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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Stress pur für Wild- und Haustiere
Zwischenüberschrift:
Alle Jahre wieder: Silvesterböller rufen auch bei manchen Menschen schlimme Erinnerungen wach
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wenn es kracht und knallt, ist das nicht zwangsläufig der Schuss des Jägers. Und wenn der Nachthimmel fast taghell leuchtet, wenn es blitzt, heult und donnert, dann sind das keine Bomben, sondern Feuerwerk. Was für fast jeden klar ist, ist für Wild- und Haustiere, traumatisierte Menschen oder demente Senioren schwer zu verstehen. Ein Grund mehr, in diesen Tagen nicht nur im eigenen Interesse vorsichtig, sondern auch rücksichtsvoll gegenüber anderen mit Raketen, Böllern und Co. umzugehen.
Von Angelika Hitzke
Osnabrück. Alle Jahre wieder verschreckt und verstört sind die meisten Tiere, ausgenommen vielleicht " schussfeste" Jagdhunde. " Sowohl für Wild-, als auch für Haustiere ist das einfach nur Stress eine Katastrophe", sagt Andreas Renner, Vorsitzender der Tierschutzstiftung " Netzwerk für Tiere" und zugleich des Katzenschutzbundes sowie der Tierhilfe Osnabrück. " Hundebesitzern kann man nur empfehlen, Silvester frühzeitig mit dem Tier rauszugehen, nicht erst um 22 Uhr, wenn die ersten schon anfangen zu knallen", sagt er. Denn viele Hunde verkneifen sich dann aus lauter Angst das Geschäftemachen.
Zurück in den eigenen vier Wänden, verkriechen sich die meisten Vierbeiner, bis wieder Ruhe ist. " Man sollte sie an den Platz lassen, wo sie sich am wohlsten fühlen, und sie da einfach in Ruhe lassen", empfiehlt Vera Widok vom Tierschutzverein Osnabrück und Umgebung. Da das Tierheim in Hellern ziemlich außerhalb liegt, bekommen die Tiere dort nicht so viel von der Böllerei mit: " Die werden aber automatisch etwas unruhiger, weil wir an Feiertagen etwas später kommen als sonst."
Privat hat sie als Hundehalterin allerdings sehr negative Erfahrungen mit deren Reaktion auf Raketen, Knallfrösche, China-Böller oder Lady-Kracher gemacht. " Meine Hündin wird total panisch", erzählt Vera Widok. Und dass sie die ängstliche Jack-Russell-Dame in diesen Tagen, wenn es immer mal wieder irgendwo knallt, zum Gassigehen sogar tragen muss. Vor dem großen Silvesterfeuerwerk verabreiche sie " Becky" Notfalltropfen (Bachblüten). " Dann kommt sie in ihre Transportbox, damit sie sich nicht verletzten kann, Decke drüber und Musik an zur Beruhigung", schildert die Hundehalterin: " Die geht mir sonst die Wände hoch."
Beim unvermeidlichen Gassigehen gehören Hunde gerade jetzt auf jeden Fall andie Leine. Und sie sollten mit einem Mikrochip gekennzeichnet sein, so die Tierschützerin. Denn das große Problem, wenn die Tiere plötzlich doch durch einen unvermittelten Böller in Panik geraten: Sie reißen sich los, " rennen planlos weg und verstecken sich dann irgendwo". Das bestätigt auch Martina Armbrecht, Leiterin der Auffangstation des Katzenschutzbundes, die solche Reaktionen nicht nur von ihren privat gehaltenen Hunden, sondern auch von (Freigänger-) Katzen kennt. Drinnen im Katzenhaus bekommen die Samtpfoten zwar wenig mit, weil alle Jalousien heruntergelassen werden, verkriechen sich aber dennoch in den hintersten Winkeln ihrer Schlafkörbe und - höhlen. Auch beliebt als Versteck bei Stubentigern: der Platz unterm Bett, im Kleiderschrank oder im Kachelofen. Genauer gesagt, auf dem unzugänglichen Sims zwischen Kacheln und eigentlichem Ofen.
Martina Armbrecht rät allen Katzenhaltern, ihre Tiere drinnen zu behalten. Auch jene, die den Ausgang in den Garten wie gewohnt einfordern. Und zwar " nicht erst Silvester, sondern schon zwei, drei Tage vorher!" Denn allen Appellen zum Trotz: Der Krach geht los, sobald die ersten Krachmacher verkauft werden.
Wie verschreckt, verwirrt oder verängstigt demente Menschen auf die Knallerei reagieren, ist unterschiedlich und " hängt stark vom Grad der Demenz ab", erklärt Heimleiter Gunnar Sander vom Alt-Lotter Seniorenzentrum Zwei Eichen. Er hat festgestellt, dass bei bestimmten Lärmpegeln, so zum Beispiel auch, als während des Umbauphase im Lotter Seniorenheim Wände eingerissen wurden, bei manchen Desorientierten Kriegserinnerungen an Bombennächte hochkamen Angst und Schrecken von damals sind dann plötzlich wieder da.
" Aber das ist nur ein kleiner Teil unserer Senioren, der da sehr unruhig wurde. Hier im ländlichen Bereich ist das nicht so ein Problem, in besonders stark bombardierten Großstädten wie Dresden, Köln oder Hamburg gibt′s das sicherlich öfter", sagt er und verweist darauf, dass die Demenzkranken speziell an Tagen wie Silvester besonders intensiv betreut würden. Schon, damit sie sich, wenn es böllert und blitzt, nicht verwirrt davonmachen und draußen herumirren.
In den vergangenen Jahren habe es in zwei Eichen keine Probleme mit der Silvesterknallerei gegeben. Das Lotter Seniorenzentrum liegt in einem Wohngebiet; der Garten hinterm Gebäude ist offen: " Da haben Jugendliche schonmal kleine Böller in die Fenster geworfen. Aber das ist die Ausnahme", sagt der Altenheimleiter.
Dieter Torbrügge, Pflegedirektor des mitten in der Osnabrücker City gelegenen Marienhospitals, berichtet ebenfalls, dass ihm noch keine Patientenklagen über die Silvesterknallerei zu Ohren gekommen sind. " Das wird nicht als störend empfunden. Diejenigen, die wirklich sehr krank sind, schlafen in der Regel schon", sagt er. Durch die Schallschutzfenster auf der Intensivstation dringe der Krach ohnehin nicht.
Es gibt aber auch ältere Feuerwerkfans. Schmunzelnd erinnert sich Torbrügge daran, wie er vor Jahren die damals 100-jährige, inzwischen verstorbene Möser-Medaillenträgerin Elisabeth Siegel sogar eigens im Rollstuhl auf die Dachterrasse fahren musste, weil die Dame sich das Silvesterfeuerwerk unbedingt aus luftiger Höhe ansehen wollte.

Bildtexte: Kleine Krachmacher wie China-Böller oder Knallfrösche erschrecken Mensch und Tier oft viel mehr als Feuerwerksraketen. Foto: dpa
Ohrenbetäubend ist die Böllerei nicht nur für Menschen. Für Hunde, Katzen und viele Wildtiere mit ihrem empfindlichen Gehör ist der Lärm eine Katastrophe. Archivfoto: Kim Lübbersmann
Katzen sollten schon in den Tagen vor Silvester im Haus gehalten werden, auch wenn sie sonst Freigänger sind. Foto: ddp
An die Leine gehören in diesen Tagen alle Hunde, weil sie sonst in plötzlicher Panik wegrennen können. Archivfoto: Jörn Martens
Autor:
Angelika Hitzke


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