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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Weltenbummler in Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Peter Berling besucht die Orte seiner Kindheit und die seines Nachbarn Hans Calmeyer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die bunte Welt des Kinos ist ihm nicht fremd: Wenn Peter Berling auf seine Jahrzehnte währende Karriere zurückblickt, fallen Namen wie Sean Connery oder Leonardo DiCaprio, Klaus Kinski und Brigitte Bardot. Stets als " König der Nebenrollen" und Produzent von Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Werner Herzog und Werner Schroeter unterwegs, war er so was wie die Graue Eminenz des Neuen Deutschen Films. Auch als Autor von Historienromanen ist Peter Berling bekannt geworden. Nun besuchte der in Rom lebende nach vielen Jahren Osnabrück.
Von Tobias Sunderdiek - Anlass war eine Ausstellung über Hans Calmeyer in der Villa Schikker. Denn der Osnabrücker Jurist, der während der NS-Zeit Tausenden Juden das Leben rettete, war Peter Berlings Nachbar.
Dabei hatte die NS-Propaganda, wie Peter Berling bekennen musste, zunächst auch einen schädlichen Einfluss: " Juden? Das war für mich etwas ganz Schlimmes. Ich kannte Juden eigentlich nur von den Plakaten jener Zeit." Und als Peter Berling als Vierjähriger die Pogromnacht 1938 in Osnabrück erlebte, glaubte er noch, die vielen Scherben auf den Straßen stammten von den Juden. Erst später erfuhr er von den tatsächlich begangenen Gräuel. Und nicht nur das: " Nach dem Krieg fragte mich mein Vater: Du sag mal, du mochtest doch den Großvater? Da sagte ich: Ja! Nun, Dein Großvater war Jude." Was Peter Berling selbst zu einem sogenannten " Vierteljuden machte. Ein heilsamer Schock für den damaligen Teenager. Es sollte nicht das einzige Geheimnis sein, was Berling später über diese Zeit erfahren sollte.
Denn obwohl seine Familie und die von Hans Calmeyer ein Doppelhaus an der Friedrichstraße 48/ 50 bewohnten, einen Schutzkeller teilten, im Garten zusammen Tabak anpflanzten, mit Zinnsoldaten spielten und miteinander Weihnachten feierten - von den Aktionen Hans Calmeyers, der durch juristische Tricks Juden vor den Transport in Vernichtungslager bewahrte, erfuhren die Berlings erst viel später. " Auch mein Vater wusste nichts. Aber im Nachhinein hat es ihn auch nicht überrascht, denn Calmeyer war ein echter Humanist", so Berling.
Dass sein eigener Vater als " Halbjude" und damit als nicht " wehrwürdig" galt, sieht Berling hingegen als Glück: " Wahrscheinlich ist ihm als Architekt in einem Baubüro dadurch auch Stalingrad erspart geblieben. Viele aus der Gegend wurden ja dahin geschickt. Ich erinnere mich noch an die vielen, vielen Todesanzeigen damals in der Zeitung. Oder wie unsere Küchen- und Kindermädchen weinten, als ihre Brüder oder Verlobten in Stalingrad gefallen sind."
Auf einer Taxifahrt zu den Orten der Kindheit sprudeln aus Berling Anekdoten heraus. Osnabrücker Familien- und Straßennamen sind ihm noch immer geläufig, auch an seine Lehrzeit als Maurer erinnert er sich - wenn auch ungern: " So einige Dachträger in der Halle Gartlage habe ich noch zusammengebaut." Weitere Erinnerungen keimen im ehemaligen Garten an der Friedrichstraße auf - an alte Kirschbäume, an Calmeyers älteren Sohn Peter, der mit ihm spielte, an das eigene Zimmer unter dem Dach. Und an den ehemaligen Bischof Berning, der aufgrund der Namensähnlichkeit oft Telefonate für Peter Berling entgegennahm. Auch von Mädchen - weshalb der Bischof ihn oft neckte. Aber das ist eine andere Geschichte. Eine von vielen, die Weltenbummler Peter Berling mit seiner alten Heimatstadt Osnabrück verbindet und an die er sich gerne zurückerinnert.

Autor:
Tobias Sunderdiek


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