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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Lebendige Kulturszene geht kaputt"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Alt ist, dass die Kultur Spielball der kommunalen Finanzpolitiker ist, weil sie nicht zu den Pflichtaufgaben der Kommune gehört. Neu jedoch ist, dass die Kulturverwaltung selbst Vorschläge für die Finanzpolitiker macht, die die lebendige Kulturszene in Osnabrück zerstören, den freien Kulturträgern den Boden unter den Füßen wegziehen und sie unwiderruflich kaputt machen.
Verkauft wird das als Absicht, in der Kulturförderung Schwerpunkte zu setzen. Zur Disposition stehen das Figurentheater, ein Kulturangebot, das sich außerordentlicher Beliebtheit bei Alt und Jung erfreut, und das Unordentliche Zimmertheater, das sich durch seine engagierten und auch provokanten Aufführungen auszeichnet, aber wohl manchen Politikern unbequem geworden ist. Diese beiden wichtigen Theaterangebote einzusparen bedeutet Verarmung von Kultur in der Stadt.
Dass die Kulturverwaltung auch noch das Aktionszentrum Dritte Welt kaputtsparen will, ist dann nur noch die logische Weiterführung einer Kulturpolitik, die anstelle einer lebendigen Kulturszene Kultur als Marketingfaktor versteht und Kultur ausschließlich unter Werbezwecken beurteilt.
Mit der Aufkündigung der Förderung der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit, die das Aktionszentrum leistet, löst die Kulturverwaltung einen wichtigen und unverzichtbaren Baustein aus dem Gesamtkonzept der Friedenskultur heraus und leitet damit die Zerstörung des Selbstverständnisses der Stadt Osnabrück als Friedensstadt ein. Und wann wird das Büro für Friedenskultur geschlossen?
Gut nur, dass das in Osnabrück ansässige Kinderhilfswerk terre des hommes keine städtische Einrichtung ist, sonst sähe seine Zukunft höchst düster aus. Kultur, gerade die, die von und für Bürger einer Stadt gemacht wird, wird von hohem Engagement getragen. Sie ist für die Lebensqualität der Bürger unverzichtbar. Eine Stadt braucht nicht nur kulturelle Highlights, die nach außen wirken, sondern auch ein lebenswertes Innenleben. Ich bin sicher, dass der Oberbürgermeister ebenso wie die Kommunalpolitiker sich dieser Verantwortung bewusst sind und dieser Kultur-Kamikaze eine entschiedene Absage erteilen."
Lioba Meyer
An der Illoshöhe 9 a
Osnabrück

Kultur statt Abfall
" Ich war sehr erfreut, dass bei der hohen Schuldenlast der Stadt Osnabrück der Finanzchef Horst Baier die Neubaupläne für den Piesberg gestoppt hat. Die Enttäuschung war umso größer, als man lesen musste, dass eine Umschlaghalle gebaut werden soll, damit die Kleinanlieferer komfortabler′ den Abfall anliefern können.
In den vergangenen Jahren war ich schon häufig dort und habe den Abfall (was auch immer) an den entsprechenden Stellen abgeladen beziehungsweise abgeliefert. Noch nie ist mir der Gedanke gekommen, dass es dort primitiv zugeht. Im Gegenteil, der Ort macht immer einen geordneten, sauberen Eindruck. Die Kosten, die man für die Halle aufwenden will, wären besser im kulturellen Bereich zu verwenden. Die Streichung der Zuschüsse unter anderem für das Zimmertheater oder für das Figurentheater gefährdet die Existenz dieser beliebten Kleinkunstbühnen, die in unserer Stadt eine kulturelle Lücke hinterlassen würden."
Helmut Huzarski
Katharinenstraße 48
Osnabrück

Kultur ist Frieden
" . . . und immer trifft es die Kleinen. 580 000 Euro weniger für die Kultur der Stadt, ab 2013, Jahr für Jahr? Das kann doch nicht wirklich gewollt sein. [. . .] Jahrelange kulturelle Basisarbeit, in der sehr viel Herzblut vieler Einzelner steckt, ganz zu schweigen vom sozialpädagogischen Nutzen, soll mir nichts dir nichts dem Rotstift zum Opfer fallen. Uns erinnert das an diesen Spontispruch aus den Siebzigern: Ich geh kaputt gehst du mit? Eins nur an alle politischen Entscheidungsträger: Osnabrück will eine Friedensstadt sein? Dann lesen Sie mal Arnold Zweig. Der sagt: Die Verteidigung des Friedens ist identisch mit der Verteidigung der Kultur.′ Denken Sie mal drüber nach!"
Anna Pallas
Reinhard Gesse
Theaterpädagogische Werkstatt
Lange Straße 15/ 17
Osnabrück

Minarett bauen
" Stadtteilbibliotheken schlagen ihre Bücher zu, das Zimmertheater zimmert kein Theater mehr, und das Aktionszentrum Dritte Welt verfällt in Lethargie? Dafür will die Stadt Osnabrück das Füllhorn ihrer Gaben künftig auf das European Media Art Festival, das Filmfest, das Morgenland-Festival und ähnliche Events mit zweifelhafter Breitenwirkung ausschütten. Auch die Osnabrücker Blueslawine soll nach nunmehr sechzehn erfolgreichen Jahren dem Flächenbrand zum Opfer fallen, geht es nach den Vorschlägen der Verwaltung. Einfalt statt Vielfalt ist angesagt. [. . .]
Noch vor wenigen Jahren zählte der damalige Kultusdezernent die Osnabrücker Blueslawine zu den musikalischen Höhepunkten im Kulturleben der Stadt und der Region′. In der offiziellen Bewerbung der Stadt als Kulturhauptstadt Europas 2010 wird mit dem aus der Fachwelt des Blues verliehenen Prädikat Osnabrücks als Blueshauptstadt′ ebenso hemmungslos gewuchtet, wie Osnabrück und dem Blues′ eine besonders intensive Beziehung′ angedichtet wird.
Ja, die hatte die Stadt jahrelang in der Tat wirklich; die hat sie allerdings künftig wohl auch, nämlich gar keine mehr. Die Druckerschwärzeist längst vertrocknet. Was ist passiert? Ist die Blueslawine auf das Niveau von Musiksendungenöffentlich-rechtlicher Fernsehanstalten gesunken? Wird jahrelanges selbstloses Engagement als gemeinnützig anerkannter Bluesenthusiasten in den Wind geschlagen? Gefährden Zuschüsse in einer Größenordnung von maximal 2000 Euro jährlich den Stadtsäckel ruinös? Nein, das alles ist es wohl nicht.
Die Politik müsse auch in der Kulturförderung verlässlich bleiben, verrät die Vorsitzende des Kultusausschusses dem staunenden Publikum. Das ist ebenso wahr wie neu. The times they are a-changin′. Zeigen wir′s den schweizerischen Volksabstimmern, bauen wir zum nächsten Morgenland-Festival einfach mal ein Minarett."
Rolf A. Habben
Graf-Stauffenberg-Str. 20
Georgsmarienhütte

Leseförderung
" Wie einfach: Vier Stadtteilbibliotheken schließen und 225 000 Euro sparen. Sparen? Und wie kurzsichtig: Denn ein Buch ist mehr als ein Klick′, ein Kind ist kein Online-Besteller und ein Bücherbus ist kein sozialer Treffpunkt.
Klar muss die Stadt sparen, und klar möchte jeder, dass das überall nur nicht bei ihm geschieht. Aber die kritische Frage muss erlaubt sein, ob bei diesem Vorschlag kurzfristiger Einsparerfolg gegen langfristig negative Einsparauswirkungen abgewogen wurde.
Gleiches gilt für die Frage, wie sich dieser Schließungsvorschlag mit dem Bekenntnis zur Bildungs- und zur Integrationsförderung verträgt . . . oder mit dem zur Familienfreundlichkeit.
Ein Buch ist mehr als ein Klick′ setzen wir stellvertretend für alle rund 40 ehrenamtlichen Vorleserinnen und Vorleser des Vereins Lesewelt Osnabrück dagegen. Seit sechs Jahren kümmert sich der Verein darum, Kindern Bücher näherzubringen, sie für Bücher und für das Lesen zu begeistern. Das ist nicht mit einem Klick′ zu haben.
Dafür braucht es auch wenn es altmodisch klingen mag einen Raum, es braucht das reichhaltige Bücherangebot, die freie Auswahl, die Möglichkeit, Bücher aus den Regalen zu holen, darin zu blättern, sie im wahrsten Sinne des Wortes zu be-greifen′. Und dazu braucht es real existierende, also ansprechbare Menschen in diesem Raum.
Wir sind vor sechs Jahren nicht zufällig in die Stadtteilbibliotheken gegangen: Wir holen die Kinder da ab, wo sie sind: in ihrer′ Stadtteilbibliothek in Wohnortnähe, dort, wo sie auch allein oder mit älteren Geschwistern hingehen können. Und wir holen sie auch dort ab, wo sie lesetechnisch′ stehen. Das ist häufig so ganz am Anfang, dass wir zunächst noch das Buch richtig herum wenden und Bilder anschauen. Aber die Kinder kommen wieder, sie kommen regelmäßig, und sie kommen mit ihren Eltern, Geschwistern, Cousinen und Cousins, denn sie mögen diesen Ort, an dem sie mit Büchern, mit anderen Kindern und Vorlesern sein können. Kann dieser Ort ein Bus sein?
Die Online-Bestellung ist sicher für PC-Erfahrene und damit wohl auch für viele Kinder ein Kinderspiel. Setzt aber leider viel zu spät an. Wir behaupten aus Erfahrung: Kinder würden 97 Spiele anklicken und nur im günstigsten Fall‚diemaus-spiele.de′ bevor sie auf die Idee kämen, sich online ein Buch auszuleihen. Wir behaupten, das funktioniert nur mit gezielter erzieherischer Anleitung, die man realistischerweise nicht flächendeckend voraussetzen darf. […]
Gut ankommen würde, wenn man sich zusammensetzte und die vielen Aktivitäten im Bereich der Leseförderung koordinierte; wenn man die Meinung der Leute, die das seit Jahren machen, hörte und deren Arbeit unterstützte. Kurz: Wenn man vorhandene, gute Strukturen weiterentwickeln würde, statt sie zu zerschlagen."
Lesewelt Osnabrück e. V.
Elke Klassen
Moorlandstraße 32 a
Osnabrück
Brigitte Neuhaus
Charlottenburger
Straße 105
Osnabrück
Autor:
Lioba Meyer, Helmut Huzarski, Anna Pallas, Rolf A. Habben, Elke Klassen, Brigitte Neuhaus


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