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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Nasse Kohlen und strickender Wirt
Zwischenüberschrift:
Geschichten vom Sonnenhügel beim Schnatgang der Matthäus-Kirchengemeinde
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Schnatgang ist kein Privileg der Heger Laischaft. Auch die evangelisch-lutherische Matthäuskirchengemeinde auf dem Sonnenhügel geht alle paar Jahre ihre Grenzen ab, um alteingesessenen Gemeindemitgliedern neue Entwicklungen und Neuzugezogenen die altbekannten markanten Punkte innerhalb des Gemeindegebietes aufzuzeigen.
Im Rahmen der Feierlichkeiten zum fünfzigsten Pfarrjubiläum hatte der langjährige Kirchenvorstandsvorsitzende Siegfried Kühn wiederum einen Schnatgang organisiert. Der Begriff geht auf das niederdeutsche " Schnat" für Schneise oder Grenze zurück. In vergangenen Jahrhunderten, als es noch keine Grundbücher und Katasterämter gab, schritten die Mitglieder der Bürgergemeinschaften die Grenzen ihrer Liegenschaften ab, um besondere Markierungspunkte bekannt zu machen und offene Grenzfragen zu klären. Der Überlieferung nach erhielt der Nachwuchs der Grenzgänger an wichtigen Orten eine Ohrfeige verpasst, damit er sich das Vorgetragene besser merke. Inzwischen sind Schnatgänge informative Brauchtumsveranstaltungen, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Zweck, Rechtssicherheit zu schaffen, zu tun haben.
Anders als früher bei der Heger Laischaft wurde beim Matthäus-Schnatgang kein Kind geohrfeigt. Denn das einzige Kind im Marschtross, der zweijährige Sohn Jakob der Vikarin Julie Danckwerts, hätte wohl noch nicht viel damit anfangen können. Und die erwachsenen Mitmarschierer hatten auch ohne Ohrfeigen keine Mühe, die vielen interessanten Hinweise zu den Stadtteilen Sonnenhügel und Wakhegge, die sich in etwa mit den Grenzen der Kirchengemeinde decken, aufzunehmen.
So ließ etwa der Matthäus-Fördervereins-Vorsitzende Hans-Albert Roggenkamp Geschichten um die ehemalige Gaststätte Goldbeck (heute " Der Grieche" an der Ecke Kornstraße/ Hügelstraße) lebendig werden. Wenn nicht viel los war, hätte Wirt Heini Goldbeck hinter der Theke gesessen und Pullover gestrickt. Andere Mitwanderer kannten sich bestens mit den Luftschutzstollen aus, die im Bombenkrieg in den Sonnenhügel getrieben worden waren. Oder erzählten von dem Kohlenhändler, der immer die Kohlen vor der Auslieferung nass machte, damit der Zentner auf der Waage schneller erreicht war.
Kurt Petersen erinnerte an die zahlreichen kleinen Lebensmittel-Läden, die es früher auf dem Sonnenhügel gab. Kirchenvorstand Olaf Kosin und seine Familie luden zu erfrischenden Getränken in ihren Garten Am Turmhügel ein. Kosin erklärte, woher die Wohnstraße ihren Namen hat: Bis 1929 stand hier das turmartige Gartenhaus des bedeutenden Osnabrücker Politikers Carl Bertram Stüve. Auf großes Interesse stießen auch die Erläuterungen Kühns zum Stand der Vermarktung der Engländersiedlungen Am Vogelsang.
Nach einer weiteren Rast im Garten von Siegfried und Irmgard Kühn mit stärkenden Schmalzbroten endete der heitere und informative Gang wieder an der Matthäuskirche, wo Vikarin Danckwerts zum Abschluss eine Abendandacht hielt.
Autor:
jod


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