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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Der Mann ist konsequent"
Zwischenüberschrift:
Zwischen Entsetzen und Freude: Köhlers Rücktritt löst in Osnabrück gemischte Gefühle aus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Horst Köhler ist zurückgetreten? Das ist aber kein Aprilscherz, oder?" Rund zwei Stunden nachdem Horst Köhler von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten war, konnten es viele Osnabrücker noch nicht so richtig glauben. Als Grund für seinen Rücktritt hatte Köhler die Debatte um seine Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr genannt.
" Ich bin sprachlos und entsetzt", sagt Hiltrud Holländer. " Der Rücktritt kommt für mich vollkommen überraschend. Ich frage mich, warum er jetzt so plötzlich zurückgetreten ist." Für Jürgen Dellbrügge stellt sich diese Frage nicht - seiner Meinung nach hat Köhler mit dem Rücktritt konsequent gehandelt. " Es ist traurig, dass dieser Mann von Menschen mit linker Gesinnung und fernab jeglicher politischen Realitäten demontiert wurde."
Als Konsequenz vergangener Handlungen bewertet auch Fridolin Pfeiffer den Rücktritt. " Was Köhler manchmal von sich gegeben hat, war sehr missverständlich. Wenn er sich klarer und transparenter ausgedrückt hätte, wäre das nicht passiert." Auf die richtige Wortwahl und Tonlage kommt es an, der Überzeugung ist auch Elisabeth Kaal. Nichtsdestotrotz findet sie, dass Köhler oft zu Recht kritisch war.
" Wer kritisiert, muss aber auch Kritik einstecken können", sagt Pfeiffer. Er hätte nicht gedacht, dass Köhler so dünnhäutig ist und zurücktritt. " Unfassbar" findet auch Karla Möller den sofortigen Rücktritt. Jonas Görlich hingegen lässt das kalt. " Ich begrüße den Rücktritt sogar", sagt er. Aufgrund seines Postens als geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds sei ihm Köhler " nie sympathisch" gewesen.
Stellt sich die Frage, wer der zehnte Bundespräsi-dent der Bundesrepublik Deutschland werden soll. Innerhalb der nächsten 30 Tage muss ein Nachfolger gefunden werden, bis dahin übt der Präsident des Bundesrates, Jens Böhrnsen, das Amt stellvertretend aus. Aber wer soll es danach machen?
" Nachfolger? Keine Ahnung, ich kenne keinen geeigneten Politiker", sagt Karla Möller. " Wir brauchen eine weise Person", da ist sich Jonas Görlich sicher. Auf Anhieb fällt ihm aber keine Person ein, die " weise" genug ist. Unschlüssig ist auch Hiltrud Holländer. " Vielleicht hat Anette Schavan ja noch einmal Lust zu kandidieren." Wenn es nach Jürgen Dellbrügge geht, dann sollte Margot Käßmann Bundespräsidentin werden. " Das mag jetzt zwar lustig klingen, aber ich halte Frau Käßmann trotz ihrer Alkoholfahrt für eine gute Besetzung. Da muss man mal schauen, ob sie die negativen Schlagzeilen abschütteln kann."
Ein Passant, der nicht kenntlich gemacht werden wollte, gab zu Protokoll, dass Köhler mit seinem Rücktritt den Weg für Christian Wulff frei gemacht habe. Der Ministerpräsident ist seiner Meinung nach der geeignetste und fähigste Kandidat.

Mancher wittert schon das Ende der Berliner Koalition
Die Lokalpolitik sieht die Schuld bei Kritikern - oder bei Köhler selbst
hpet Osnabrück. Schock, Überraschung, Kritik - der Rücktritt des Bundespräsidenten geht auch an den Spitzen der Osnabrücker Politik nicht spurlos vorbei.
Kritisch geht Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) mit denjenigen - auch aus seiner Partei - um, die Köhlers Äußerungen absichtlich missinterpretiert haben. Der " Schlagreflex" bei derart unglücklichen Aussagen sei bedauernswerter Bestandteil der Politik geworden. " Jeder, der weiß, wie Köhler denkt, kann ihm eine solche Ansicht nicht ernsthaft unterstellen." Sonst müsste sich der Bundespräsident seine gesamte Amtszeit verstellt haben, denn als Hardliner sei er nie aufgetreten.
Tief erschüttert zeigt sich Fritz Brickwedde , CDU-Fraktionsvorsitzender. Als Präsident der Deutschen Bundesstiftung Umwelt habe ihn ein sehr enger Kontakt mit Horst Köhler verbunden. Zuletzt hatte Brickwedde Köhler noch im Mai gesehen und ihn " so engagiert und herzlich" wie immer empfunden.
" Es hat ihn mit Sicherheit tief getroffen und verletzt, dass er parteipolitisch unter Feuer gekommen ist." Zu Unrecht, wie auch Brickwedde meint. " Vor dem Staatsoberhaupt hat man einen gewissen Respekt zu haben." Das bedeute, dass die Kritiker zunächst einmal hätten prüfen sollen, was Köhler mit seinen Aussagen über den deutschen Bundeswehreinsatz im Ausland gemeint habe, bevor sie ihn dafür kritisierten.
" Ich bin geschockt", sagt SPD-Fraktionschef Frank Henning . " Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet." Den Schritt hält Henning für " völlig überzogen". Kritik am Bundespräsidenten müsse doch möglich sein. " Das muss er abkönnen." Henning mutmaßt: " Das scheint mir vorgeschoben, eventuell hat er ganz andere Gründe." Hennings Verdacht aus der Ferne: Amtsmüdigkeit.
Die Medien und ihre " böswilligen Unterstellungen" macht FDP-Fraktionschef Thomas Thiele in erster Linie für Köhlers Schritt verantwortlich. Dass der Bundespräsident so reagiert hat, kann Thiele verstehen, auch wenn er es bedauert, dass die Kritiker damit " ihr Ziel erreicht haben". Vielleicht sorge dieses " aufrüttelnde Signal" ja für ein Umdenken, hofft Thiele.
Ganz anders sieht es Michael Hagedorn , Vorsitzender der Fraktion der Grünen. " Nach so einer Äußerung war eine harte Debatte nötig." Die Konsequenz Köhlers hat nach Hagedorns Interpretation damit zu tun, dass " im Berliner Betrieb eine gewisse Unterstützung" gefehlt habe. Vielleicht, so der Grüne, sei das ja der Anfang vom Ende dieser Koalition.
Christopher Cheeseman von der Linken wittert gar, dass sich der Bundespräsident ertappt sah: " Diese heftige Reaktion" scheine eher zu bestätigen, dass an den aus Köhlers Sicht respektlosen Interpretationen seiner Aussagen etwas dran sei.
Autor:
Kirsten Grothaus
 
Jörg Martens


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