User Online: 1 | Timeout: 11:35Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Sinti und Roma fühlen sich diskriminiert
Zwischenüberschrift:
Stadt plant Schließung des Landfahrerplatzes in Eversburg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Stadt muss sparen. Auch der Landfahrerplatz ist betroffen. Dort leben von April bis September bis zu 1000 Sinti und Roma, sagt Raffael de Florian, der den Platz und die Menschen betreut. Er meint, eine Streichung der 10 700 Euro komme die Stadt auf anderem Wege teuer zu stehen.
Von Thomas Wübker
Osnabrück. Seit 15 Jahren ist Raffael de Florian als Betreuer auf dem Platz tätig. Zunächst hat er sich dort ehrenamtlich gekümmert, seit 2001 bekommt er ein Honorar von 332, 34 Euro. Von diesem Geld muss er sich versichern, außerdem kauft er Toilettenpapier, Öl für den Rasenmäher und andere Materialien, die der Allgemeinheit von Nutzen sind.
Raffael de Florian rechnet vor, dass eine Streichung der Mittel zusätzliche Kosten für die Stadt produziere. Zum einen müsse er Sozialhilfe beantragen. Er würde aus seiner Hütte auf dem Landfahrerplatz ausziehen, wo er jetzt lebt, und sich eine Wohnung suchen. Insgesamt, so ergab eine Nachfrage beim Sozialamt, bekäme de Florian dann pro Jahr 8928 Euro.
Dazu kämen weitere Kosten auf die Stadt zu, meint deFlorian. Die Sinti und Roma wüssten zu schätzen, was sie am Landfahrerplatz hätten, und schützten und pflegten ihn. Eine Schließung würde laut de Florian Vandalismus und Kriminalität die Toreöffnen. " Der Platz wäre ruck, zuck eine Müllkippe", sagt er.
Der Befürchtung schließt sich Matthäus Weiss aus Kiel an. Seit 15 Jahren kommt der Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma in Schleswig-Holstein mit seiner Familie aus Kiel zum Landfahrerplatz in Eversburg. Der Ort sei eine Anlaufstelle für Sinti und Roma, die sonst auf keinen Campingplatz kämen, sagt er. Bei einer Schließung drohe eine Vermüllung allerdings nicht durch Sinti und Roma, sondern durch Dritte.
Bisher träfen sich in Eversburg alte und junge Leute. Sie musizierten gemeinsam, erzählten Geschichten von früher und hielten Traditionen lebendig. Falls der Rat die Streichung der Mittel beschließe, dann würden die Sinti und Roma benachteiligt und diskriminiert, sagt Weiss und fügt an: " Und das auf höchster politischer Ebene."
Stadtbaurat Wolfgang Griesert ist sich des historischen und politischen Hintergrunds bewusst: " Natürlich denken wir darüber nach." Er und die Verwaltung würden sich aber an die Zahlen halten. Vom Stadtzuschuss von 10 700 Euro werden der Betrieb der Sanitär-Container, das Honorar von de Florian sowie Strom- und Wasserkosten bezahlt. Sollte der Platz weiter genutzt werden, so wären Investitionen von etwa 18 000 Euro fällig, um die alten Sanitär-Container zu ersetzen.
Der Platz wird nach Ansicht der Stadt auch immer weniger genutzt. Karin Heinrich, Leiterin des Fachbereichs Bürger und Ordnung, berichtet, das OS-Team habe im vergangenen Jahr 36 Wohnwagen gezählt, vor allem Menschen aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück sowie aus Hamburg und Schleswig-Holstein.
Pro Wagen erhebt das OS-Team eine Gebühr von fünf Euro pro Woche. Matthäus Weiss meint, man sei bereit, das Doppelte zu zahlen. Eine Alternative zum Landfahrerplatz für ihn und seine Leute gebe es nicht, meint Weiss. Sie würden trotzdem jedes Jahr im Sommer nach Eversburg fahren, ob der Platz nun abgeschlossen sei oder nicht.

Bildtext: Noch lebt Raffael de Florian in einer Idylle auf dem Landfahrerplatz in Eversburg. Er betreut Sinti und Roma, die dort in der warmen Jahreszeit leben. Foto: Hermann Pentermann
Autor:
Thomas Wübker


Anfang der Liste Ende der Liste