User Online: 1 | Timeout: 15:06Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die besondere Perspektive der Zeitzeugen
Zwischenüberschrift:
Ursulaschüler besuchen zum vierten Mal ehemalige Zwangsarbeiter in der Ukraine
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das Vertrauen wächst, haben die Projektteilnehmer festgestellt. Bereits zum vierten Mal besuchten Ursulaschule und Gedenkstätte Augustaschacht ukrainische Bürger, die im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt worden waren. Die Teilnehmer tragen so immer neue Erkenntnisse zusammen.
" Eine beidseitige Begegnung von Anfang an" heißt das Projekt. Vom 3. bis zum 11. Mai war die Gruppe in die Ukraine gereist. In diesem Jahr besuchte sie gleich neun Zeitzeugen, davon sechs, die erstmalig für ein Gespräch zur Verfügung standen. Die neuen Kontakte waren über die Partnerschule, das Gymnasium Nr. 9 der Stadt Simferopol und die Häftlingsverbände zustande gekommen.
Berichten die Reisenden über ihre Kontakte, dann fällt häufig das Wort " beeindruckend". Es ist diese besondere Perspektive, wenn man direkt mit Zeitzeugen ins Gespräch kommt und dies kombiniert mit Erkenntnissen aus dem Geschichtsunterricht, sagt Johanna Glandorf, die neben Oskar Hallmann, Sören Schnieder, Moritz Steinhaus, Helena Schütt und Claudia Bittner zur Schülergruppe gehört. Ebenso hinterlässt Eindruck, mit welcher Gastfreundschaft die Besucher aufgenommen werden.
Auffällig, so Lehrerin Mechthild Brebaum-Ersen: Beim ersten Kontakt sind die Zeitzeugen häufig ausweichend, so zum Beispiel Alexander Mechowitsch. Der heute 86-Jährige erzählt davon, dass seine Schwester als Ehefrau eines Armeeoffiziers von den deutschen Truppen erschossen wurde. Er selbst muss später in einer Möbelfabrik arbeiten. Doch über schlimme Details berichtet er kaum.
Marina Nabibko, die bei der Firma Kromschröder arbeiten musste, ist die Ausnahme, sie erzählt ausführlich, aber auch mit differenziertem Blick. So berichtet sie von einer deutschen Köchin, die im Terrorregime Menschlichkeit bewies und zum Beispiel zusätzliches Essen für die Zwangsarbeiter organisierte. Was die deutschen Gäste allerdings feststellen: Je häufiger sie die ehemaligen Zwangsarbeiter besucht haben, umso stärker wächst das Vertrauen. Das gilt etwa für Igor Rudchin, der nun tiefere Einblicke in seine Erlebnisse gewährt. In diesem Jahr erzählt der heute 83-Jährige erstmalig von dem Wiedersehen mit seiner Mutter oder dem Verhör durch Geheimdienstler vom NKWD.
Zwangsarbeiter wurden häufig mit Verrätern gleichgesetzt, das Misstrauen wirkt teilweise sogar bis heute nach, wie Dr. Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätte, sagt. Eine der Zeitzeuginnen hat Angst, dass im Dorf bekannt wird, dass sie bei der Munitionsherstellung helfen musste. " Zum Teil haben die Zwangsarbeiter von Dingen erzählt, die die eigene Familie bislang nicht wusste", hat Dokumentarfilmer Reiner Wolf festgestellt, der ebenso wie Prof. Bärbel Schmitt (Universität Osnabrück), Marie-Domi nique Guyard-Griesinger (Augustaschacht) sowie Elena Strigina (Europäischer Freiwilligendienst) der Gruppe angehörte. Die Reise dient auch dazu, den Besuch der Zeitzeugen in Osnabrück vorzubereiten. Im September werden ehemalige Zwangsarbeiter zur " Spurensuche" erwartet.
Autor:
hmd


Anfang der Liste Ende der Liste