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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Echter" Nussbaum ein falscher Fuffziger
Zwischenüberschrift:
Gemälde hing zwei Jahre in Osnabrücker Museum - Fälscherbande in Berlin angeklagt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus hing rund zwei Jahre lang ein gefälschtes Gemälde des Holocaust-Opfers Felix Nussbaum. Das Landgericht Berlin verhandelt jetzt gegen eine Fälscherbande, die das angeblich 1943 entstandene Bild für 200 000 Euro nach Osnabrück verkauft hatte.
Fünf Männer und eine Frau sitzen seit gestern wegen " bandenmäßigen Betruges" auf der Anklagebank. Dies bestätigte Petra Karl, Sprecherin der Berliner Strafgerichte, gestern auf Anfrage. Nach ihren Angaben soll die Bande gleich mehrere Werke des 1904 in Osnabrück geborenen und 1944 in Auschwitz ermordeten Künstlers gefälscht haben. Das " Stillleben mit Puppe und Pampelmuse", so der Titel des gefälschten Werkes, kam 2007 in das Nussbaum-Haus, nachdem es von der Osnabrücker Felix Nussbaum Foundation angekauft worden war. Eine zweite Fälschung mit dem Titel " Selbstbildnis mit Masken, Handschuh und Fußball" veräußerten die mutmaßlichen Fälscher für 320 000 Euro an einen Privatmann.
Nach den Angaben der Sprecherin kamen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach einem anonymen Hinweis in Gang. Die Bande fälschte danach nicht allein Werke Nussbaums, sondern auch Arbeiten des 1997 verstorbenen Kunststars Martin Kippenberger. Wie Osnabrücks Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski auf Anfrage sagte, ist das gefälschte Nussbaum-Stillleben bereits 2009 von der Kriminalpolizei konfisziert worden. Seinerzeit ist nach ihren Angaben die Direktorin des Nussbaum-Hauses, Inge Jaehner, von der Polizei vernommen worden. " Das Museum trifft keine Verantwortung. Wir hätten die Sache allerdings offensiver kommunizieren können", sagte Rzyski weiter. Sie verwies auf die Tatsache, dass die Fälschung offenbar selbst für Fachleute schwer erkennbar gewesen ist. " Die Fälschung ist kriminaltechnisch nicht nachgewiesen", sagte die Dezernentin.
Nach ihren Worten wurde das Bild seinerzeit von einem amerikanischen Kunsthändler angeboten, der als Herkunft des Bildes " belgischen Privatbesitz" angegeben hatte. Die Werke des Holocaust-Opfers Nussbaum hatten sich nach dem Tod des Malers in der Obhut eines belgischen Arztes befunden. Aus dessen Besitz gelangten sie 1970 nach Osnabrück. Der Kunsthändler gehört jetzt zu den in Berlin angeklagten Personen. Das gefälschte Gemälde war 2007, anders als bei anderen Erwerbungen, nicht als Neuzugang des Museums öffentlich vorgestellt worden. Museumsdirektorin Inge Jaehner, die gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, fügte es der Schausammlung ein.
Die Konsequenz vor Ort: Die Bestände des Museums werden derzeit auf ihre Echtheit hin überprüft. Dafür sollen nach Rzyskis Angaben auch " externe Experten" hinzugezogen werden. Bislang hat diese Überprüfung noch keine Ergebnisse gebracht. Unmittelbare Folgen hatte die Aufdeckung des Fälschungsskandals auch für die Nussbaum-Foundation. " Wir lassen unsere Interessen durch einen Anwalt vertreten", sagte Hans-Jürgen Fip, Vorsitzender der Foundation und ehemaliger Oberbürgermeister Osnabrücks, gestern auf Anfrage. Fip: " Wir haben gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt Anzeige erstattet." Die Konten der Angeklagten seien beschlagnahmt worden. Die Foundation werde versuchen, den Kaufpreis zurückzuerhalten, so Fip weiter. Ob das Geld für den Ankauf seinerzeit dem Vernehmen nach von der Karmann-Stiftung bereitgestellt worden war, wollte Fip nicht bestätigen. Die Foundation, als Dauerleihgeberin Eigentümerin des gefälschten Bildes, ist nach den Worten Fips zum ersten Mal von einem Fälschungsfall betroffen. " Über die Echtheit der anderen Bilder im Nussbaum-Haus machen wir uns keine Sorgen", sagte Fip weiter. Derweil sieht Dezernentin Rzyski die Sache offenbar ein wenig anders: " Wir haben die Tragweite der Sache erst jetzt richtig erkannt", kommentierte sie den Fall.

Kommentar: Ein Museum versinkt im Gerede
Das Felix-Nussbaum-Haus kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Seit Wochen wird über das saftige Defizit der Ausstellung " Verborgene Spur" debattiert. Jetzt kommt ein Fälschungsskandal hinzu. Schlimmer kann es kaum kommen.
Die Gemälde Felix Nussbaums sind nicht allein als Kunstwerke wichtig. Ihre besondere Bedeutung gewinnen sie als Leidenszeugnisse eines Holocaust-Opfers. Gerade deshalb wirkt die Fälschungsaffaire doppelt diskreditierend. Zweiter Punkt: Die Verantwortlichen haben die Chance verpasst, die böse Entdeckung offensiv zu kommunizieren. Jetzt holt der Prozessbeginn Museumsleute ein, die es seinerzeit vorzogen zu schweigen. Das kostet Vertrauen - in der Fachwelt und bei Besuchern. Immerhin gab es die Option, sich mit der Überprüfung der Echtheit der weiteren Hausbestände die Initiative in dieser misslichen Angelegenheit zu erhalten. Nun sind die Osnabrücker nur Getriebene eines Gerichtsverfahrens.
Einziger Trost: Die Fälschung belegt, welchen Stellenwert der Maler Nussbaum inzwischen gewonnen hat. Seine Bilder versprechen lukrative Geschäfte. Gerade deshalb ist bei künftigen Erwerbungen besondere Vorsicht geboten.
Autor:
Stefan Lüddemann


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