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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Komet, aber kein Weltuntergang
Zwischenüberschrift:
Der Mai 1910 war ein kalter Monat - Fahrgelderhöhung für die Straßenbahn
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Mai vor 100 Jahren war noch kälter als der Mai 2010. Das frische Grün und die Baumblüten zeigten Frostschäden, obwohl die Eisheiligen noch bevorstanden. Mancher Zeitgenosse war überzeugt: Schuld an dem kalten Wetter und an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten war der Halley? sche Komet.
fÜber den Kometen berichteten die Zeitungen seit Wochen immer wieder. Von abergläubischen Panikausbrüchen in Süddeutschland berichtete das Osnabrücker Tageblatt, aber auch Wissenschaftler kamen zu Wort. Aus der Frankfurter Zeitung stammte dazu ein Vers eines Schuljungen: " Wir brauchen nix zu lernen, wir leben nicht mehr lang, am achtzehnten Mai ist Weltuntergang. Am neunzehnten Mai ist alles vorbei!"
In Köln herrschten karnevalistische Zustände, berichteten Reisende. Ein Restaurant warb mit letzten Henkersmahlzeiten, letztem Konzert der Blaskapelle und großem Krach um Mitternacht des 19. Mai. Nach 24 Uhr hieß es auch dort " es hätt noch immer got gegange", und die Musik spielte bis zum Morgen.
" Der für den 19. Mai angesagte Weltuntergang ist eingetretener Hindernisse halber auf unbestimmte Zeit verschoben worden!" Mit diesen spöttischen Zeilen reagierte die Zeitung auf die Unruhe in der Bevölkerung und fügte zwei lange Spalten populär verständlicher Erklärungen zum Kometen und seiner Bahn hinzu.
Eine Besonderheit war, dass die Bahn der Erde einen Teil des Kometenschweifes kreuzte. Vom Westerberg aus war in der Nacht des Durchzugs aber nichts Besonderes zu erkennen. Alle europäischen Sternwarten hatten ihre Fernrohre in Stellung gebracht, um atmosphärische oder elektromagnetische Phänomene zu beobachten und zu messen. Auch die mutigen nächtlichen Ballonfahrer konnten nichts Außergewöhnliches verzeichnen.
Zur allgemeinen Weltuntergangsstimmung passte die neue Ausstellung des Dürerbundes in Osnabrück: Auf einer Fläche neben dem Museum errichteten heimische Künstler und Steinmetze einen " stillen Friedhof" und stellten für einige Tage dicht an dicht Grabdenkmäler und Stelen auf. Vordemberge, Hagedorn, Grimm und Rabe zeigten ihre Musterstücke auf diese Weise öffentlich.
Ein altrömischer Bohlenweg aus dem Schweger Moor gehörte zu den neuen Sehenswürdigkeiten des Museums. Bei den Vorarbeiten für ein Elektrizitätswerk im Moor waren die gut erhaltenen antiken Bohlen zutage getreten.
Zum 20. Mai eröffnete die Flussbadeanstalt an der Nette wieder ihre Pforten, allerdings war die Benutzung des Bades nur für männliche Personen erlaubt.
Beide Arme und mehrere Rippen brach sich ein Dachdecker, der an der Klosterkaserne die Dachrinne zu reparieren hatte. Er stürzte vom Dach auf einen Schuppen der Kaserne, rollte weiter und fiel dann unsanft auf den Boden.
Im Zusammenhang mit einer Erweiterung des Straßenbahnnetzes wurde in den städtischen Kollegien auch über eine mögliche Fahrgelderhöhung diskutiert. Mit den bisherigen 10 Pfennigen konnte ein Fahrgast kostendeckend nur drei Kilometer Straßenbahn fahren, längere Strecken, etwa bis zum Schölerberg, mussten dann teurer werden.
Bis zur Fertigstellung der Bahnunterführung auf der Iburger Straße im November sollte die Schölerbergstraße befahrbar sein. Die weiteren Projekte für Straßenbahnlinien außerhalb der Stadttore wurden aus Kostengründen vorerst zurückgestellt.
Die Kiwitt- und die Rehmstraße waren die nächsten bewilligten Straßenzüge, die ausgebaut werden sollten. Nach den Kanalisationsarbeiten plante man zuerst, die Fahrbahnen mit einer " Packlage" für Fuhrwerke befahrbar zu machen, darauf konnte zu einem späteren Zeitpunkt das Kopfsteinpflaster gelegt werden. Die dafür nötigen je 11000 Mark wurden sofort bewilligt. Im Baugewerbe stritt man erneut um höhere Löhne, Aussperrungen waren in ganz Preußen ausgesprochen worden, und auch die Arbeiter in Osnabrück standen auf der Straße. Noch war kein Licht am Horizont sichtbar, die Fronten hatten sich verhärtet.


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