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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ansturm der Kunden am "goldenen Sonntag"
Zwischenüberschrift:
Schon vor hundert Jahren lockte der Handel mit langen Öffnungszeiten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Manches ändert sich offenbar nie: Kurz vor Weihnachten stürmten 1909 Kunden in die Läden, um die letzten Geschenke zu kaufen. Schon vor hundert Jahren kam der Handel der Kundschaft entgegen und verlängerte die Öffnungszeiten.
An den zwölf Werktagen vor Weihnachten galten 1909 wie schon in den Jahren zuvor besondere Öffnungszeiten. Alle innerstädtischen Geschäfte durften bis 22 Uhr geöffnet haben. Für die Adventssonntage galten andere Bestimmungen. Geschäfte, die zur Versorgung der Bevölkerung beitrugen wie Milchhändler, Bäcker, Lebensmittelläden und Fleischer, aber auch Barbiere, durften an den Sonntagen im Advent ab 7 Uhr bis 9 Uhr vormittags verkaufen, dann folgte der Hauptgottesdienst, danach warenÖffnungszeiten bis 19 Uhr erlaubt. Andere Läden öffneten erst nach dem Gottesdienst und verkauften auch sonntags bis 21 Uhr.
Obwohl die Tageszeitungen immer wieder appelliert hatten, die Einkäufe so früh wie möglich zu tätigen, war es doch der " goldene Sonntag", der letzte vorm Heiligen Abend, an dem sich die Menschen in der Stadt drängten. Trotz der leeren Kassen überall, beurteilten die Geschäftsleute das Weihnachtsgeschäft als gut.
Volksunterhaltung
Der Volksunterhaltungsabend fand in diesem Monat zum Thema " Weihnachten" statt. Lieder, Chorsätze, Gedichte und kleine Orchesterstücke wurden den " einfachen Menschen aus dem Volke" zu Gehör gebracht. Das Besondere dieses Abends im Gesellschaftshaus lag in der Verbindung der verschiedenen Kunstgattungen, von der man sich eindrucksvolle Wirkung erhoffte.
Deutsch-Ostafrika
Einen erhellenden Vortrag hielt ein Plantagenbesitzer für die Deutsche Kolonialgesellschaft: " Deutsch-Ostafrika, ein deutsches Indien der Zukunft". Nur mithilfe der Kolonien könne Deutschland seine Weltmachtstellung auf Dauer halten, versicherte der Vortragende den begeistert applaudierenden Zuhörern. Gerade der lukrative Eisenbahnbau lockte Investoren aus dem Mutterland, die das englische Vorbild und die enorme Rendite vor Augen hatten. Nach dem Vortrag gab es Kolonialwaren aller Art zu kosten.
Moore in Gefahr
Um die Erhaltung der Naturdenkmäler drehte sich eine Tagung, die auf Initiative des Regierungspräsidenten in Osnabrück abgehalten wurde. Ein Referent für Naturdenkmalpflege in Preußen wies besonders auf den dramatischen Rückgang der Wasserpflanzen hin. Aber auch Moore gingen mehr und mehr verloren, und mit ihnen eine einzigartige Fauna und Flora. " Der Wald in seiner früheren Art und Zusammensetzung ist nirgends mehr vorhanden", bedauerte der Referent und sah die Natur aus wirtschaftlichen Ursachen in hohem Maße bedroht durch den Menschen. Zwar sei es notwendig, die Naturdenkmäler zu schützen und zu erhalten, aber manche würde man durch Veröffentlichung erst recht in Gefahr bringen. Das gerade erst beginnende Bewusstsein für Landschaftsdenkmäler hatte zunächst einmal die Aufgabe, den Bestand zu sichten und zu sichern.
63 026 Einwohner
Ende des Jahres 1909 lebten in Osnabrück 63 026 Einwohner, davon waren 31 735 weiblich und 31 291 männlich. 40 397 bekannten sich zum evangelischen Glauben, 22 128 waren katholisch, und 501 gehörten zur jüdischen Gemeinde.
Keimfreie Milch
Der Verein der Tierärzte des Regierungsbezirks Osnabrück besuchte die " Milchkuranstalt" Muesenburg auf dem Westerberg. Es war damals eine große Herausforderung, Milch keimfrei und frisch zu den Verbrauchern zu bringen. Noch vor Ort kamen die Tierärzte in ein intensives Fachgespräch. Die Tierhaltung in der Muesenburg mit luftigen, hellen, sauberen Ställen machte den Medizinern besonderen Eindruck, denn auch Tierpflege und Hygiene waren drängende Fragen der Zeit. Daher waren sich die Besucher einig, dass die Anstalt auf dem Westerberg mustergültig sei und allen Anforderungen der Milchhygiene entspreche.
500 arme Kinder
Viele Weihnachtsfeiern von Vereinen dienten neben dem Vergnügen auch guten Zwecken. Bedürftige zu beschenken und zu einer Bescherung einzuladen war zu einer nötigen und guten Gewohnheit geworden. Auch der Arbeiterverein Eversburg lud Kinder zu einer bewegenden Feier ein, bei der die Kinder der Vereinsmitglieder " deklimatorische Vorträge" hielten, wie der Lokalreporter es nannte. Fast 500 mittellose Kinder wurden mit Wollgarn und Backwerk beschenkt.
Frauenschule
In den städtischen Kollegien wurde erneut über Bildung debattiert. Schon seit geraumer Zeit gab es den Ruf nach einer Frauenschule in der Stadt. Stadtsyndikus Reimerdes führte aus, dass über dieses Thema bereits genug geredet worden sei, jetzt müssten Taten folgen. Für die Frauenschule war vorausschauend von Lehrkräften und Eltern ein erster Lehrplan erarbeitet worden. 24 Wochenstunden sollten die Schülerinnen Pädagogik mit Physiologie und Logik, Unterweisung im Kindergarten, Gesundheitslehre und Kinderpflege erlernen. Dazu kamen Neue Literatur, Geschichte und Bürgerkunde, Englisch, Kunstgeschichte, Musik und Turnen. Obwohl auch aus Berlin und Hannover Signale gesendet wurden, die Frauenbildung vorwärtszubringen, konnten sich die Osnabrücker Herren der Stadtverwaltung lange nicht einigen. Die Mädchenkommission des Kollegiums war für den Plan, die Finanzkommission dagegen. Das ganze Projekt drohte an den Kosten zu scheitern. Der Kompromiss lautete schließlich: " Wenn genügend Anmeldungen für eine Frauenklasse eingehen, soll sie für den 1. April 1910 in Erwägung gezogen werden."
Geld für Bildung
In diese angespannte Situation platzte auch noch der neue Schulgelderlass aus Berlin. In den teuren höheren Schulen hatten bisher zehn Prozent der Schüler Anspruch auf vermindertes Schulgeld gehabt. Sie zahlten nur die Hälfte des Regelsatzes. Jetzt sollten nur noch fünf Prozent der Schüler diese Möglichkeit haben. Für viele Kinder des Mittelstandes rückte damit der Besuch einer weiterführenden Schule in weite Ferne. " Höhere Schulen werden sich demnächst nur noch Söhne reicher Eltern gestatten können", kommentierte der Lokalreporter vom Osnabrücker Tageblatt.
Ob hier die Sparsamkeit am rechten Platze sei, mussten sich die Stadtväter fragen lassen. Die ganze Bildungsdiskussion reduzierte sich zum Jahresende 1909 auf eine reine Geldfrage.

Bildtext: Die " Milchkuranstalt" Muesenburg auf dem Westerberg war im Dezember 1909 Treffpunkt der Tierärzte aus dem Regierungsbezirk Osnabrück. Das Thema: Wie erreicht die Milch frisch und keimfrei die Verbraucher? Foto: Archiv
Autor:
Christiana Keller


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