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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mehr Raum für jüdisches Leben in Osnabrück
Zwischenüberschrift:
Zentralratspräsidentin Knobloch kam zur Eröffnung der Synagoge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Jüdische Gemeinde Osnabrück hat eine neue Synagoge. Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, betonte gestern Abend zur Eröffnung die enge freundschaftliche Zusammenarbeit mit den Kirchen. Ministerpräsident Christian Wulff sprach von einem wichtigen Tag für Niedersachsen.
Osnabrücks erste Synagoge von 1906 wurde von den Nazis zerstört, die zweite von 1969 erwies sich nach dem Zuzug vieler Juden aus Osteuropa als zu klein. In nur 20 Jahren ist die Jüdische Gemeinde Osnabrück, zu der auch die Kreise Bentheim und Emsland gehören, von 80 Mitgliedern auf mehr als 1000 gewachsen.
Mit Unterstützung des Landes Niedersachsen, der Stadt Osnabrück und der drei Landkreise entstand für 3, 6 Millionen Euro ein moderner, lichtdurchfluteter Bau mit variablen Räumen. In den Betraum passen bis zu 300 Stühle. Von der 1969 errichteten Synagoge an der Barlage blieb nur die sechseckige Kuppel erhalten.
Zur Eröffnung brachten zwei Rabbiner gestern Abend die Thorarollen in das neue Haus an der Barlage. Mehrere Hundert Ehrengäste nahmen an der feierlichen Zeremonie teil. Für Michael Grünberg, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, ein bewegender Augenblick. Er hatte schon 1969 als 14-Jähriger an der Einweihung der kleinen Synagoge teilgenommen. Damals, so rief er in Erinnerung, hätten die Honoratioren noch " Zylinder und Stresemann" getragen.
Wichtigster Ehrengast war gestern Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch: " Wir bewundern das Ergebnis Ihrer Arbeit", rief sie dem Architekten Alfred Jacoby zu, der als bekanntester Baumeister zeitgemäßer Synagogen in Deutschland gilt.
65 Jahre nach der Barbarei des Nationalsozialismus stehe Osnabrück als Friedensstadt für Völkerverständigung, Weltoffenheit und Mitmenschlichkeit, erklärte Knobloch. Die Eröffnung der neuen Synagoge in dieser Stadt zeige, " dass die jüdische Gemeinde nicht mehr auf den sprichwörtlich gepackten Koffern sitzt".
Ministerpräsident Christian Wulff bekundete, dass die Osnabrücker Synagoge auch in seinem politischen Leben von großer Bedeutung sei. Im November 1978 habe er zum ersten Mal in seinem Leben an einer Demonstration teilgenommen, um seine Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen. Kurz zuvor hatte ein rechtsgerichteter Schüler die Synagoge mit Hakenkreuzen beschmiert. " Wir sind froh, dass wir wieder jüdisches Leben in der Stadt haben", erklärte Wulff.
Darauf ging auch der Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius ein: " Kaum jemand hätte in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu träumen gewagt, dass eines Tages wieder jüdische Kinder in Osnabrück Kindergärten und Schulen besuchen würden". Jetzt sei ein Traum in Erfüllung gegangen.
Die Nähe zwischen Christen und Juden war das Thema in der Eröffnungsrede von Bischof Dr. Franz-Josef Bode. Die katholische Kirche habe es als besondere Ehre empfunden, dass sie der Jüdischen Gemeinde während der Bauzeit eine Behelfssynagoge in ihren Räumen zur Verfügung stellen durfte. Das sei eine weitere Etappe auf einem Weg des Vertrauens und der Wertschätzung zwischen Christen und Juden in dieser Stadt, erklärte Bode.
Mehr Fotos unter www.neue-oz.de »

Bildtext: Ein feierlicher Augenblick: Zwei Rabbiner trugen am Abend die Thorarollen in die neue Synagoge. Fotos: Michael Hehmann

Modern und lichtdurchflutet: Die Synagoge in der Osnabrücker Weststadt hat 3, 6 Millionen Euro gekostet.Foto: dpa

Die Juden säßen nicht mehr auf gepackten Koffern, erklärte Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch.

Eine Station auf dem Weg in die Politik war die Synagoge für Ministerpräsident Christian Wulff (links), hier mit Michael Grünberg von der Jüdischen Gemeinde.

Synagoge

Christen treffen sich zum Gebet in der Kirche, Moslems in der Moschee. Bei den Juden heißt das Versammlungs- und Gotteshaus Synagoge. Einige Dinge darin sind wichtig für das jüdische Leben: In einem Schrein (Aron ha-Kodesh) wird die Tora aufbewahrt. Das sind die fünf Bücher Mose aus der Bibel. Über diesem kunstvollen Schrank befinden sich eine Gebotstafel und das ewige Licht″ (Ner Tamid) . Außerdem schmückt ein siebenarmiger Kerzenleuchter (Menora) den Gebetsraum. In anderen Räumen der Synagoge werden Kinder unterrichtet und finden Gemeindeveranstaltungen statt. Am 9. November 1938 zerstörten die Nazis in Deutschland und Österreich aus Hass gegen die Juden 2676 Synagogen. Diesen Moment nennt man Reichspogromnacht.
Autor:
rll


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