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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Frist versäumt, Geld verloren
Zwischenüberschrift:
Eine fertige Fotovoltaikanlage geht erst jetzt ans Netz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Carsten Böttcher ist sauer: Trotz Antragstellung im alten Jahr ist seine Fotovoltaikanlage von den Stadtwerken erst im neuen Jahr an ihr Netz angeschlossen worden. Böttcher entgeht deswegen ein rund fünfstelliger Betrag an staatlicher Förderprämie.
Die Umwelt sei ihm schon sehr wichtig, sagt der Unternehmer. Für sein im letzten Jahr fertiggestelltes Haus hatte sich Böttcher sogar eine Genehmigung erwirkt, die eine Dachneigung von 25 Prozent erlaubt. " Damit konnte ich eine Indachanlage installieren lassen, die statt Dachziegel nur Sonnenkollektoren hat." Das beauftragte Dachdecker-Unternehmen schloss seine Arbeit im Sommer ab. " Hätte ich schon damals dem Elektriker sagen sollen, dass er die Meldung an die Stadtwerke abgeben kann?", fragt sich Böttcher heute. Denn der kam erst, als auch im Haus alle Leitungen zu legen waren. Am 17. Dezember war es schließlich so weit: Bei den Stadtwerken trifft die sogenannte Fertigmeldung ein.
Dort hat man zu jener Zeit aber schon alle Hände voll zu tun. Trotz Urlaubssperre für die Mitarbeiter häufen sich im Dezember die 50 Anträge all jener, die vor Jahresende die technische Betriebsbereitschaft für ihre neu installierte Solarstromanlage bescheinigt haben wollen.
Der Grund: Für Anlagen, die noch 2009 als betriebsbereit gemeldet werden, bekommen die Betreiber vom Bund eine Einspeisevergütung von 43 Cent pro Kilowattstunde und das auf 20 Jahre garantiert. Ab dem neuen Jahr reduzierte sich der Förderbeitrag um gut 10 Prozent pro Einheit und Laufzeit.
Die Anträge würden " chronologisch", also nach Eingangsstempel, bearbeitet, schrieben die Stadtwerke später in einem Brief an Carsten Böttcher. Nach Aufnahme der Daten in den PC prüfe man zunächst die Übereinstimmung der Fotovoltaikanlage mit den erforderlichen Sicherheitsnormen. In einer sogenannten Netzanalyse müsse zudem geklärt werden, an welcher Stelle der Sonnenstrom am besten ins Netz eingespeist werden kann. Und den theoretischen Checks folgten praktische Tests vor Ort, bevor der Anlage die technische Betriebsbereitschaft attestiert werde. Der Aufwand sei auch deshalb so hoch, " denn wenn etwas schiefläuft, sind wir dran", meint Stefan Möckesch vom " Netzmanagement" der Stadtwerke.
Aus Sicht der Stadtwerke liegt auf ihrer Seite kein Versäumnis vor. Man habe nach den Vorgaben des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) gearbeitet, nämlich " unverzüglich und ohne schuldhaftes Verzögern", wie es im Schreiben an Böttcher heißt. Zudem hätten die Stadtwerke auch kein Interesse daran, dass Anlagenbetreibern die staatliche Förderprämie entgeht. " Wir wollten solch einen Fall unbedingt vermeiden", bekennt Rechtsabteilungsleiter Thomas Freye. Bedauerlicherweise sei Carsten Böttchers Antrag der einzige gewesen, den man nicht mehr im alten Jahr bearbeiten konnte.
Böttcher hat zwar Mitte Januar seine Solarstromanlage ans Netz angeschlossen bekommen, doch zufrieden ist er noch immer nicht. Ihm entgeht ein Zuschuss von rund 10 000 Euro, hat er sich ausgerechnet. Das Geld für den Ökostrom habe er in die Finanzierung seines Neubaus schon mit einberechnet. " Ich habe deshalb die gesamten Unterlagen an die EEG-Clearingstelle nach Berlin geschickt", sagt er. Dort klärt man Streitigkeiten und Anwendungsfragen rund um das EEG.
Böttcher beispielsweise möchte wissen, ob nicht auch das Datum der Antragstellung ausreicht, die höhere Vergütung zu kassieren schließlich war seine Anlage ja betriebsbereit. Zwar steht in der Gesetzesbegründung: " Maßgeblich ist der Zeitpunkt, an dem erstmalig Strom zur Einspeisung in das Netz aufgrund der technischen Bereitschaft des Generators tatsächlich zur Abnahme angeboten wird."
Doch die EEG-Juristen und der Bundesverband Solarwirtschaft weisen darauf hin, dass dies nur eine Auslegungsmöglichkeit ist. Aufgrund mangelnder Kapazitäten könne eine Klärung dieser Problematik " der bereits eingeleiteten Verfahren und der Bearbeitung noch offener Fragen" momentan nicht erfolgen, heißt es aus der Clearingstelle. Kann Carsten Böttcher also noch auf einen Vergütungsanspruch für 2009 hoffen?

Bildtext: Sauer auf die Stadtwerke ist Carsten Böttcher: Weil seine betriebsbereite Fotovoltaikanlage erst in diesem Jahr angeschlossen wird, verliert er bares Geld. Foto: Stefan Buchholz
Autor:
Stefan Buchholz


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