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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Rauchende Schlote, aber weniger CO2
Zwischenüberschrift:
Kann Osnabrück sein Klimaziel erreichen?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Nicht nur in Kopenhagen, auch in Osnabrück muss die Welt gerettet werden. 1990 hat sich die Stadt verpflichtet, den CO2 - Ausstoß bis 2030 zu halbieren. Momentan zeigt die Kurve nach unten, aber nur, weil die Konjunktur schwächelt und Karmann am Boden liegt. Das Ziel lautet deshalb: rauchende Schornsteine ja, CO2 nein.
Statistisch gesehen bläst jeder Bundesbürger elf Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre zehnmal so viel wie ein Inder, hundertmal so viel wie ein Äthiopier. CO2 entsteht bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Da hilft nur eins: weniger fossilen Brennstoffe verwenden.
In Osnabrück investieren Hauseigentümer Millionen von Euro in die Wärmedämmung von Altbauten, hektarweise werden Dachflächen mit Solarzellen zugepflastert. Ob sich die Klimabilanz damit schon verbessert hat?
Die Energiespezialistin Ute Fritsch-Riepe aus dem Fachbereich Umwelt hat 2007 eine ausführliche Berechnung vorgelegt. Mit dem Ergebnis, dass es in Osnabrück beim CO2 - Ausstoß einen Rückgang um 10, 4 Prozent (von 1990 bis 2005) gegeben hat. Allerdings nicht, weil die Einwohner der Stadt besonders energiebewusst gehandelt hätten. Der Effekt trat ein, weil die Papierfabrik Schoeller ihr Braunkohlekraftwerk auf Gasbefeuerung umgestellt hat.
Die größten Potenziale bei den privaten Verbrauchern sieht Ute Fritsch-Riepe in der Raumwärme. Ein mühsames Geschäft: Haus um Haus muss in einen dicken Pelz gesteckt werden. Dafür gibt es zinsgünstige Darlehn. Aber niemand weiß, wie viele Gebäude in Osnabrück bislang gedämmt wurden.
Immerhin ist der Erdgasabsatz der Stadtwerke von 1990 bis 2009 um 13 Prozent gesunken. Stadtwerke-Chef Manfred Hülsmann sieht darin noch keine Erfolgsmeldung. Zum einen sind Gaskunden zur Konkurrenz abgewandert, zum anderen stagniert der Absatz bei den Gewerbe- und Industriebetrieben. In einem Fall ist ein Großkunde sogar von Gas auf Braunkohle umgestiegen aus Klimasicht ein herber Rückschritt.
Beim Strom ist die Situation ähnlich unübersichtlich. Gegenüber 1990 haben die Stadtwerke fünf Prozent weniger Kilowattstunden verkauft. Hier dürfte sich die Karmann-Insolvenz stärker bemerkbar machen als sämtliche Sparbemühungen. Bei den privaten Haushalten steigt der Stromverbrauch sogar, wie Ute Fritsch-Riepe vorrechnet. Immer mehr Geräte kommen auf den Markt, in vielen Haushalten laufen Computer und WLAN-Router rund um die Uhr.
Immerhin hat sich die Zusammensetzung des Stroms verändert. Inzwischen kommen 15 Prozent aus regenerativen Energiequellen, Tendenz steigend. 2015 sollen es 30 Prozent sein. Und das, obwohl sich die Stadtwerke am Bau von zwei Kohlekraftwerken beteiligen. Vorstand Manfred Hülsmann will so den Strom zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten, denn auch die Stadtwerke-Kunden schauen aufs Geld. Nur 210 Haushalte beziehen Ökostrom, den es gegen Aufpreis ja auch gibt.
Nach der Klimakonferenz in Kopenhagen wollen die Stadtwerke neue Klimaziele für das gesamte Unternehmen festlegen. Gemeinsam mit der Fachhochschule soll ein Gutachten erarbeitet werden, das nicht nur den Energiesektor, sondern auch den Busbetrieb, den Hafen und die Bäder unter die Lupe nimmt.
Für die Stadt Osnabrück hat das Wuppertal-Institut vorgerechnet, welche Investitionen die größten CO2 - Effekte versprechen. An erster Stelle steht der Bau eines Kraftwerks zur Verbrennung von Trockenstabilat aus Müll. Es soll die Papierfabrik Ahlstrom mit Strom und Prozesswärme versorgen. 60 000 bis 100 000 Tonnen CO2 könnten so jährlich eingespart werden, heißt es im Gutachten.
Die Fachleute sind zuversichtlich, dass die Stadt ihr Klimaziel bis 2030 erreichen kann: Technisch sei das machbar, sagt Ute Fritsch-Riepe und das sieht Stadtwerke-Vorstand Manfred Hülsmann auch so. Für ihn ist aber das A und O, dass die Rahmenbedingungen angepasst werden, zum Beispiel über den Preis für CO2 - Zertifikate.

Bildtext: Ein neues Kraftwerk soll aus Trockenstabilat Strom und Wärme erzeugen. Es würde an die Stelle dieses Kraftwerks bei Ahlstrom treten und 60 000 bis 100 000 Tonnen CO2 einsparen. Foto: Michael Hehmann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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