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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Bahn war schneller als erwartet
Zwischenüberschrift:
November 1909: Signal aus Berlin für den Ausbau der Eisenbahn in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eine Anweisung des Eisenbahnministers im fernen Berlin ließ Osnabrück vor 100 Jahren aufatmen. Für die Direktion Münster ordnete er an, sämtliche Eisenbahn-Baumaßnahmen in Osnabrück innerhalb von drei Jahren fertigzustellen. Nicht allein der Güterbahnhof im Fledder musste fertig werden, sondern auch alle Unterführungen und Bahndammerhöhungen und zudem der längst fällige Umbau des Hauptbahnhofs.
Ursprünglich waren die Architekten und Ingenieure von einer zehnjährigen Bauzeit ausgegangen, jetzt machte Berlin Druck. Man begrüßte die Order im Magistrat sehr, denn der schleppende Gang der Bauarbeiten konnte gut ein flotteres Tempo vertragen. " Dass die Bahnverwaltung schneller vorwärts kann, wenn sie nur will, hat man ja an der Schinkelschleife gesehen" schrieb der Reporter des Osnabrücker Tageblattes nicht ohne Spott.
Diese Meldung war auch ein willkommener Anlass, wieder einmal eine Statistik zu veröffentlichen. Daraus ging hervor, dass sich der Schwerpunkt des Kartenverkaufs im vergangenen Jahr auf die vierte Wagenklasse, die " Holzklasse", verlagert hatte. Erster Klasse waren im Nordwesten 4585 Personen gereist, zweiter Klasse 279 133, dritter Klasse 2 049 546 und vierter Klasse 2 567 710 Fahrgäste. Der Reporter kommentierte, " dass in Zeiten ungünstiger Konjunktur und erhöhter Ausgaben auf allen Gebieten, derjenige, der reisen muss, möglichst billig fortzukommen sucht".
Der Osnabrücker Turnerbund hatte die Zeichen der Zeit richtig gedeutet und bot seit den ersten Novembertagen auch eine Knaben- und eine Damenabteilung an. Der körperlichen Ertüchtigung der Bevölkerung stand nichts mehr im Wege. Endlich war es so weit: Die Lutherkirche wurde am 14. November eingeweiht. " Unsere Stadt ist um ein neues schmuckes Gotteshaus reicher geworden", fasste der Lokalreporter des Osnabrücker Tageblattes seinen ausführlichen Artikel zusammen.
Alle offiziellen und geladenen Gäste versammelten sich in der Kleinkind-Bewahranstalt und zogen gemeinsam in die Kirche ein. Viele Reden, Danksagungen und ein festlicher Gottesdienst gaben dem Tag den angemessenen Rahmen. Die Rede des Generalsuperintendenten stand unter dem Motto " Fürchte dich nicht, glaube nur", nach dem Bibelwort Markus 5, Vers 36. Später fand ein Festessen im Gasthaus Tivoli an der Iburger Straße statt. " Auf Tivoli" war der Sprachgebrauch vor 100 Jahren.
Am Tag der Einweihung ließ sich der bevorstehende Winter erstmals sehen. Schneeflockengewirbel puderte die Stadt, doch nur im Harz blieb das weiße Nass auch liegen, dort wurden schon 10 Zentimeter Neuschnee gemessen.
Einen viel beachteten Vortrag hielt ein junger Arzt im Krankenhaus über " Bakterien als Freunde und Feinde des Menschen". Das Augenmerk der Zeitgenossen lag damals auf vielen Themen zu Medizin und Hygiene, aber auch Essgewohnheiten und Ernährungsfragen beschäftigten die Menschen.
Der Verein für die Fürsorge an der weiblichen Jugend hatte in der Dielingerstraße 7 das sogenannte " Lydia-Heim" eingeweiht. Junge evangelische Frauen und Mädchen fanden dort Hilfe und Obdach. Gerade die Mädchen vom Lande brauchten in der fremden Stadt Rat und Unterstützung. Sie waren auf der Suche nach Arbeit oder auf der Durchreise und zumeist ohne Geld in der Tasche. Das Lydia-Heim bot ein sicheres und billiges Unterkommen. Aber auch geschäftsreisenden Frauen fanden darin eine Unterkunft.
Eine Anzahl Frauen aus England und den Niederlanden hatten in der Einrichtung schon übernachtet. Sie waren Direktricen oder weibliche Angestellte in Fabriken und Kontoren und fanden ebenso Aufnahme, wie Arbeiterinnen und Dienstmädchen, Putzmacherinnen, Hauslehrerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen auf der Durchreise.

Bildtext: Geschlossene Bahnschranken wie hier am Berliner Platz waren vor 100 Jahren ein stetes Ärgernis. Im November 1909 gab es endlich Hoffnung auf eine Höherlegung der Bahnstrecken. Foto: Lichtenberg
Autor:
Christiana Keller


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