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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Asbest und Kabel im Waldweg
Zwischenüberschrift:
Prozess gegen GMHütter Forstwirt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bad Iburg/ Georgsmarienhütte. Straftat oder Intrige? Wilde Gift müll entsorgung? Wer brachte wann was in den Wald? Was ist gebrochener Bauschutt? Und wer hat den Schwarzen Peter? Viele Fragen stellen sich bei dem Strafprozess gegen einen 89-jährigen Waldbesitzer aus GMHütte, der sich wegen unerlaubten Umgangs mit gefährlichen Abfällen vor dem Amtsgericht Bad Iburg verantworten muss.
Die Anklage wirft dem 89-Jährigen vor, unbefugt Abfälle auf dem Dörenberg entsorgt zu haben, die nach Art, Beschaffenheit und Menge geeignet sind, nachhaltig ein Gewässer zu verunreinigen. Im Juli 2008 soll er ein Bauunternehmen beauftragt haben, den Bauschutt eines Heuerhauses auf einer 25 mal 25 Meter großen Fläche in den Waldboden einzuarbeiten, um dort eine Holzsammelstelle zu errichten. Unter dem Schutt soll sich unter anderem lackiertes Holz, Dachpappe, Schlacke, Elektroleitungen und Asbest in sogenannten Eternitplatten befunden haben.
" Da war nix drin", betonte dagegen der Angeklagte vor Gericht, " in meinem Leben hab ich noch nie so sauberen Bauschutt gesehen." Der Angeklagte betonte weiter, dass er und seine Familie schon beim Abriss des Gebäudes peinlich genau darauf geachtet hätten, dass sich keine Verunreinigungen unter dem Schutt befänden - solche seien korrekt bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft Awigo entsorgt worden. Er konnte sogar eine Quittung des Betriebs vorlegen, aus der sich die Herkunft und die Beschaffenheit der Lieferung freilich nicht herleiten ließ.
Erst 14 Tage nach der Lieferung des Bauschutts in den Wald hatte das Bauunternehmen einen Bagger frei, der dann die Erdarbeiten vornahm. " Da muss dann jemand Dreck dazu gekippt haben", vermutete der GMHütter, der zudem aussagte, dass er das Lager vor den Arbeiten nicht noch einmal kontrolliert habe. Darüber hinaus berichtete er, dass er zeit seines Lebens über 50 Kilometer Wege im Wald gebaut habe. Das sei stets mit Genehmigung des Landkreises passiert, der ihm auch heute noch das Verbringen von sauberem, gebrochenem Bauschutt in den Wald gestatte.
Stichwort Landkreis: Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den GMHütter hatten Beamte der Unteren Abfallbehörde das Stück Wald mehrfach kontrolliert. " Bei einem ersten Besuch, kurz nach Ende der Arbeiten, als noch eine Schicht Sand auf dem Schutt lag, war dort keine Verunreinigung festzustellen", schilderte ein Beamter. Erst nach einem Regenfall, der die oberste Schicht teilweise abgetragen hatte, seien einzelne Stücke Eternit zu sehen gewesen.
Diese seien aber " offensichtlich" nachträglich aufgetragen und nicht freigespült worden, so die Schilderung. " Die lagen nur oberflächlich da rum. Unter noch festen Abschnitten haben wir nichts gefunden", so die Aussage. Wegen des unklaren Verursachers habe sich die Behörde dann entschlossen, die fraglichen Stücke von einem Fachbetrieb auf eigene Kosten einsammeln zu lassen - insgesamt sei das aber nicht mehr als ein Zehn-Liter-Eimer voll gewesen.
Dem widersprachen andere Zeugen. Ein Staatsanwalt hatte in seiner Freizeit im November von der Stelle im Wald erfahren und aus persönlichem Interesse eine Grabung vorgenommen. Dabei sei er nach eigenem Bekunden in rund 20 Zentimeter Tiefe noch auf Heizkörper, Asbestplatten und Bleiabdeckungen von Dächern gestoßen. Auch ein Polizist des Umweltdezernats, der an sechs Stellen buddelte, bekundete derartige Abfälle an zwei der Stellen.
Letzterer schilderte auch, dass der Landkreis Osnabrück und das niedersächsische Umweltministerium hinsichtlich der Verbringung von Schutt in den Wald unterschiedlicher Ansicht seien: Während das Ministerium dies untersage, genehmige der Landkreis dies bei " sauberem, gebrochenem Schutt" weiterhin. Unklar war auch die Frage, wann Bauschutt gebrochen sei: Der Landkreis gehe offensichtlich davon aus, so ein Förster, dass es ausreiche, einmal mit einer Raupe über den Abriss zu fahren und dass das Zerkleinern des Abraums in einem Brecher nicht notwendig sei. Richter und Staatsanwalt zeigten sich über diese Auslegung erstaunt.
Auf das Angebot, die Fläche auf eigene Kosten ausbaggern und den Schutt fachgerecht entsorgen zu lassen, wenn man im Gegenzug das Verfahren einstellte, wollte der Forstwirt nicht eingehen. Das Gegenangebot, die Fläche mit Mutterboden zu versiegeln, stieß bei der Anklage auf wenig Gegenliebe.
Der Prozess wird am 21. Juni um 10 Uhr fortgesetzt. Das Gericht will dann unter anderem die Frage klären, wieso der Schutt eines einzigen Heuerhauses 13 LKW-Ladungen Abraum produziert - diese Summe hatte das Bauunternehmen in Rechnung gestellt. Auch dass man " in die Tiefe gehen", und die ganze Fläche von einem Gutachter untersuchen lasse werde, schloss der Richter nicht aus. Die Verteidigung verwies schon jetzt darauf, dass der ganze Aufwand möglicherweise nicht lohnen werde. Denn schließlich, so deren Argumentation, sei dann auch noch die Frage des strafrechtlich relevanten Vorsatz zu klären - also die Frage, inwieweit der GMHütter von den Vorgängen wusste und sie wollte oder sie fahrlässig in Kauf nahm.

" In meinem Leben hab ich noch nie so sauberen Bauschutt gesehen"
Angeklagter Forstwirt vor Gericht
Autor:
usch


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