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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ausgießen, das bringt Bargeld
Zwischenüberschrift:
Wertgutscheine vor dem Supermarkt verflüssigt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Empörung erntete ein Mann, der vor dem Aldi-Markt am Petersburger Wall hektoliterweise Mineralwasser auf den Boden goss. Einen ganzen Einkaufswagen voller Sixpacks hatte er mit Wertgutscheinen bezahlt. Er wollte gar nicht seinen Durst löschen, sondern lediglich das Pfandgeld kassieren. Eine Praxis, die Kassiererinnen häufiger beobachten.

" Das sind meine Steuergelder!", entrüstete sich eine Frau, die beobachtete, wie der 40 bis 45 Jahre alte Mann die Kunststoffflaschen auf dem Parkplatz ausleerte. Abgesehen davon, dass sich auf der Stelle Glatteis bildete, ärgerte sich die Augenzeuginüber die Unverfrorenheit, so mit staatlichen Zuwendungen umzugehen. Auch andere Kunden blieben stehen und machten ihrem Unmut Luft. Die Passantin fasste sich ein Herz und sprach den Mann auf sein Verhalten an. Sie musste sich eine grobe Beleidigung anhören.
19 Cent kostet eine Plastikflasche mit 1, 5 Litern Mineralwasser bei Aldi, zuzüglich 25 Cent Pfand. Wer mit Gutschein bezahlt und das Wasser vergießt, nimmt einen Wertverlust von 43 Prozent in Kauf. Mitarbeiter des Discounters berichten, dass auch andere Kunden recht großzügig mit den ihnen überlassenen Gutscheinen umgingen. Weil nur Ware, aber kein Wechselgeld ausgegeben werden dürfe, verzichteten manche lieber auf zwei oder drei Euro, als sich die Mühe zu machen, nach dem passenden Gegenwert zu suchen.
" Wenn der Mensch Geld braucht, kommt er auf die abstrusesten Ideen", sagt Udo Kunze, der Leiter des Fachbereichs Soziales und Gesundheit. Er hält nicht viel davon, Wertgutscheine auszustellen. Aber das Land Niedersachsen will es so. Wertgutscheine erhalten Asylbewerber während der ersten vier Jahre. Das sind in Osnabrück derzeit 89 Personen, wie Kunze vorrechnet. Nach dem Asylbewerberleis-tungsgesetz stehen einer Person ohne Anhang monatlich 225 Euro für den Lebensunterhalt zu, von denen 40 Euro als Taschengeld ausgezahlt werden. Den Rest gibt es in Form von Gutscheinen. Aber nicht alle Geschäfte lösen sie ein.
" Wir sind auch als Stadt Osnabrück der Auffassung, dass das Gutscheinsystem abgeschafft werden muss", sagt Udo Kunze. Die Probleme seien seit vielen Jahren bekannt, und der ohnehin fragwürdige Nutzen werde durch den höheren Verwaltungsaufwand noch geschmälert. Andere Bundesländer hätten einen Weg gefunden, Bargeld auszuzahlen.
Für Andreas Neuhoff vom Verein Exil - Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge - ist die niedersächsische Gutscheinpraxis der Stein des Anstoßes, nicht das Verhalten eines Asylbewerbers, der Lebensmittel vernichtet, um an Bargeld zu kommen. Es gebe Situationen, in denen man ohne Geld nicht weiterkomme, sagt Andreas Neuhoff, zum Beispiel, wenn ein Rechtsanwalt seine Leistungen von einem Vorschuss abhängig mache. Mit 40 Euro Taschengeld sei da nichts zu machen.
Neuhoff weist darauf hin, dass es bis vor einigen Jahren Einkaufspartnerschaften gegeben habe, um Flüchtlingen zu Bargeld zu verhelfen. Derzeit hätten sich solche Initiativen aber mehr oder weniger totgelaufen. Den Betroffenen werde das Leben schon dadurch schwer gemacht, dass viele Geschäfte in Osnabrück die Einkaufsgutscheine nicht akzeptierten. Oftmals bleibe ihnen nichts anderes übrig, als die Gutscheine auf unkonventionelle Weise zu verflüssigen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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