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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Fahrspaß wie vor 100 Jahren
Zwischenüberschrift:
Gondel und Holzpferdchen ziehen Großeltern und Enkel an
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. " Das Karussell kenne ich von klein auf. Als Kind bin ich täglich rund 30-mal mitgefahren, wenn gerade kein Kindermädchen auf mich aufpassen konnte", erinnert sich Ewald Telsemeyer lächelnd. Dann setzten ihn seine Eltern auf eines der hübschen Holzpferdchen und ließen ihn auf der Kirmes ein paar Runden im Familienkarussell drehen.
Noch heute fährt der 55-Jährige regelmäßig mit dem Kinderkarussell, dem Klassiker auf dem Weihnachtsmarkt: " Nach dem Aufbauen teste ich das Gefährt und schaue, ob es irgendwo klackert oder etwas klemmt", sagt der Schausteller. Schließlich hat das Karussell schon einige Jahrzehnte Kirmestrubel hinter sich. Mehr als 100 Jahre alt soll der Kinderspaß mit den Pferdchen, Schiffen und bunten Kaffeemühlen sein. Zwischen 1905 und 1908 wurde es gebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Ewald Telsemeyers Großvater das Karussell und zog damit über Land zwischen Tecklenburg und dem Kreis Osnabrück. Es ist das einzige Fahrgeschäft in Osnabrück, das seit der Betriebsgründung im Besitz der Familie geblieben ist. Opa, Oma, Vater, Mutter und die gesamte Familie sind mitgefahren, haben Fahrchips eingesammelt und es in Bewegung gebracht.
Nicht immer sorgte ein Motor für den Antrieb. " Zu Beginn des Betriebs wurden die Holzpferdchen von lebendigen Pferden gezogen, die immer im Kreis liefen. Aus Tierschutzgründen wurde dies dann verboten", erklärt Telsemeyer. In den Folgejahren setzten die Schausteller nicht mehr auf den Hafermotor, sondern auf Muskelkraft. Neun Männer auf einem Laufbrett übernahmen dann die Arbeit. " Einer durfte immer Pause machen und eine Runde zum Ausruhen mitfahren", erzählt der Schausteller, der mit Leib und Seele an seinem Karussell hängt. Seit den Dreißigerjahren schiebt ein Elektromotor die Holzpferde auf der Holzplatte an. Seinen Charme hat das Karussell bis heute behalten, denn die meisten Figuren haben alle Volksfeste überdauert. Ein Fabrikmodell sei " das alte Karussell", wie es die Osnabrücker schlicht bezeichnen, nicht, versichert Telsemeyer. Im Altkreis Tecklenburg hieß es übrigens " Tütti". Die 16 Pferdchen aus Nadelholz wurden in Thüringen gefertigt, die zwei Gondeln stammen aus der Zeit um 1890. Von Handwerkern aus dem Osnabrücker Raum wurde das Karussell dann zusammengebaut. Nur im Sinne der Attraktivität wurden wenige Pferde ausgetauscht. Im Laufe der Jahre bekamen die Pferdchen Namen: Peter, Helmut, Titan und Ella nehmen die Kleinen bis heute mit auf eine Runde Fahrspaß. " Kaputt gegangen ist nie eine der Figuren. Aber sie haben immer mal wieder einen Anstrich bekommen. Mit der Zeit reißt mal ein Zügel ab, der repariert werden muss. Eigentlich ist immer etwas daran zu machen."
Noch immer ist das " alte Karussell" der Magnet auf dem Weihnachtsmarkt nicht nur für die Kinder. Die Augen der Großeltern strahlen, wenn ihre Enkel in den Sattel der Pferdchen rutschen. Das Karussell weckt Erinnerungen an die Zeit, als Opa noch als kleiner Junge im Holzschiffchen für 30 Pfennig Fahrpreis Platz nahm und sich wie ein Kapitän fühlte. " Das ist das Schöne an unserem Karussell. Nicht nur unsere Familie hat es über Generationen begleitet, sondern viele Kinder und heutige Erwachsene für drei Minuten glücklich gemacht." Und Ewald Telsemeyer hört immer wieder ältere Weihnachtsmarktbesucher zu ihren Enkeln sagen: " Guck mal, da hat Oma schon draufgesessen."
Internet: www.osnabrueck.de/ »
weihnachtsmarkt

Bildtexte:

Das historische Telsemeyer-Karussell ist Markenzeichen und beliebter Treffpunkt des Osnabrücker Weihnachtsmarktes (besonders schön anzuschauen zur blauen Stunde nachmittags gegen 17 Uhr). Foto: Jörn Martens

Der OB und sein Pony: Auch Boris Pistorius macht es sichtlich Spaß, mit dem Karussell zu fahren. Foto: Michael Hehmann


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