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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Wandervögel kommen
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Juni 1910: Schaufliegen und Sänger-Wettstreit
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Deutschland liegt am Boden!" titelte eine französische Zeitung im Juni 1910. Das war ein hämischer Seitenhieb auf die Strandung des Zeppelins " Deutschland" im Freeden zwischen Iburg und Wellendorf. Eine Sturmbö hatte das Luftschiff mit 32 Passagieren an Bord in den Wald gedrückt. Sofort setzte sich ein Pilgerzug der Neugierigen in Bewegung.
Von Christiana Keller - Von Osnabrück aus kam man mit einer Ausflugskarte der Eisenbahn problemlos zur Absturzstelle. Und noch lange hallte die Diskussion über die Folgen des Unfalls durch den Blätterwald. Lag im Luftschiff tatsächlich die Zukunft? Oder war der Apparat zu starr und unflexibel?
Heute kann sich kaum jemand vorstellen, dass die Straßen vor 100 Jahren bei sommerlicher Trockenheit unerträglich staubten. Ein Zeichen dafür, dass der Verkehr ständig zunahm. Osnabrücks Stadtväter probierten verschiedene Möglichkeiten aus, um den Staub zu binden.
Die Straßen mit Wasser zu besprengen, hielt meist nicht lange vor, denn sobald das Nass verdunstet war, staubten die Wege erneut. Aus Verzweiflung probierte man aus, was sich in anderen Städten bereits bewährt hatte: Mancherorts benetzte man die Straßenoberflächen mit einer salzsäurehaltigen Flüssigkeit, die Feuchtigkeit aufsog und den Staub feucht erhielt. Das Chlorcalcium reicherte sich über Nacht mit Feuchtigkeit an und gab diese tagsüber an den Staub ab. Auch mit Chlormagnesiumlauge wurde experimentiert. Andere Möglichkeiten waren Teer und Mineralölauflagen, die als Staubbindemittel in Amerika erprobt worden waren.
Der Herrenteichswall wurde im Juni verschönert. Rasenstreifen und kleine Gitterbegrenzungen entlang der Baumreihen waren angelegt worden. Der Wall galt 1910, zusammen mit dem neuen Brunnen, als besondere Attraktion und Anziehungspunk der Stadt. Wenige Jahre zuvor hätte man den Wall beinahe eingeebnet, gab der Reporter des Tageblattes zu bedenken, aber Zeiten und Geschmäcker ändern sich.
In den umgebenden Wäldern wurden Gruppen junger Leute gesichtet, die Kniehosen oder Dirndl und Lodenhüte trugen und Rucksack, Kochtopf und eine Zupfgeige mit sich führten. Daran waren die " Wandervögel" zu erkennen. Am Realgymnasium gab es bereits Gruppen, denen sich auch eine kleine Gruppierung von Mädchen dazugesellt hatte.
" Ob Regen oder Sonnenschein", schrieb der Reporter des Osnabrücker Tageblattes, " die Wandervögel sind immer gut gelaunt und fröhlich, sie singen viel und schreiten tüchtig aus." Gerade über Pfingsten war eine Gruppe unterwegs gewesen, die in Tagen bis zur Weser gelangt war. Nur 3, 50 Mark hatten die Jugendlichen für die ganze Unternehmung gezahlt.
Im Vereinshaus am Kollegienwall und in der Stadt fand ein großer nationaler Gesangswettstreit statt. Neue Anregungen erhofften sich die Veranstalter für die Pflege des deutschen Männergesangs.
Zum großen Schaufliegen am Stadtrand strömten viele Menschen herbei. Der " Grade-Flieger", eine Konstruktion eines Ingenieurs namens Grade, sollte sich in die Lüfte erheben. Tage vorher war das Fluggerät mit der Bahn aus Einbeck eingetroffen und auf der Netterheide zusammengesetzt worden. Nur 140 Pfund wog der " Apparat". Die hoffnungsvolle Erwartung der vielen Zuschauer, einen Menschen fliegen zu sehen, wurde aber leider enttäuscht. Während noch die Blaskapelle spielte, zog ein Gewitter auf und brachte starken Wind mit sich. Nach einigen Stunden wurde die Maschine dann endlich angeworfen, rollte los und - erhob sich nicht in die Luft. " Das Gesetz der Schwerkraft trug den Sieg über die menschliche Genialität davon", stand in der Zeitung zu lesen. " Osnabrück ist um eine sportliche Erfahrung reicher", witzelte der Kommentator.
Autor:
Christiana Keller


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