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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gefiederter Verfolgter
Zwischenüberschrift:
Kormoran ist Vogel des Jahres 2010 – Unterwasserjäger kämpft mit Negativ-Image
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nach dem farbenprächtigen Sympathieträger Eisvogel wurde nun der schwarze Kormoran vom NABU zum Vogel des Jahres 2010 erkoren. Es war eine mutige und wichtige Entscheidung, die die Verantwortlichen des größten deutschen Naturschutzverbandes trafen, auch einmal einen " Problemvogel", dem überdies ein Negativ-Image anhaftet, als Jahresvogel zu wählen.
Alljährlich 15 000 getötete Kormorane waren für den NABU das ausschlaggebende Argument für diese Wahl. Der Verband war sich bewusst, dass diese Entscheidung massive Kritik des Angelsports und der Fischerei hervorrufen würde. Andererseits mussten die Naturschützer Farbe bekennen und eine klare Gegenposition zur Vergrämung und Tötung von Kormoranen beziehen. Der Grund: Wenn der NABU an dieser Stelle scheitert, dann wird Tür und Tor für die Verfolgung von Gänsesägern und anderen Fischfressern geöffnet. Schließlich ist es die ureigenste Aufgabe des NABU ehemals Deutscher Bund für Vogelschutz –, sich für den Schutz aller Vögel einzusetzen.
Dass die Berufsfischer den Konkurrenten Kormoran nicht gerne sehen und ihn vertreiben, wo sie können, ist verständlich. Die Sport- und Hobbyangler hingegen sollten mit der Kritik nachsichtig operieren, schließlich betreiben sie ihren Sport als Leidenschaft und würden, gingen sie nicht angeln, auch nicht verhungern.
Ganz anders der Unterwasserjäger Kormoran: Sein Pech ist es, Fische zu fressen. Er kann nicht auf den Wochenmarkt oder in die Fischhandlung gehen, um frische Fische zu kaufen. Er muss seine Nahrung selbst erjagen und begibt sich damit in lebensbedrohende Nahrungskonkurrenz zum Menschen. Deshalb haben ihn die Menschen in Mitteleuropa bis weit in die 1950er-Jahre gnadenlos fast bis zur Ausrottung verfolgt. Verantwortungsbewusste Naturschützer jedoch haben seinen Schutz bewirkt, sodass er sich wieder prächtig erholen konnte mit dem Resultat, dass er heutzutage wieder verfolgt und zu Tausenden getötet wird.
Das Vogelmassaker 2005 in Mecklenburg-Vorpommern steht hier für einen nicht nachvollziehbaren Umweltfrevel, als im Naturschutzgebiet Anklamer Stadtbruch nach offiziellen Zahlen 6950 Kormorane während der Brutzeit in und an ihren Nestern abgeschossen wurden. In Niedersachsen ist der Kormoran zurzeit noch geschützt, darf aber per Ausnahmegenehmigung geschossen werden.
Der Abschuss der schwarzen Gesellen gilt in bestimmten Kreisen als Lösung des Problems. Dabei wird meist das Symptom bekämpft und nicht die Ursache. Der Fischjäger partizipiert letztlich am Fischreichtum vieler Gewässer: Was soll er denn sonst bevorzugt fressen außer Fische, die er an vielen Gewässern der Teichwirtschaft quasi auf dem Tablett serviert bekommt? Viele Ornithologen sind der Meinung, dass es keinen Unterschied macht, ob die Vögel abgeschossen oder mit Warnschüssen vertrieben werden. Blutiges Verjagen scheint also nichts zu bringen.
Im gewässerarmen Osnabrück waren Kormorane bis Mitte der 1980er-Jahre seltene Gäste. Ab 1990 kann man sie mittlerweile ganzjährig einzeln oder in geringer Zahl, meist bis zu zehn Vögel, an den größeren Gewässern wie Atter- und Rubbenbruchsee, den Eversburger Klärteichen und dem Stichkanal sehen. Die Vögel brüten nicht in Osnabrück. Die nächstgelegene Brutkolonie der Kormorane liegt am Alfsee.
Bildtext: Wenn der Kormoran seine Flügel ausbreitet, erreicht er eine Spannweite von über einem Meter. Foto: dpa
Autor:
Gerhard Kooiker


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