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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Hier steht alles an der falschen Stelle
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Teil 3: Die Kaserne an der Landwehrstraße – Bis jetzt freuen sich die Sportler
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Briten nannten sie Quebec Barracks, die Osnabrücker sprechen von der Kaserne an der Landwehrstraße. Eine Stadt im Kleinen, mit schäbigen Baracken und topmodernen Mannschaftsunterkünften, mit tristen Gewerbehallen und urigen Pubs. Dazu eine nagelneue Turnhalle mit feinstem Parkettboden. Alles leider so ungünstig angeordnet, dass sich ein Stadtplaner die Haare raufen muss.
37 Hektar groß ist das Kasernengelände zwischen Eversburg und Atter. Eigentlich ein riesiges Potenzial für die Stadtentwicklung. Aber fast jede denkbare Nutzung scheint geeignet, neue Konflikte heraufzubeschwören. Ein großer Wurf ist nicht in Sicht. Für die Bima, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, könnte allenfalls die eine oder andere kleine Vermietung herausspringen. Und die Stadtplaner lassen sich Zeit. An der Landwehrstraße läuft ihnen nichts weg, während andere Kasernenstandorte in Osnabrück schnelle Entscheidungen erfordern.
Die Einzigen, die den verlassenen Briten-Stützpunkt mit Leben erfüllen, sind derzeit die Sportler. Alles, was sich für Baseball, Football, Hockey, Frisbee, Boxen und sogar Schwertkampf interessiert, trifft sich neuerdings in Eversburg.
Zu den Hinterlassenschaften der Rhein-Armee gehören zwei Sporthallen, ein Kunstrasenplatz mit Flutlichtanlage und ein großer Fußballplatz. Mieter der Sportanlagen ist der OSC, der mit anderen Vereinen kooperiert. Julia Riethmüller, die stellvertretende Geschäftsführerin des Osnabrücker Sportclubs, spricht von einer " Super-Zusammenarbeit mit der Bima". Auf Dauer kann sich der OSC auch vorstellen, die beiden Hallen und die Rasenplätze zu kaufen.
In einer ehemaligen Kaserne Sport zu treiben mag etwas ganz Normales sein. Ungewöhnlich ist der Zugang. Wie zur Zeit des Kalten Krieges endet die Fahrt erst einmal vor der rot-weißen Schranke. Der Wachposten, der den Schlagbaum öffnet, ist ein Hausmeister im Dienst des OSC. Er lässt die Sportler aufs Gelände und achtet darauf, dass keine Unbefugten auf dem unübersichtlichen Areal herumstromern. Dieses militärisch anmutende Ritual wird wohl noch jahrelang in Erinnerung rufen, wem die Sportanlage in Eversburg zu verdanken ist.
Dabei waren die Briten nicht die ersten Soldaten auf dem Gelände. Die Deutschen unter Hitler legten die Kaserne an, davon zeugt eine Wehrmachtsbaracke aus den 30er-Jahren, die heute unter Denkmalschutz steht. In den 60ern errichtete die Bundesrepublik Deutschland Baracken ähnlichen Zuschnitts für ihre britischen Besatzer, allerdings mit weniger Holz und mehr Beton. Diese flachen Gebäude dienten ganz universell als Wohn- und Dienstbehausung, als Lager, Werkstatt und Büro. Kaum denkbar, dass heute noch jemand etwas damit anzufangen weiß.
Die Briten haben aber auch Mannschaftsunterkünfte hinterlassen, die noch nicht einmal sieben Jahre alt sind. " Man möchte sie mit einem großen Kran abheben und versetzen", sagt die Stadtplanerin Claudia Bierbaum und denkt an ein Studentenwohnheim. Aber die Landwehrstraße ist für Uni- oder FH-Studenten einfach zu weit ab vom Schuss.
Ein anderes Problem stellt sich bei den großen Lkw-Hallen und manch anderen Zweckbauten, die sich für gewerbliche Nutzungen anbieten würden. Würden, wenn der Lkw-Verkehr nicht zwangsläufig durchs benachbarte Wohngebiet geleitet werden müsste. Zum Schutz der Anwohner verbietet sich die Stadt derzeit solche Planspiele. Es gibt allerdings Überlegungen, die Ausfahrt der Kaserne zu verlegen. Vielleicht. Aber erst, wenn alle anderen Kasernenflächen verplant sind.

Bildtexte:
Baracken aus den 60er-Jahren bestimmen das Bild der Kaserne nur auf den ersten Blick. Auf dem riesigen Gelände stehen viele nagelneue Gebäude wie die Turnhalle im Hintergrund. Fotos: Lindemann
Nur ein Jahr genutzt wurde diese Lkw-Halle der Briten. Manche Spedition würde sie gerne nehmen. Aber der Verkehr würde die Wohngebiete belasten.
Vom Feinsten: Für die topmoderne Turnhalle mit Parkettboden hat der OSC einen Mietvertrag mit der Bima abgeschlossen. Der Hausmeister öffnet den Schlagbaum für die Sportler.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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