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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Flucht war vergeblich
Zwischenüberschrift:
Stolpersteine erinnern an Emma und Alfred Gossels
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Brigitte Wittler schlug während der Stolpersteinverlegung ein Buch auf und zeigte auf die schöne Handschrift von Emma Gossels. Die hatte ihrem Sohn eine Widmung geschrieben: " Meinem lieben Alfred." Vielleicht hier an der Schlagvorderstraße 7, bevor er in die Niederlande flüchtete und sie es ihm später vergeblich gleichtun wollte? Die Nationalsozialisten ermordeten schließlich beide. Das Motiv: Hass auf Juden.
Wie das Buch mit der Widmung in den Besitz der Stolperstein-Patin Brigitte Wittler geraten ist, liegt an ihrer Verbindung mit der Familie Gossels. Ihr verstorbener Ehemann Ewald war der Neffe von Alfred Gossels.
Und da ist noch eine besondere Verbindung: Die Gossels waren mit der Familie Nussbaum verwandt, über deren Schicksal wir bereits in den vergangenen Wochen berichteten. Die Unternehmer Simon Gossels und Philipp Nussbaum waren von Emden nach Osnabrück gezogen und hatten hier gemeinsam eine Eisenhandelsgesellschaft gegründet. Ihre Söhne Alfred Gossels und Justus Nussbaum führten den Betrieb an der Großen Hamkenstraße weiter. 1933 reisten sie nach Palästina, möglicherweise mit Auswanderungsplänen, jedoch kehrten sie zurück und betrieben eine Autoverwertung an der Kleinen Hamkenstraße.
1944 ermordet
Als die Nationalsozialisten ihre Aggressionen gegenüber den Juden immer mehr steigerten, flohen Alfred Gossels und Justus Nussbaum 1937 nach Amsterdam, wo sie den Schrotthandel " Wemeta Kompagnie" betrieben. Doch die Nationalsozialisten beherrschten schließlich auch die Niederlande. Zunächst ließen sie die Firmeninhaber in Ruhe, weil sie deren Metallschmelzerei für die deutsche Rüstungsindustrie brauchten. Plötzlich war es mit der Sicherheit vorbei, und das Grauen nahm seinen Lauf. Die Nationalsozialisten verhafteten die beiden Geschäftsleute, verschleppten sie in das Konzentrationslager Stutthof und ermordeten sie dort im Dezember 1944 Justus Nussbaum war 43, Alfred Gossels 37 Jahre alt.
Im selben Monat ermordeten die Nationalsozialisten Alfreds Mutter Emma Gossels im Konzentrationslager Theresienstadt im Alter von 69 Jahren. Ihr Mann Simon war bereits 1938 in Osnabrück gestorben. 1939 hatte sie vergeblich versucht, in die Niederlande auszuwandern. Es ist überliefert, dass sie in Köln lebte, bevor die Nationalsozialisten sie festnahmen. Die Namen von Mutter und Sohn sind jetzt in die Stolpersteine vor ihrem ehemaligen Zuhause an der Schlagvorderstraße 7 eingraviert. Und Brigitte Wittler hütet das Buch mit der Widmung von Emma Gossels. Es handelt sich um ein Werk von Alfred Kerr mit dem Titel: " Verweile doch!"

Bildtext: Die Hausnummer 7 in der Schlagvorderstraße war ihre Adresse, bis sie Osnabrück verließen. Die Nationalsozialisten ermordeten Emma und Alfred Gossels im Dezember 1944 in Konzentrationslagern. Fotos: Jörn Martens

Stolpersteine in Osnabrück

Die Gedenksteine erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich mehr als 480 Kommunen angeschlossen haben. Die Paten der Stolpersteine für Emma und Alfred Gossels sind Brigitte Wittler und Katharina Nolte. Verlegt haben die Gedenksteine Pascal Nobbe, Dominik Strohmeier, Philipp Unverfehrt und Dennis Webering vom Berufsschulzentrum Westerberg, angeleitet von ihrem Lehrer Rainer Knippenberg. Das Büro für Friedenskultur bittet um Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von NS-Opfern (Telefon 05 41/ 323-22 87).
Autor:
Jann Weber


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