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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Ostfriesentee und das Osnabrücker Wasser
Zwischenüberschrift:
Eine flüssige Recherche: Warum Tee nicht überall gleich schmeckt
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Für einen Emsländer mit ostfriesischem Einschlag geht nichts über die tägliche Tasse Tee. Doch so ganz will dem Autor dieser Zeilen das Nationalgetränk der nördlichen Hälfte Deutschlands nach dem Umzug nach Osnabrück nicht mehr munden. Woran das liegt? Eine sehr flüssige Recherche.
Eigentlich ist alles wie immer. Die Teesorte, der Kluntje so heißt weißer Kandis im hohen Norden –, sogar die Marke der Sahne. Doch der Geschmack ist einfach nicht derselbe. Anruf beim ostfriesischen Teehändler Bünting. Hier arbeiten Menschen wie Egbert Kolthoff, Prokurist und Teetester. Wenn jemand über die Zubereitung von Tee Bescheid weiß, dann er.
" Tee kann seine Qualität in weichem Wasser besonders gut entfalten", stellt er unabhängig von der Teesorte fest und gibt damit einen ersten Hinweis. Kolthoff: " Abgesehen vom Geschmack, kann man bei der Zubereitung von Tee mit hartem Wasser einen Film auf der Oberfläche beobachten." Und tatsächlich: Bei ganz genauer Betrachtung schwimmt da etwas auf der Teeoberfläche. Der Schuldige scheint also ausgemacht: das Wasser.
Nachfrage bei den Osnabrücker Stadtwerken: Ist wirklich das Wasser schuld? Wasserwerkschef Joachim Nolte antwortet mit einer Gegenfrage: " Wo wohnen Sie?". Das hat seinen Grund: Osnabrück wird von insgesamt drei Wasserwerken versorgt. Je nachdem, wo man den Wasserhahn aufdreht, liefern die Werke Thiene, Wittefeld oder aber Düstrup das kühle Nass. Und das liegt bei den beiden letztgenannten im Härtebereich mittel.
Härtebereich mittel? Gemeint ist die Wasserhärte, die in Grad deutscher Härte gemessen wird und für den Versorgungsbereich des Wasserwerkes Düstrup bei 13, 1 liegt der Höchstwert in Osnabrück. Was das bedeutet, erklärt Joachim Nolte gleich vor Ort, in den zumindest äußerlich historischen Hallen des Wasserwerkes in Düstrup.
Fünf Brunnen fördern hier aus 50 bis 60 Meter Tiefe Wasser an die Erdoberfläche. " Wir zapfen da aber keinen unterirdischen See an. Es handelt sich vielmehr um Regenwasser", erklärt Nolte. Bevor das aber so tief unten ankommt, muss es im Falle Düstrup erst einmal durch eine Muschelkalkschicht. Auf dem Weg nach unten würden so " in hohem Maße Mineralien wie Nitrat, Chloride oder Flouride aufgenommen, die härtebildend wirken". Und die beeinflussen eben auch den Geschmack des Tees.
Ungefiltert liege das Düstruper Wasser bei 28 Grad deutscher Härte. " Hartes Wasser ist für den Menschen prinzipiell gesund", sagt Nolte, aber Waschmaschinen und andere Gerätschaften im Haushalt leiden, der gefürchtete Kalk reduziert die Lebensdauer. " Daneben sind unter anderem im Waschmittelgesetz zahlreiche weitere Parameter vorgegeben, die Standards für Wasserqualität vorschreiben", so der Wasserwerkschef.
Vor gut sieben Jahren wurden diese Parameter angezogen, die Stadtwerke mussten handeln und die Art der Aufbereitung des Wassers in Düstrup anpassen. Insgesamt wurden 11 000 Quadratmeter Membranfläche installiert. " Der Filter lässt das Wasser durch, Härtebildner aber nicht", so Nolte. Vom Ende der Kalkzeit für den südlichen Innenstadtbereich war 2004 in der Neuen Osnabrück Zeitung zur Inbetriebnahme der neuen Filteranlage die Rede.
Diese ist tatsächlich so gut, dass das mineralienhaltige Brunnenwasser nach Durchfließen der sogenannten Membranstraße laut Nolte kaum noch Härtebildner beinhaltet. Ein Problem, denn zu weiches Wasser bringt ebenfalls Nachteile mit sich. Und deswegen wird es, bevor es auf den Weg in die Wasserleitungen geschickt wird, noch einmal kräftig mit härterem Wasser vermischt, sodass am Ende eben Wasser mit 13, 1 Grad deutscher Härte das Wasserwerk in Düstrup verlässt.
Dafür zuständig sind vier Pumpen, die größte pumpt bis zu 700 Kubikmeter Wasser in der Stunde ins Netz. " Wasserversorgung heißt Massen bewegen", begründet Nolte die wuchtigen Maschinen, die im Hauptgebäude des Wasserwerkes Düstrup je nach Bedarf arbeiten. Der variiert nach Noltes Angaben im Laufe eines Jahres stark. Während am 1. Januar 22 000 Kubikmeter das Wasserwerk verließen, seien es an heißen Augusttagen ganze 48 000 Kubikmeter und nur ein Bruchteil davon landet im Teetopf des Autoren.
Das Konzentrat, das die Filter aus dem " Rohwasser" filtern, wird im Übrigen in die Hase abgeleitet. Das geht mit dem " Abfallprodukt" des Wasserwerkes Wittefeld zuständig für den Nordosten der Stadt nicht. Das Wasser ist nach Noltes Auskunft sehr eisenhaltig und wird ebenfalls gefiltert. " Jedes Jahr fallen 3000 Tonnen Eisenschlamm an", erklärt der Wasserwerkschef. Die werden etwa für Renaturierungsmaßnahmen oder das Auffüllen von Tongruben verwendet.
Nach diesem Ausflug nach Düstrup wieder zurück zum flüssigen Ausgangspunkt der Recherche: dem Tee. So ganz will Joachim Nolte nicht glauben, dass der Unterschied der Wasserhärte zwischen Osnabrück und den nordwestlichen Regionen Niedersachsens im Tee herauszuschmecken ist.
" Das dürfte eigentlich kein Problem sein", sagt Nolte, obwohl besagter Autor dieser Zeilen auch nach dem Wasserwerksbesuch darauf schwört, dass der Tee in Ostfriesland noch am besten schmeckt. Handelt es sich also um Geschmacksirritationen, verursacht durch Sehnsucht nach der Heimat? Der Autor und Neu-Osnabrücker wird vom Wasserwerk Thiene versorgt, hier liegt der Härtegrad bei 7, 1 das weichste Wasser in Osnabrück. In nördlichen Emsland ist es mit 4 Grad aber noch weicher.
Muss der Autor also Kanister mit Wasser von Heimatbesuchen mitbringen? Nein, denn Teetester Egbert Kolthoff hat Tipps zur richtigen Zubereitung parat: " Auch in Regionen mit härterem Wasser muss man auf den vollen Tee-Geschmack nicht verzichten. Um einen möglichst unverfälschten Geschmack zu erhalten, besteht die Möglichkeit, das Wasser vorab mit handelsüblichen Filtern zu filtern oder auf stille Wasser mit möglichst geringem Härtegrad zurückzugreifen."
Auch gegen den unschönen Film auf dem Tee hat er einen Ratschlag. " Der lässt sich reduzieren beziehungsweise eliminieren, wenn man ein bis zwei Tropfen Zitronensaft in die Tasse Tee träufelt." Und tatsächlich: Mit den Tipps des Fachmanns weht auch in der Osnabrücker Wüste ein Hauch Ostfriesland.

Bildtexte: Der Blick in den Wasserspeicher: Zwei derartige Speicher mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern Wasser befinden sich auf dem Grundstück des Wasserwerkes Düstrup.
Nichts deutet von außen darauf hin, dass im Innern des Wasserwerkes Düstrup modernste Technik arbeitet.
Die Membranstraßen filtern die Härtebildner aus dem Wasser heraus.
Sie wissen, wie es geht: Die Teetester Ralf Töpfer (links) und Egbert Kolthoff. Foto: Bünting
Schwören auf ihr Wasser: Wasserwerkschef Joachim Nolte (links) und Wassermeister Uwe Berlsmann.
Schalttafeln und Computer prägen das Innenleben des Wasserwerkes.
Von Dirk Fisser (Text) und Michael Hehmann (Fotos)

Wie hart ist Ihr Wasser?
Wer wissen will, welchen Härtegrad das Wasser hat, das aus der heimischen Leitung fließt, für den bieten die Stadtwerke einen besonderen Service an. Auf der Internetseite der Stadtwerke (www.stadtwer »
ke-osnabrueck. de) kann unter der Überschrift " Energie & Wasser" beim Unterpunkt Trinkwasser – " Beratung und Förderung" der Härtegrad des Wassers abgefragt werden. Einfach die Straße angeben, an der man wohnt, und schon wird angezeigt, welches Wasserwerk den Straßenzug versorgt.
Autor:
Dirk Fisser


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