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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die ganze Familie ausgelöscht
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine für Moses und Henriette Bernstein, Tochter Maria und Enkel Walter
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Je länger die Nationalsozialisten an der Macht waren, desto mehr bedrängten sie die jüdischen Bürger. Denen nahmen sie ein Recht nach dem anderen - und schließlich das Leben. Fast sieben Jahrzehnte, nachdem Moses und Henriette Bernstein, ihre Tochter Maria Heymann und ihr Enkel Walter Bujakowski in Konzentrationslagern ermordet wurden, erinnern jetzt Stolpersteine an ihr Schicksal dort, wo sie zuletzt gelebt hatten. 1941 wurden sie aus ihrer Wohnung an der Weißenburger Straße 12 vertrieben.
Der Uhrmacher und Juwelier Moses Bernstein und seine Frau Henriette lebten lange Zeit im pommerschen Schivelbein, wo 1897 auch ihre Tochter Maria geboren wurde - und 1928 deren Sohn Walter Bujakowski. Maria Bernstein hatte in derZwischenzeit einen Herrn Bujakowski geheiratet, von dem sie später geschieden wurde.
Mitte der 1930er-Jahre - die Nationalsozialisten waren bereits an der Macht - zog die vierköpfige Familie nach Berlin, bevor sie in Osnabrück ein neues Zuhause fand. Als Maria 1939 den Osnabrücker Juden Hermann Heymann heiratete und die Familie an der Weißenburger Straße 12 lebte, hatten die Nationalsozialisten ihrem Ehemann längst übel mitgespielt und ihm sein Kaufhaus am Markt/ Ecke Hasestraße genommen. Über dessen Schicksal berichtete die Neue OZ bereits in der vergangenen Woche.
Walter Bujakowski zog 1940 für zwei Jahre nach Hannover, um eine Gartenbauschule zu besuchen. Als er wiederkam, hatte seine Familie ihre Wohnung an der Weißenburger Straße bereits verloren. 1941 zwangen die Nationalsozialisten sie, in das sogenannte Judenhaus in die Kommenderiestraße 11 zu ziehen. Auch Walter musste dorthin.
1942 rissen die Nationalsozialisten die Familie auseinander. Sie verschleppten Moses und Henriette Bernstein in Konzentrationslager nach Theresienstadt und Minsk. Wann sie dort ums Leben kamen, ist nicht überliefert. Im darauf folgenden Jahr trieben die Nationalsozialisten Hermann und Maria Heymann mit ihrem 14-jährigen Sohn Walter in einen Zug, dessen Ziel das Konzentrationslager Auschwitz war. Dort verlieren sich ihre Spuren.
Kaum mehr ist über diese Opfer des Nationalsozialismus bekannt. Und deren Not lässt sich nur erahnen. Doch ihre Namen sind im Sinne des Projekts Stolpersteine nach Osnabrück zurückgekehrt - damit sie nicht vergessen werden.

Stolpersteine in Osnabrück
Stolpersteine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus - jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich inzwischen mehr als 500 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, den Niederlanden und in der Ukraine. Die Paten der Stolpersteine für die jüdische Familie von der Weißenburger Straße 12 sind: Susanne Noack für Moses Bernstein, Elke Senger-Beaufays für Henriette Bernstein, Marita Thöle für Maria Heymann sowie Sabine Backhauß für Walter Bujakowski. Schüler des Berufsschulzentrums Westerberg haben die Gedenksteine verlegt: Alexander Kerschner, Jan Klostermann, Jan Thiel und Dominik Strohmeier. Für künftige Verlegungen nimmt das Büro für Friedenskultur gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NS-Opfern entgegen.
Die Telefonnummer lautet 05 41/ 323-22 87. Voraussichtlich im Oktober werden weitere
Stolpersteine verlegt.
Autor:
Jann Weber


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