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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Neue Mode und "echte Mütterlichkeit"
Zwischenüberschrift:
März 1910: Frauenrechte in der Diskussion – Pläne zur Straßenbahnerweiterung vorgestellt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Erweiterung der Straßenbahn, neue Modegeschäfte in der Großen Straße, immer mehr Heiratsanzeigen in der Zeitung und das neue Theatercafé: Das waren Themen, die die Osnabrücker vor 100 Jahren bewegten.
Im Rathaus wurden Pläne vorgestellt, Osnabrücks Straßenbahntrassen zu erweitern. Man plante die Schienen nach Süden auf der Iburger Straße bis zum Gasthaus Schumla zu verlegen, nach Westen weit über die Martinistraße hinaus zu führen und eine Wendeschleife vor dem Hauptbahnhof hinzuzufügen. Oberbürgermeister Rißmüller begrüßte den fortschrittlichen Plan. Die städtischen Kollegien genehmigten die Erweiterung der Elektrischen in die Außenbezirke. Gebührend begrüßt wurde zudem der Bericht des Elektrizitätswerksdirektors, der einen Überschuss von 20 000 Mark vermeldete und das Geld dem Stadtkämmerer bereits abgeführt hatte. Ein großer wirtschaftlicher Aufschwung sei in Sicht, so meinten die Herren der Kollegien, das bewiesen schon allein die rasch steigenden Zahlen der Menschen, die in großer Zahl in Osnabrück Wohnung und Arbeit suchten und fanden.
Der Volksunterhaltungsabend hatte das Thema " Lenz und Liebe". Damit auch das " einfache Volk" kulturelle Bildung schätzen lernen könne, betrug der Eintritt nur 10 Pfennig. Der Zuschauerkreis war auf Erwachsene und " schulentlassene Kinder" beschränkt.
Ein neues Theatercafé hatte gegenüber dem Domhof seine Türen eröffnet. 20 Pfennig für eine Tasse Kaffee, Kuchen und Torte pro Stück 15 Pfennig und ein Butterbrot für 25 Pfennig. Geöffnet hielt die Besitzerin das Café von 9 bis 24 Uhr.
Im Anzeigenteil der Tageszeitung überboten sich die Stellen- und Wohnungsanzeigen vor dem 1. April, aber auch Werbung für Kleidung, Stoffe und Haushaltsgerät nahm viel Raum ein. Unter den Kleinanzeigen fanden sich im Frühling zahlreiche Ehegesuche, junge und ältere Damen und Herren, die das Glück zu zweit suchten und dabei gerne auch ihren Vermögensstand preisgaben (" 180 000 Mark Mitgift").
Der katholische Frauenbund Osnabrück hielt seine gut besuchte Jahrestagung ab und freute sich über 350 Mitglieder. Die Neuerung beim Frauenbund waren so genannte " Wanderkurse". Interessierte Frauen und Mädchen vom Lande konnten auf diese Weise kochen lernen. Die Anfragen aus den Dörfern waren so enorm, dass die Kurse auf Monate hin ausgebucht waren. Für die Kreise Hümmling, Lingen und Iburg wurden weitere Wanderkurse bewilligt.
Nach den geschäftlichen Angelegenheiten hörten die Anwesenden noch einen Vortrag über " Aufgaben und Pflichten der Frau in der Gegenwart". Die Referentin bedauerte die große Anzahl von Frauen, die achtlos durch das Leben gingen, als ob die große Aufgabe, die soziale Frage, nichts mit ihnen zu tun hätte. Im Weiteren hieß es: " Das Ziel der bürgerlichen Frauenbewegung ist die völlige allseitige Gleichstellung von Mann und Frau." Nicht nur von Rosa Luxemburg und Lilli Braun war die Rede, auch Klara Zetkin fand in diesem Vortrag Erwähnung.
Für die Referentin bildete die Schulausbildung der Mädchen die Zukunft. Den Mädchen sollte allseitige Bildung zuteil werden, gediegenes Wissen, praktisches wirtschaftliches Können und – " echte Mütterlichkeit".
Für die fast 300 Konfirmanden der Stadt sollte nach Ostern der Schritt ins Leben beginnen. Man hatte die Jungen nach ihrer Berufswahl befragt: Sie wollten Kaufmann, Schlosser, Schreiber, Tischler, Lehrer, Weber, Schuhmacher, Laufbursche, Arbeiter, Techniker, Landwirt, Bäcker, Schneider, Sattler, Schlachter, Gärtner oder Hausdiener werden. Aber auch die Berufe Knecht, Matrose, Koch, Schmied, Spinner, Steinsetzer, Maurer, Bildhauer, Photograph, Zelluloidarbeiter, Buchbinder und - drucker, Kellner, Kutscher, Dentist und Postbote wurden genannt. Bei 28 Knaben war der Beruf noch ungewiss. Was die Mädchen nach der Konfirmation tun wollten, fand keine Erwähnung.
Nach mehreren Monaten Umbau bezog die Firma Alsberg & Co. im März 1910 das neue Geschäft Große Straße 34. In der Hauptsache verkaufte Alsberg fertige Kleidung für Damen, Herren und Kinder sowie Wäsche und Aussteuerwaren. Auf den wenigen Hundert Metern der Innenstadt konkurrierten immer mehr große Geschäfte für Bekleidung und Schuhe um die Gunst der Käuferinnen und Käufer.
Von der Varusschlacht war die Rede, als der Museums- Verein im März 1910 seine Versammlung abhielt. Da innerhalb der nächsten Monate mit der Aushebung des Mittellandkanals zu rechnen war, galt es, Freiwillige zu finden, die über sämtliche Altertumsfunde in Alt-Barenaue wachen konnten. Münzfunde der Vergangenheit legten die Vermutung nahe, dass in diesem Gebiet dereinst die Varusschlacht stattgefunden hatte. Der Verein war bestrebt, die möglichen Funde in das hiesige Museum zu holen. Es war aber zu vermuten, dass Berlin, als Auftraggeber des Kanals, die Fundstücke für sich behalten würde. Für einen besonderen Überwachungsdienst bei den Ausschachtungen fehlte leider das Geld, und man bedauerte, dass es in der Kanalbauverwaltung an Persönlichkeiten mit Interesse an historischen Schätzen fehle.

Bildtext: Immer mehr Bekleidungsgeschäfte konkurrierten vor 100 Jahren um die Gunst der Kunden (wie das Kaufhaus Alsberg an der Großen Straße, hier auf einer Ansichtskarte von 1908).
Autor:
Christiana Keller


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