiner schönsten Seite zeigen. Von Mai bis Oktober war es den Bürgern weder gestattet Wäsche herauszuhängen, noch Betten oder Kleider außerhalb der Häuser zu lüften. Alles, was das Aussehen des Ortes " verunzierte", war verboten, das betraf auch alle Fuhrwagen ohne Plane.
Der letzte große Krieg war bereits 40 Jahre vergangen, und doch begingen die Kriegervereine die Gedenktage im Juli und September in jedem Jahr aufs Neue. Auch 1910 gedachte man aller Siege des Jahres 1870. Patriotische Feldpostbriefe eines Veteranen wurden veröffentlicht, um das " damalige Denken und Fühlen" in Erinnerung zu rufen. " Sollte es Gottes Wille sein, dass ich für das Vaterland sterben soll, so füge ich mich. Ich sterbe dann mit Gott für König und Vaterland", hieß es da.
Besondere Aufmerksamkeit galt der ersten Rechnungslegung des neuen Theaters am Domhof. Die recht hohe Summe von rund 160 000 Mark auf der Kostenseite setzte sich zumeist aus Gagen und Orchesterhonoraren zusammen. Auf der Einnahmenseite standen dagegen Abo- und Eintrittsgelder in Höhe von 187 000 Mark. Für den erwirtschafteten Überschuss bestand ein Vertrag zwischen Theaterdirektor Ulrichs und der Stadt. Ein Teil des Geldes ging zwar an die Kommune, der Löwenanteil entfiel aber auf den Theaterdirektor selbst, der nach dem ersten Jahr 19 000 Mark verbuchen durfte.
Für den Reparatur- und den Dekorationsfonds sowie alle weiteren Kosten des Theaters kam die Stadt auf. In der Spielzeit 1909/ 10 bezahlten die Steuerzahler insgesamt über 25 000 Mark für ihr Theater. In den Tagesblättern wurden im Anschluss an die Rechnungslegung Dankbotschaften verteilt. Nicht nur dem Direktor des Theaters dankte man für den überaus geglückten Start, sondern besonders dem treuen Publikum, das den Musentempel so zahlreich besucht hatte.

Autor:
Christiana Keller


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