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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Jüdisches Leben auf der Bühne
Zwischenüberschrift:
Schüler des Gymnasiums "In der Wüste" gedenken der Pogromnacht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Eine Hochzeit unter dem Baldachin. Das ist eine der Szenen aus der Generalprobe. Doch auch ein Begräbnis gehört dazu. Gestern spielten 15 Schüler des Gymnasiums " In der Wüste" noch ohne Publikum. Doch am Montag um 16.30 Uhr wird die Aula voller Menschen sein, die hier die Gedenkfeier zur Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 beginnen werden.
Sie singen und spielen rund um das Thema " Osteuropäische jüdische Kultur und ihre Vernichtung durch die Schoah". Mit Liedern und Tänzen, in Kostümen und Szenen stellen die Schüler jüdisches Leben dar: wie es vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten war, wie es bis Ende des Zweiten Weltkrieges verloren ging und schließlich wieder auflebte. Um den Neubeginn voller Hoffnungen darzustellen, wird auch der jüdische Kinderchor Hava Nashira auftreten.
Wie kam es dazu, dass das Gymnasium " In der Wüste" die Gedenkfeier ausrichtet? Die Antwort ist gleichzeitig eine kleine Geschichte. Und Carmen Glink Buján spielt darin die Hauptrolle. Die jetzige Zwölftklässlerin hatte vor zwei Jahren an dem Projekt " Kommunalpolitik in die Schulen" mitgewirkt und dabei erlebt, wie die Gesamtschule Schinkel die damalige Gedenkfeier zur Pogromnacht vorbereitete.
" Davon war ich beeindruckt. Deshalb bin ich zu unserem Direktor gegangen und fragte ihn, ob wir das auch machen könnten." Und davon wiederum war Ober-studiendirektor Christoph Schüring beeindruckt. Carmen Glink Buján besuchte alle Klassen, warb für das Projekt und gründete schließlich die Arbeitsgemeinschaft Gedenkveranstaltung mit 15 Schülern und Schülerinnen.
Vor anderthalb Jahren begannen sie, sich in ihrer Freizeit mit dem Thema Nationalsozialismus zu beschäftigen und ebenfalls mit jüdischer speziell ostjüdischer Kultur. Sie entwarfen Szenen und lernten traditionelle Lieder. Beim Einstudieren halfen ihnen Ruth de Vries von der jüdischen Gemeinde und Matthias Schäfermeyer von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Und Lehrerin Monika Wipperfürth unterstützte sie bei der Organisation. Zum Schluss steigt bei allen das Lampenfieber. Doch für Carmen Glink Buján ist die Zeit vor der Aufführung am aufregendsten. " Wenn ich weiß, dass alles gut vorbereitet ist, werde ich wieder ruhig sein." Sie freut sich auf Montag. Schließlich hat sie lange auf diesen Tag hingearbeitet.
So weit die Erfolgsgeschichte. Doch der Anlass ist traurig. Denn in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten Nationalsozialisten Synagogen in ganz Deutschland, sie verfolgten, überfielen, misshandelten und ermordeten jüdische Bürger, plünderten deren Geschäfte und Wohnungen. Auch in Osnabrück brannte in dieser Nacht die Synagoge. Die Gestapo und die SA verhafteten außerdem viele Juden und verschleppten sie in das Schloss. Daran wird am Montag nach der Aufführung auch in der Alte-Synagogen-Straße gedacht. Um 18.15 Uhr werden am dortigen Mahnmal Kränze niedergelegt.

Bildtext: Generalprobe: Schüler gestalten die Gedenkfeier zur Pogromnacht und zeigen unter anderem die Szene einer jüdischen Hochzeit unter dem Baldachin. Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
jweb


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