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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wenn Petrus den Dom zum Beben bringt
Zwischenüberschrift:
Küster Rolf Beßmann lässt heute per Knopfdruck die Glocken zur Christmette erklingen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein paar Berührungen auf einem Touchscreen genügen, und schon bringt Rolf Beßmann rund 17 Tonnen Stahl in Schwung. Der Küster sorgt dafür, dass die Glocken des Osnabrücker Doms um Mitternacht zur Christmette rufen. Und das geht ganz ohne Muskelkraft.
Denn um Maria Immaculata, Petrus oder aber Adolph von Tecklenburg ihre Töne zu entlocken, muss Beßmann sich an kein Seil hängen. Stattdessen wird er heute Abend in der angenehm geheizten Sakristei sitzen und auf den Computerbildschirm drücken. Alle sechs Glocken des Doms sind hier aufgeführt mit Foto und einem Knopf, der den Läutmechanismus für die Stahlkolosse in Gang setzt.
" Wir haben eine vorgeschriebene Läutordnung. An Weihnachten erklingen alle Glocken", erklärt Beßmann. Das kommt nicht oft vor, etwa 20-mal im Jahr immer dann, wenn ein hoher christlicher Feiertag ansteht. " Etwa 15 Minuten vor der Messe starte ich mit dem Läuten." Dabei ist Konzentration gefragt. " Wenn ich danebendrücke, dann geht schnell etwas schief", sagt der Küster.
Für die normalen Kalendertage hat Beßmann das Läuten in den Computer einprogrammiert. Doch an Weihnachten will er nichts dem Zufall überlassen. Sollte der Computer ganz ausfallen, dann kann er die Motoren des Geläuts immer noch per Hand anwerfen.
Dazu müsste Beßmann dann etwa 120 ausgetretene Treppenstufen hinauf in den großen Turm des Doms. Hier sind die sechs Glocken zu Hause. Vorbei geht es am Uhrwerk der Turmuhr. Kleine Rädchen greifen ineinander und sorgen dafür, dass an der Außenfassade des Doms stets die genaue Uhrzeit zu sehen ist.
" Das ist schon etwas Besonderes. In den meisten Kirchtürmen wird die Turmuhr heute per Funk gesteuert", sagt Beßmann nicht ganz ohne Stolz, während im Hintergrund das gut 1, 60 Meter hohe Pendel der Uhr schwingt. " Hier kann man noch richtig sehen, wie die Zeit vergeht." Nur aus Gründen der besseren Kontrolle ist im kleiderschrankgroßen Gehäuse des Uhrwerks eine Funkuhr angebracht.
Damit nicht die falsche Zeit angezeigt wird, muss der Küster zweimal am Tag hinauf in den Turm und die Uhr per Hand mit einer großen Kurbel aufziehen. " Im Winter verlieren wir etwa 20 Sekunden durch die Kälte. Die lässt nämlich das Öl im Getriebe dicker werden."
Weiter geht es über zwei Stahltreppen, die derzeit so kalt sind, dass die Hände beim Festhalten am Geländer schmerzen. Da oben, etwa 40 Meter über den Dächern Osnabrücks, hängen sie, die sechs Weihnachtsboten aus Stahl. Per Knopfdruck setzt Beßmann die zweitgrößte Glocke mit dem Rufnamen Petrus in Gang. Der Dom bebt unter den Füßen, während der tonnenschwere Klangkörper Fahrt aufnimmt. Doch bevor der Klöppel anschlägt, bricht der Küster ab. " Wenn es läutet, dann braucht man hier oben schon einen Gehörschutz." Die Glocken sind so laut, dass sie an klaren Winternächten über die Stadtgrenzen hinaus hörbar sind besonders dann, wenn die Läutordnung vorschreibt, dass alle sechs erklingen sollen.
Ein seltenes Hörspiel für die Osnabrücker, für Rolf Beßmann Alltag. Aber nicht etwa, weil der Küster, immer wenn ihm danach ist, dieKolosse zum Klingen bringt. Er hat den Klang des Festtagsgeläutes mit seinem Handy aufgenommen. Und wenn ihn jetzt jemand anruft, dann läuten beim Küster Maria Immaculata, Petrus, Crispin und Crispinian, Wiho, Gosbert und Adolph von Tecklenburg nicht nur an Feiertagen.

Bildtexte: Alt und neu greifen im Dom eng ineinander. Während das Uhrwerk noch zweimal am Tag aufgezogen werden muss (linkes Foto), kann Küster Rolf Beßmann das Geläut des Doms per Touchscreen steuern (rechtes Foto).

Im großen Turm des Doms sind die Glocken zu Hause. Nur an Festtagen erklingen alle sechs, die 40 Meter über den Dächern hängen, zusammen. Vorne links die Glocke mit dem Rufnamen Maria Immaculata, daneben die Glocke Petrus. Fotos: Moritz Münch
Autor:
Dirk Fisser


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