User Online: 1 | Timeout: 16:12Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Hübsch, aber gefährlich
Zwischenüberschrift:
Invasion aus der Pflanzenwelt: Giftige Gewächse breiten sich aus
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Trügerische Schönheiten sind es oftmals, die sich da blühend am Wegesrand, auf Wiesen und in Wäldern im Wind wiegen: So genannte Neophyten, Pflanzen, die sich seit dem Jahr 1492 neu in Europa angesiedelt haben, breiten sich in unseren Gefilden immer weiter aus und verdrängen heimische Gewächse. Viele von ihnen sind giftig oder rufen Allergien hervor.
- Eine Pflanze der Gattung schön, aber gefährlich ist die Herkulesstaude, auch Riesenbärenklau genannt. Sie stammt ursprünglich aus dem Kaukasus, hat üppige weiße Blüten und eine eindrucksvolle Gestalt. Sie kommt häufig an Straßenböschungen oder Bahnschienen vor.
Die Herkulesstaude macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie kann bis zu vier Meter hoch werden. Berühren sollte man diese Pflanze jedoch nicht. Denn alle Pflanzenteile enthalten giftige Inhaltsstoffe, sogenannte fotosensibilisierende Substanzen (Furanocumarine), die in Verbindung mit Sonnenlicht und bei Berührung zu schweren Verbrennungen und allergischen Reaktionen führen können.
Ber eits vor drei Jahren wies Udo Stangier, Umweltbeauftragter der Gemeinde Wallenhorst, auf die Gefahren dieser Pflanze hin: " Sie verdrängt die einheimischen Pflanzen und ist schwer zu beseitigen. Die Herkulesstaude muss ausgerottet werden." Doch dies scheint kein einfaches Unterfangen zu sein.
" Diese Pflanze ist sehr dominant und breitet sich stark aus", erklärt Jürgen Herpin, Leiter der Abteilung Naturschutz und Wald beim Landkreis Osnabrück. Das Problem sei, dass sich Herkules stauden sehr stark versäen könnten. Das Samenpotenzial sei enorm. Deshalb seies auch so schwierig, sie zubekämpfen. " Die Samen sitzen auch im Boden, unddie Pflanzen kommen deshalb schnell wieder", sagt Herpin. Deshalb helfe hier oftmals nur die chemische Keule.
Ein weiterer botanischer Plagegeist ist das Jakobskreuzkraut, eine Pflanze, die leuchtend gelb blüht und bis zu einen Meter hoch wird. Dieses Kraut kommt vor allem auf Weiden und Wiesen vor. Das Problem: Es enthält ein Gift, das bereits bei regelmäßiger Aufnahme geringer Mengen Tiere krank machen und sogar töten kann. Betroffen sind davon vor allem Weidetiere wie Pferde, Kühe und Schafe.
Auch Leserin Maria Pott aus Bad Laer staunte nicht schlecht, als sie kürzlich Jakobskreuzkraut in rauen Mengen bei sich in der Umgebung entdeckte. " Ich habe diese Pflanze früher nie gesehen, aber jetzt wächst sie überall", sagt Maria Pott. Hier im Industriepark habe sie vermehrt das Kraut gesehen. Ein Anwohner habe die Pflanzen, die auf seiner Wiese wucherten bereits verbrannt. " Man muss ja etwas dagegen tun, schließlich sind die Pflanzen giftig, und Tiere können sterben", fügt die besorgte Anwohnerin hinzu.
Doch nicht nur die giftigen Neophyten bereiten dem Umweltamt sorgen: " Auch der Japanische Staudenknöterich und das Indische Springkraut werden zum Problem", sagt Jürgen Herpin vom Landkreis. Beides sei fieses Zeug, da es sich sehr schnell verbreite und andere Arten verdränge.
Der Japanische Staudenknöterich ist eine sehr schnellwüchsige, ausdauernde krautige Pflanze. Das Ausreißen der Wurzelstränge aus dem Boden ist nicht sonderlich effektiv, da diese sehr leicht brechen und somit nicht alles entfernt werden kann.
Hier hilft - wie bei so vielen invasiven Neophyten - nur das langwierige Ausgraben der unterirdischen Pflanzenteile. Auch das Indische Springkraut, mit seinen violetten, pinken oder weißen, süßlich duftenden Blüten ist schwer zu bekämpfen. Dazu müssten die Pflanzen einzeln vor der Samenreife ausgerissen oder geschnitten werden.
" Das ist ein Kampf gegen Windmühlen", gibt Herpin zu. Gegen die Verbreitung sei man relativ machtlos. " Aufgrund der Witterung wird das weiter voranschreiten", so Herpin. Dennoch: Aufgeben werde man nicht. In Zusammenarbeit mit der Kammer und Experten werde man weiterhin versuchen, etwas gegen die Invasion zu tun.

Neophyten
Neophyten sind Pflanzen, die nach der Wiederentdeckung Amerikas im Jahr 1492 nach Europa gekommen sind, obwohl sie hier ursprünglich nicht heimisch sind. Viele wurden absichtlich als Zierpflanzen für den Garten oder als Nutzpflanzen für Forst- und Landwirtschaft eingeführt. So wurde die Herkulesstaude beispielsweis als Deckungspflanze für Wild angepriesen. Andere Arten wurden hingegen unbeabsichtigt nach Europa eingeführt. Zum Beispiel als Begleiter im Saatgut von Kulturpflanzen oder als Samen, die an Waren oder Verkehrsmitteln hafteten. Problematische Neophyten , die giftig sind und/ oder andere Arten verdrängen, werden als invasiv bezeichnet.

Autor:
Kristina Schwarte


Anfang der Liste Ende der Liste