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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bohmter Konzept nicht übertragbar
Zwischenüberschrift:
Zu viele Autos auf dem Neumarkt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Für den Neumarkt taugt das innovative Verkehrskonzept" Shared Space" (gemeinsam genutzter Straßenraum) nicht. Das war die einhellige Meinung des Arbeitskreises Stadtentwicklung der Lokalen Agenda 21. Er beurteilte das teilweise euphorisch gelobte Pilotprojekt in Bohmte eher skeptisch.
Diplom-Geograf Simon Deutler vom FH-nahen Institut Logis-Net stellte zunächst die deutschlandweit erste Umsetzung des Shared-Space-Konzeptes in Bohmte vor. Es geht von der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer aus. An die Stelle von Reglementierungen und Schildern soll die Kommunikation der Verkehrsteilnehmer treten. Es gibt keine Hochborde, alles ist niveaugleich durchgepflastert. Folglich entfällt der Schutz der Fußgänger auf einem ihnen vorbehaltenen Gehweg ebenso wie der Vorrang der Autos in der Straßenmitte.
Wie gut oder schlecht die Sache in der Praxis funktioniert, hat Deutler anhand von Beobachtungen und Befragungen untersucht. Drei Viertel der Anwohner sagen, dass der Verkehr flüssiger, die Luft besser und der Lärm geringer geworden sei. Die Unfallstatistik zeige noch kein eindeutiges Bild: Unfälle mit Personenschäden habe es vor und nach der Umgestaltung nur wenige gegeben, leichte Blechschäden hätten zugenommen.
Typische Verkehrsszenen illustrierte Deutler durch kleine Einspielfilme aus Bohmte. Dabei wurde deutlich, dass eine zu hohe Autofrequenz in Bohmte bis zu 12 000 Fahrzeuge pro Tag einen Rückfall in die klassische Rollenverteilung bewirkt: Fußgänger warten brav am Straßenrand, bis eine Lücke in der Autoschlange ihnen das Überqueren der Straße ermöglicht. Das aber sei gerade nicht Sinn der Sache. Vom mündigen " Shared-Space"- Fußgänger werde erwartet, dass er selbstbewusst das gleiche Wegerecht wie der Autofahrer wahrnehme. Bei einem Übergewicht des Fahrzeugverkehrs werde die Philosophie " Sicherheit schaffen durch Verunsicherung" auf den Kopf gestellt. Dann entstehe Unsicherheit, weil die zahlenmäßig stärkeren Verkehrsteilnehmer sich vermeintlich sicher fühlten und wieder alte Vorrechte einnähmen.
Als problematisch wertete der Arbeitskreis die von den Behinderten-Verbänden geforderten taktilen Leitsysteme: Entlang der Streifen sollen Blinde sich im niveaugleichen Verkehrsraum orientieren können. Da die Streifen nicht nur geriffelt sind, sondern auch durch ihre weiße Farbe hervorstechen, werden sie fälschlich als Fahrbahn- oder Parkstreifen-Begrenzungen angesehen, was zu Missverständnissen führe.
Ein Mitglied des Arbeitskreises befürchtete juristische Komplikationen, wenn es kracht, weil die Abstimmung per Blickkontakt nicht funktioniert hat. Sitzungsleiterin Brigitte Gantke sah Probleme für die Pünktlichkeit der Busse. Susanne dos Reisäußerte sich skeptisch, ob die Rücksichtnahme auf schwächere Verkehrsteilnehmer nachhaltig funktioniere. Arbeitskreis-Sprecherin Margrit Janke befürchtete Ausweichverkehre auf parallelen Wohnstraßen. Sprecher Friedrich Krems brachte die Diskussionsergebnisse auf den Punkt: " Das Konzept überzeugt uns nicht so sehr, dass man es bei jeder Neuplanung ins Spiel bringen sollte. Gleichwohl mag es Konstellationen geben, wo es passt."
Autor:
jod


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