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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Keine Angst vorm Minarett
Zwischenüberschrift:
Runder Tisch der Religionen trifft sich im jüdischen Gemeindezentrum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Auch wenn der " Runde Tisch der Religionen" an einem eckigen Tischgeviert diesmal im jüdischen Gemeindezentrum In der Barlage tagte, waren die Gesprächsergebnisse so harmonisch, wie es der Stadt des Westfälischen Friedens gut zu Gesicht steht. So gibt es derzeit zwar keine konkreten Pläne zum Bau einer Zentralmoschee mit Minarett für die muslimische Gemeinde in Osnabrück doch selbst wenn es sie gäbe, würden die Vertreter der anderen Religionen sie grundsätzlich gutheißen.
Reinhold Mokrosch, Sprecher des Runden Tisches, hatte die Spitzen der in der Hasestadt vertretenen Religionen zu einem Informations- und Meinungsaustausch über die Bedeutung der Architektur religiöser Bauten eingeladen. Stadtdechant Hermann Wieh stellte den Funktionswandel von Kirchturm und Glocken im christlich geprägten Abendland dar. Zunächst habe der praktische Nutzen überwogen. Das Geläut gab dem Tag, der Woche und dem Kirchenjahr Struktur, indem es Beginn, Unterbrechungen und Ende der Tagesarbeit ebenso wie Gottesdienste, Feste und Todesfälle anzeigte. Ab dem Hochmittelalter seien die Türme mehr und mehr zu Statussymbolen geworden. Probleme ergäben sich in der Jetztzeit immer dort, wo die Symbolik nicht mehr verstanden würde, sagte der katholische Geistliche.
Imam Kuddusi Uysal von der türkisch-islamischen Gemeinde DITIB (Frankenstraße) bezeichnete die Funktionen des Minaretts als eng mit denen des christlichen Kirchturms verwandt. Allerdings seien es nicht Glocken, sondern der Muezzin, der die Gemeinde zum Gebet rufe und das fünfmal am Tag. Imam Mohammed Arslan von der Türkisch-Islamischen Union (Iburger Straße) bedauerte, dass der Bau von Minaretten in christlich geprägten Ländern kontrovers diskutiert werde und forderte zu " respektvollem, geschwisterlichem Umgang" mit den jeweiligen religiösen Symbolen auf.
Der Muezzin-Ruf sei mit einem weiter gehenden Anspruch verbunden als das Glockengeläut, meinte Superintendent Friedemann Pannen als Vertreter der lutherischen Kirche. Er verkünde über die ganze Stadt hinweg den Islam als einzigartig und allgemeingültig und könne deshalb in einer anders orientierten Mehrheitsgesellschaft Ängste auslösen. Auf jeden Fall müssten alle Seiten sensibel damit umgehen. " Ein stolzes Minarett kann ein Zeichen gelungener Integration sein, es kann aber auch zum Rückzug auf die eigenen Wurzeln auffordern", so Pannen.
Alle am Runden Tisch vertretenen Religionen, auch Michael Grünberg als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, waren sich darin einig, dass das Grundrecht der freien Religionsausübung selbstverständlich auch islamischen Gläubigen gestatte, Glaubensstätten nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Wenn in manchen islamischen Ländern der Bau christlicher Kirchen verboten werde, dürfe das keineswegs als Argument herhalten, umgekehrt genauso zu verfahren, betonte Aloys Lögering, Bistumsbeauftragter für den Dialog mit den nicht christlichen Religionen.
Vor dem Gespräch hatten alle Vertreter des Runden Tisches der neuen Synagoge und dem jüdischen Gemeindezentrum einen offiziellen Besuch abgestattet und ihren " Respekt vor der ältesten Religion bekundet", wie Mokrosch es ausdrückte. Mufti Uysal erteilte dem jüdischen Gotteshaus den islamischen Segen.

Bildtext: Der Runde Tisch der Religionen zu Gast in der neuen Synagoge. Foto: Uwe Lewandowski
Autor:
jod


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