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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Rodelbahn mit Getränkeausschank
Zwischenüberschrift:
Ende Februar 1910: Nach Wochen voller Frost und Schnee plötzlich 15 Grad plus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Halleysche Komet war im Februar 1910 auch von Osnabrück aus im Sternbild Pegasus zu sehen. Vom Westerberg hatte man gute Sicht, auch ohne Fernrohr; vom Schinkelberg war die Sicht getrübt. Bis zum März sollte der Komet immer klarer zu erkennen sein.
Die Rodelbahn an der Frankfurter Heerstraße war immer noch benutzbar und sehr beliebt. Einige Meter von der Bahn entfernt hatte Gastwirt Ellerbrake in einem Kotten die Tenne gepachtet und zu einem Ausschank umfunktioniert. Dort gab es warme Getränke und andere Leckereien für die Rodler.
Am Piesberg wurde ein Arbeiter bei einer Sprengung von Gesteinsbrocken an Kopf und Rücken derart heftig getroffen, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Die Untersuchung ergab, dass sich der Verunglückte nach den Warnsignalen nicht weit genug von der Sprengstelle entfernt hatte.
Das Ratsgymnasium eröffnete den Reigen der Abiturprüfungen 1910. Alle elf Primaner bestanden und wussten auch schon, wohin der Weg sie führen sollte. Sie wollten Medizin, Philologie, Kunstgeschichte und " das Baufach" studieren, während drei die Offizierslaufbahn anstrebten.
Noch war es ein Gerücht, aber Insider ließen durchsickern, dass das Theater in der nächsten Spielzeit kein Ballett mehr engagieren würde. Kostengründe sollten die Ursache sein, hieß es. Das war umso bedauerlicher, weil die Ballettmeisterin Ella Lineck wirklich für vortreffliche Inszenierungen gesorgt hatte, auf die das Publikum nicht gerne verzichten mochte.
Die städtischen Kollegien beschlossen den Ausbau der Miquelstraße, der Wartenbergstraße und der Straße Am Riedenbach. Bis dahin bildete die Osningstraße die Hauptverbindung zwischen Meller- und Iburger Straße. Gleichzeitig wurden auch die Baufluchtlinien festgelegt sowie die Baumbepflanzungen. Wurde die Miquelstraße mit Kopfsteinpflaster geplant, so mussten sich die anderen Straßen mit einer Packlage begnügen, auf der später Kleinpflaster verlegt werden sollte. Zeitnah galt es aber, die Fußwege so zu sichern und auszubauen, dass wenigstens die Kinder sicher auf ihnen zu den Schulen gelangen konnten. Die Kollegien diskutierten auch über zwölf Wohnhäuser, die der gemeinnützige Wohnungsbau an der Magdalenenstraße errichten lassen wollte.
Eine Neuerung bildeten die sogenannten " öffentlichen Elternabende", die schulübergreifend für Osnabrücker Eltern abgehalten wurden. Der erste Abend fand im voll besetzten Hackmann′schen Saal statt. Nach einem Gesangsvortrag sprach ein Pädagoge über die Gefahren des Alkohols für Jugendliche und ein anderer über die Gefahren, denen Kinder und Jugendliche durch die Schundliteratur ausgesetzt waren. Die Eltern erfuhren, wie sehr die Schulen bemüht seien, den Kindern gute Gewohnheiten anzuerziehen. Besondere Anerkennung gab es für die vielen Badeeinrichtungen, das Turnen und Milchfrühstücke für bedürftige Kinder. Auch die Selbstverständlichkeit staubfreier Räume für Kinder wurde lobend erwähnt. An die Mütter erging am Ende der Appell, ihren Kindern ein sicheres und angenehmes Heim zu schaffen.
Im Februar stand endlich das Schulgeld für Mädchenschulen fest. Noch im Dezember hatten sich die zuständigen Stellen darüber gestritten. In der höheren Mädchenschule mussten Eltern für das Schuljahr 120 bis 150 Mark zahlen, je nach Klassenstufe der Schülerinnen. Für Mädchen von außerhalb waren 50 Mark mehr zu entrichten. Junge Damen, die das Lehrerinnenseminar besuchen wollte, hatten dafür 160 Mark, " Auswärtige" 210 Mark zu zahlen.
Mit Erstaunen erfuhren die Leser des Osnabrücker Tageblattes von der visionären Planung im Nachbarland Holland. Ingenieur Lely beabsichtigte tatsächlich, die weite Zuidersee trockenzulegen und dort Land zu gewinnen. 32 Jahre sollte die Realisierung dauern, zu der sich die Niederländer in diesem Jahr entschlossen hatten. Den langen Damm allerdings, der mitten durch die Meereswogen verlaufen sollte, hielt man für ein Projekt, dessen sicheres Gelingen noch nicht vorherzusehen war. Die Zeitgenossen schätzten die machtvolle See als zu zerstörerisch ein.
Die noch recht junge Sportart des Rollschuhlaufens bekam immer mehr Zulauf. Der Inhaber des Vereinshauses hatte in seinem Hause die unteren Säle von Fachleuten zu einer Rollschuhbahn ausbauen lassen.
Nach Wochen voller Frost und Schnee trat Ende Februar plötzlich Tauwetter ein, das Temperaturen bis 15 Grad mit sich brachte. Selbst auf dem Brocken wurden Plusgrade gemessen. Schon sprangen die Kätzchen aus den Weiden, und die Schneeglöckchen blühten.

Bildtext: Diese Aufnahme aus dem Jahr 1901 zeigt die alte Stadthalle am Kollegienwall, die als Vereinshaus genutzt wurde. Sie wurde dem von Wido Spratte herausgegebenen Bildarchiv historischer Aufnahmen bis 1945 entnommen.
Autor:
Christiana Keller


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