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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Morgens leider unabkömmlich
Zwischenüberschrift:
Wandel in der Arbeitswelt verlängert die Ausrückzeiten der freiwilligen Feuerwehren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Früher war manches einfacher, auch bei der Feuerwehr. Der Schmied arbeitete in seiner Schmiede in Hörweite der Alarmglocke des Spritzenhauses. Seine Kameraden hatten ihre Arbeitsplätze ebenfalls im Nahbereich der Feuerwache. Der Wandel in der Arbeitswelt stellt die freiwilligen Feuerwehren vor das Problem, dass sie bei einem Tagesalarm oftmals nicht genügend oder nur verspätet Einsatzkräfte zusammenbekommen.
Von Joachim Dierks
Osnabrück. Da wird der Maschinenschlosser von seinem Arbeitgeber mal eben nach Bremen geschickt, weil eine Maschine dort Probleme macht. Oder der ehrenamtliche Feuerwehrmann findet am Ort keinen Arbeitsplatz und muss jeden Arbeitstag 30 Kilometer pendeln.
Das Problem beschäftigt die Verwaltung und auch die Politik im Osnabrücker Rathaus. Die CDU-Fraktion hat eine Anfrage eingebracht, wie die Verwaltung mit verminderter Ausrückstärke und verlängerter Ausrückzeit umzugehen gedenke. Ausrückzeit: Das ist die Zeitspanne von der Alarmierung der freiwilligen Feuerwehrleute bis zur Abfahrt des ersten besetzten Fahrzeugs aus der Feuerwache.
In der Tat, so bestätigte die Stadtverwaltung, ist seit 2003 die Ausrückzeit bei Alarmierungen tagsüber von 5 Minuten 59 Sekunden auf 7 Minuten 30 Sekunden gestiegen. Bei einer deutschlandweit als Richtwert geltenden Eintreffzeit von 8 Minuten blieben dann noch gerade 30 Sekunden für die Fahrt bis zum Einsatzort, was natürlich illusorisch ist. Von daher sieht die Verwaltung die Verlängerung der Ausrückzeit als kritisch an, wie es in der schriftlichen Antwort auf die CDU-Anfrage heißt, und listet anschließend auf, was alles schon getan wird, um die ehrenamtliche Arbeit der freiwilligen Brandschützer und verständnisvolle Arbeitgeber zu würdigen.
Denn eines ist den Beteiligten klar: Wenn auf die sieben freiwilligen Wehren im Stadtgebiet mit ihren 270 Aktiven nicht mehr gezählt werden könnte, müsste die Berufsfeuerwehr um 80 bis 100 Stellen aufgestockt werden, um alle vorgeschriebenen Aufgaben im Bereich Brandschutz und technische Hilfeleistung erfüllen zu können. Das würde den städtischen Haushalt mit fünf Millionen Euro zusätzlich pro Jahr belasten.
" Das sollten wir ganz schnell vergessen", meint Heiko Schnitker, stellvertretender Amtsleiter der Berufsfeuerwehr. Für die Berufsfeuerwehr sei klar, dass es ohne die freiwilligen Kameraden nicht geht, die je nach Einsatz-Stichwort gleich nach der Berufsfeuerwehr nachalarmiert werden und überdies wichtige Spezialaufgaben wie etwa die Ölbekämpfung auf Gewässern komplett der Berufsfeuerwehr abnehmen.
Also müsse nach Mitteln und Wegen gesucht werden, wie das Ehrenamt und die Erfordernisse des modernen Arbeitslebens unter einen Hut gebracht werden können, sagt der oberste freiwillige Feuerwehrmann Osnabrücks, Stadtbrandmeister Hartmut Lauxtermann. " Es wäre zu begrüßen, wenn positiv eingestellte Arbeitgeber, die unsere Leute sofort ziehen lassen, herausgestellt würden. Allerdings nicht in einer Weise, dass andere sich auf den Schlips getreten fühlen, bei denen es vielleicht trotz guten Willens wegen der Arbeitsorganisation objektiv nicht so einfach geht."
In so einer Lage ist der Ortsbrandmeister der Freiwilligen Wehr Voxtrup, Ingo Imwalle. Er ist im Zivilberuf Baggerfahrer bei einer Tiefbaufirma. " Wenn ich abrücken müsste, steht die ganze Baustelle still", sagt er, betont aber gleichzeitig, dass es mit gutem Willen auf beiden Seiten bislang immer " irgendwie" eine Lösung gegeben habe. Natürlich spiele auch eine Rolle, ob es " Kochtopf auf Herd" oder " Katze auf Dach" oder ein richtiger Großbrand sei.
Einer von Imwalles aktiven Feuerwehrkollegen ist Andreas Brand. Er arbeitet bei dem Internet-Dienstleister " Comprovide" am Stahlwerksweg. Seine persönliche Ausrückzeit tagsüber liegt bei fünf Minuten, was einerseits mit dem " hundertprozentig kooperativen" Arbeitgeber zu tun habe, andererseits mit nicht zu vielen Ampeln auf dem Weg zur Wache. Denn " für uns im Privatwagen gibt es kein Blaulicht, es gilt die StVO", stellt Brand klar. Nachts schaffe er es sogar in weniger als drei Minuten aus dem Tiefschlaf bis zum Aufsitzen auf den Mannschaftswagen in voller Montur. Wie überhaupt in keiner freiwilligen Wehr die Nacht-Ausrückzeiten ein Problem darstellten.
In den 21 Kommunen des Landkreises Osnabrück gibt es keine Berufsfeuerwehr. Hier liegt die Last auch des Erstschlags im Alarmfall ausschließlich auf den Schultern der Kameraden in den freiwilligen Wehren. Insofern ist hier das Kriterium der Tages-Ausrückzeit noch bedeutsamer als im Stadtgebiet. " Dabei sind wir im Osnabrücker Land noch recht gut dran", meint der ranghöchste Blaurock im Landkreis, Kreisbrandmeister Heiner Prell. " Wir haben ständig um die 3500 Aktive und sogar steigende Zahlen bei der Jugendfeuerwehr, inzwischen mehr als 500, und nicht die Rückgänge wie in anderen Kreisen."

Bildtext: Der Idealfall: Alarmpieper und Schutzhelm liegen auch am Arbeitsplatz des ehrenamtlich aktiven Feuerwehrmannes griffbereit. Der Wandel des Arbeitslebens führt dazu, dass viele Einsatzkräfte nicht mehr in der Nachbarschaft des Feuerwehrhauses arbeiten. Entsprechend verlängern sich die Zeiten, bis die Wehren ausrücken können. Fotos: Michael Hehmann
Kurzer Weg: Informatiker Andreas Brand schafft es in wenigen Minuten zur Wache der Freiwilligen Feuerwehr Voxtrup.
Autor:
Joachim Dierks


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