User Online: 2 | Timeout: 08:46Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das "Merlin" wird bald abgerissen
Zwischenüberschrift:
Abgehalfterte Gaststätte weicht Wohnprojekt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im Sommer 2008 wurden hier noch Spiele der Europameisterschaft gezeigt. Doch plötzlich war für die Nachbarschaft überraschend Schluss. Nach der Weihnachtsfeier in jenem Jahr wurde der Zapfhahn in der Gaststätte Merlin zugedreht. Das Gebäude soll modernem Wohnungsbau weichen.
Die Theke ist zwar noch zu erkennen, ein Bier könnte man hier aber kaum noch abstellen. Einige Fensterscheiben weisen Schäden auf, und in einem Anbau liegen ausrangierte Monitore und leere Flaschen, die der letzte Betreiber hier zurückgelassen hat. Kein Wunder, dass die Nachbarschaft von dem Anblick wenig erfreut war.
Nun kommt es aber nicht zum Großreinemachen für einen neuen Anlauf, vielmehr rücken voraussichtlich im Frühjahr die Abrissbagger an. " Das Gebäude wäre nur noch schwer zu erhalten gewesen", sagt Architekt Michael Wandschneider. Das Bauunternehmen bungalow 68 hat das ehemalige Gasthaus vor knapp einem Jahr erworben. Geplant ist nun " moderne, hochwertige Architektur", sagt Wandschneider, der die Pläne gemeinsam mit dem Architektenkollegen Heiko Reinders entworfen hat.
Nach den Planunterlagen wurde das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, 1934 errichtet. Fünf Wohnungen sollen in dem Neubau entstehen, 120 bis 180 Quadratmeter groß und als Eigentumswohnung zu erwerben. Zum Konzept gehören auch barrierefreie Zugänge und ein Fahrstuhl. Dabei wird das Gebäude näher an die Grundstücksgrenze herangezogen, also dorthin, wo einst die Gäste im Biergarten saßen. Ein großer Teil der Bruchsteinmauer wird allerdings erhalten bleiben. Im Frühjahr 2011 könnte das neue Gebäude fertig sein, sagt Wandschneider über den Zeitplan.
28 Jahre war hier die Gaststätte beheimatet. 1979 übernahm Ulrike Brummermann das Gebäude mit drei Freunden, die allerdings schon nach kurzer Zeit wieder ausschieden. Nach einigen Renovierungsarbeiten wurde die Kneipe am 2. August 1980 eröffnet, wie sich die langjährige Inhaberin genau erinnert. Als Namen diente der Zauberer aus Prinz Eisenherz. " Es war ja auch ein zauberhaftes Gebäude", sagt Ulrike Brummermann. Unter ihrer Regie wurde der Biergarten gepflastert und neben dem Gebäude ein weiterer Biergarten mit eigener Theke eingerichtet.
Ulrike Brummermann betrieb die Gaststätte bis Ende 1994, mittlerweile vermietet sie Ferienwohnungen an der Ostsee. Seinerzeit wurde das Merlin an einen Betrieb verpachtet, unter dessen Regie verschiedene Wirte das Merlin betrieben. Im vergangenen Jahr nahm die Namensgeberin das Gebäude noch einmal in Augenschein: " Ich habe echt geheult, wie es da aussieht", sagt sie. Die Zeit, in der sie die Gaststätte selbst betrieb, hat sie aber in guter Erinnerung: " Es hat mir sehr lange sehr viel Spaß gemacht." Wichtig sei ihr ein gemischtes Publikum gewesen – " vom Chaoten bis zum Porsche-Fahrer" sei hier alles vertreten gewesen.
Schon vorher hatte das Haus eine wechselhafte Geschichte erlebt. Vor dem Einzug des Merlin diente es vorübergehend als Bar, zwischenzeitlich stand es auch leer. In den 50er- und 60er-Jahren waren hier Bäckerei und Café mit dem Namen Jacoblinnert untergebracht. Anwohner Dieter Möllmann erinnert sich, dass der Betrieb als Attraktion einen Fernseher hatte und als einer der ersten auf Farbe umstieg.
Dass die Lampen nun dauerhaft ausgingen, blieb den Anwohnern zunächst verborgen. Für das Weihnachtsfest 2008 war das Merlin noch dekoriert worden. Dann war auf einmal Schluss. Einige Zeit später kam ein Lieferwagen und holte noch vorhandene Getränke ab, berichtet Nachbarin Anke Fedrowitz. Entsprechend rätselten die Anwohner, wie es weitergehen wird.
Diese Frage ist mittlerweile geklärt. Allerdings wird das Gebäude noch einmal die Tür öffnen. Bevor die Bagger anrollen, soll ein Zapfhahn angeschlossen und eine " Abrissparty" gefeiert werden. " Das kriegen wir schon irgendwie hin", verspricht Ulrike Brummermann.

Bildtext: Links die Friedrichstraße, rechts die Blumenthalstraße, in der Mitte das " Merlin". Fotos: Henning Müller-Detert

Die Gaststätte ist arg heruntergekommen. Jetzt soll an ihrer Stelle ein Wohnhaus entstehen.
Autor:
Henning Müller-Detert


Anfang der Liste Ende der Liste