User Online: 1 | Timeout: 21:05Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gluthitze: Alle lechzen nach Erfrischung
Zwischenüberschrift:
Aber mit 34,3 Grad im Schatten wurde der Rekord von 36,8 Grad am 12. August 2003 nicht geknackt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. 39, 4 Grad zeigt das Thermometer in der Sonne. Doch es gibt immer noch Leute, die in dieser Hitze Erdbeeren pflücken. Der Schweiß rinnt, Abkühlung tut not: Da erleichtert doch die Nachricht der Stadtwerke, dass auch bei tropischem Wetter die Wasserversorgung gesichert ist.
Maria Barz hat im Böckmann? schen Erdbeerhäuschen im Nettetal ein feuchtes Handtuch im Nacken liegen. " Das hilft." Miriam Barnitz spannt ihren bunten Regenschirm auf, wenn sie Selbstpflücker zu den Feldern führt. Denn obwohl das Thermometer um 13.45 Uhr auf 39, 4 Grad klettert, sind einige Unentwegte da.
Thea (63) ist mit Kappe und Stirnband gerüstet. Nach dem Pflücken " lohnt sich das Duschen", meint sie lakonisch. Auch Verena Münstermann und Töchterchen Imke pflücken schnell ein Kilo für Imkes Patentante. Damit es bei der Hitze überhaupt reife Früchtchen gibt, wird in diesen Tage jede einzelne Erdbeerpflanze zwei Stunden lang bewässert, erzählt Maria Barz und klingt fast ein wenig neidisch.
Auf einigen Baustellen ist am Freitag schon um 13 Uhr Feierabend. Wolfgang Gödeker und sein Kollege Franz Potocnik von der Firma Diekmann müssen noch bis 14 Uhr an der Rehmstraße arbeiten. " Immer noch besser als Regen und Matsch", meint Gödeker, während sich Potocnik mit dem inzwischen schweißnassen Handtuch zu trocknen versucht.
Matsch lieben dagegen die kleinen Kinder, die auf dem Spielplatz am Kamp in der Matschanlage stehen. Lurdes Rodriguez hat langsam einen schweren Arm, weil sie für ihre vierjährige Tochter Jocelyn immer wieder pumpt. Kaum macht sie eine kleine Pause, kräht ein Dreikäsehoch von hinten: " Kannst du noch mehr Wasser pumpen?"
Im Schatten plaudern bei alkoholfreiem Alster zwei Freundinnen. Marie Ringling und Katrin Zipke sind früher mit ihren Kindern gemeinsam aus Rheine nach Osnabrück gekommen, damit die Kleinen auf dem Hansekoggen-Platz spielen können. Vor Kurzem ist Zipke aber nach Braunschweig gezogen. Nach zehn Wochen sehen sie sich auf dem Spielplatz wieder.
Generell ist der Wasserbedarf Anfang der Woche nach oben geschnellt. Die Stadtwerke haben einen Tagesspitzenverbrauch von rund 40 000 Kubikmetern gemessen. Die Mengen nähern sich den Rekordzahlen des sogenannten Jahrhundertsommers 2003 oder des Sommers 2006.
Im Jahresdurchschnitt braucht jeder Osnabrücker etwa 120 Liter am Tag. Bei den derzeitigen Temperaturen sind es weitaus mehr. Das liegt zum großen Teil an der abendlichen Gartenbewässerung. " Eine Wasserknappheit gibt es bei uns deshalb aber nicht", versichert Joachim Nolte, Leiter Wasserbereitstellung. Spitzenabgaben erwartet Nolte auch für das WM-Spiel der Deutschen: " Dann werden wir in der Halbzeitpause wieder einen sprunghaften Anstieg von gut vierzig Prozent messen."
Groß ist der Wasserverbrauch auch beim für die städtischen Grünflächen zuständigen Osnabrücker Servicebetrieb. " 120 000 bis 150 000 Tonnen Wasser pro Tag", schätzt Frank Bludau, würden in diesen Tagen als Gießwasser verwendet. Die Stadtgärtner sind mit 20 Mann allein dafür im Einsatz, denn " Rasenmähen ist bei dieser Witterung ja nicht erforderlich".
Die Tankwagen werden zunächst im Betriebshof an der Klöcknerstraße betankt, dann im Laufe des Tages an den Hydranten noch aufgefüllt. Außerdem kommt bei den großen Blumenrabatten zum Beispiel im Schlossgarten auch der Schlauch zum Einsatz. Dazu steuert Frank Bludau noch eine beeindruckende Zahl bei: 700 Meter Gartenschlauch hätten die Grünpfleger auf ihren Wagen zur Verfügung.
Trotzdem könnten die Stadtgärtner nicht überall sein und den Durst der Pflanzen löschen: Wer einen Straßenbaum vor der Haustür hat, sollte doch einmal ein paar Eimer Wasser vergießen, bittet Frank Bludau.
Zu wenig Wasser auch für die Fische: Ein Mangel an kühlem Nass verzeichnet Werner Fricke vom Unterhaltungsverband Hase-Bever dort, wo Fluss- und Bachläufe durch besiedeltes Gebiet verlaufen. " Die Anwohner zapfen Wasser zum Rasensprengen ab", so Fricke, dessen Verband für etwa 1500 Kilometer Fließgewässer im Landkreis Osnabrück verantwortlich zeichnet. Die Folgen der Gartenpflege seien für die Bewohner der Gewässer verheerend. Der Lebensraum von Fischen und Krebsen würde regelrecht trockengelegt. " Dieses Jahr ist das ganz extrem", sagt Fricke.
Um die 50 Grad heiß ist es in den Gewächshäusern und Folientunneln der Fachhochschule am Standort in Haste. Damit die Pflanzen das aushalten, reicht es nicht, wenn sie ihre Blätter einrollen. Gemüsebaulehrling Alexander Robbers muss sie immer wieder mit Wasser besprühen und den Boden feucht halten.
Was den Gewürzgurken guttut, ist jedoch ein besonderer Härtetest für die Mitarbeiter. " Uns hilft es nur, möglichst wenig anzuziehen und viel zu trinken", sagt Jörg Hunold, Gartenbauingenieur an der FH. Durch die Öffnung der Luken gäbe es zudem die Chance, ein wenig Bewegung in die Luft der Pflanzhäuser zu bekommen. Bei luftiger Kleidung lasse es sich dann immerhin aushalten, meint Hunold. Und wenn besondere Abkühlung nötig sei, gäbe es ja auch noch den Wasserschlauch.
Autor:
S., fhv, df, mlb


Anfang der Liste Ende der Liste