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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Auf Socken zum kleinen Kunstwerk
Zwischenüberschrift:
Ein os1.tv-Beitrag entsteht: Dem Ressortleiter Kultur über die Schulter geschaut
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Gut zehn Kilo, verteilt auf Taschen, schleppt Marcel Trocoli Castro vom os1.tv-Studio im Breiten Gang bis zur Marienkirche. " Das Stativ ist heute mein zweiter Mann", sagt der 27-Jährige und tätschelt die längliche Tasche. Da Trocoli Castro heute alleine unterwegs ist, wird er für das Interview mit Heiko Ostendorf seine Kamera auf das Stativ stellen.
Ostendorf hat ein Stück über Georg Elser geschrieben, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Attentat auf Adolf Hitler verübt hatte.Genau 70 Jahre später wird Ostendorfs Stück in der Marienkirche aufgeführt, und soll nun im Kulturtipp von os1.tv angekündigt werden. Trocoli Castro ist der Leiter des Ressorts Kultur bei os1.tv. So wie seine Kollegen von der Neuen Osnabrücker Zeitung beginnt seine Arbeit am Schreibtisch, mit derRecherche. Wenn ein interessantes Thema feststeht, geht es an die filmische Umsetzung.
" Wir machen zwei Durchgänge mit unterschiedlichen Einstellungen", erläutert Trocoli Castro dem Regisseur Ostendorf sowie dem Schauspieler Konrad Haller, die beide aus Münster angereist sind. Zunächst soll in der Totalen gedreht werden, man sieht also das ganze Bild. Später folgen die Nahaufnahmen, die Details und die Gesichter größer zeigen.
Eigentlich sind es paradiesische Bedingungen, die der Fernsehmann in der Marienkirche vorfindet: Der Hausmeister hat das Gebäude für eine Dreiviertelstunde abgesperrt, sodass Trocoli Castro nicht befürchten muss, dass ihm jemand durchs Bild läuft. Auch eine Drehgenehmigung oder Ähnliches musste er sich nicht extra besorgen. Zudem filmt er eine kurze Probe und führt ein Interview, das er beliebig oft wiederholen kann. " So etwas ist bei einer Aufführung natürlich nicht möglich." Und schließlich hat Trocoli Castro es mit Schauspielern zu tun, also Profis, die keine Scheu vor einer Kamera haben. Ein Problem gibt es dann aber doch: den Hall.
Es dröhnt in der Kirche, wenn man spricht, die Schuhe klackern laut auf dem Steinboden. Doch auch daran hat Marcel Trocoli Castro gedacht: Er stecktRegisseur und Schauspieler Funkmikrofone an. Und die Schuhe? Die zieht er kurzerhand aus. Nach einem kurzen Weißabgleich der Fernsehmann hält die Kamera auf ein weißes Blatt Papier, um Lichtverhältnisse zu testen kann es dann losgehen.
Zunächst soll Konrad Haller eine kurze Szene aus dem Stück spielen. Trocoli Castro stellt sich mit der Kamera – " 10 000 Euro ist die wert" vor ihn hin. Haller legt los: " Gott, ich will dieses Blutvergießen verhindern." Gleich noch mal das Ganze, diesmal stellt sich Trocoli Castro hinter den Schauspieler, geht einmal um ihn herum. Und ein drittes Mal: " Gott, ich will dieses Blutvergießen verhindern." Diesmal kniet sich der 27-Jährige auf den Boden. Eine Tür knarrt, der Hausmeister ist zurück. Schon so spät? Dann aber schnell, das Interview steht noch aus. " Du wirkst noch so unentspannt", flachst Trocoli Castro. " Ich arbeite nun mal lieber hinter den Kulissen", meint Ostendorf. Im Hintergrund raschelt es, der Hausmeister packt ein Brötchen aus. Trocoli stellt seine Fragen, der Regisseur verhaspelt sich. Beim zweiten Anlauf klappt es. Nach einer Stunde ist der Film im Kasten doch die Arbeit für os1.tv noch lange nicht beendet.
Am Computer kümmert sich der Videojournalist um den Schnitt. " Ich beginne immer mit dem stärksten Bild", erläutert Trocoli. Um den Zuschauern zu erklären, wo der Film spielt, wen sie da sehen und warum das überhaupt interessant für sie ist, hat der 27-Jährige einen Text verfasst, den er in einer kleinen Sprecherkabine vorliest und aufnimmt. Dieser Text wird dann als sogenannte Off-Stimme unter den Film gelegt. Auch der Ton wird noch einmal nachgebessert. Alles in allem dauert der Schnitt noch einmal gut vier Stunden. Heraus kommt: ein anderthalbminütiger Streifen, der als Kulturtipp auf die Internetseite von os1.tv gestellt wird.
Ist das nicht etwas frustrierend? So viel Arbeit für so wenig Film? " Überhaupt nicht", meint Trocoli Castro. " Für mich ist so ein Anderthalbminüter ein kleines Kunstwerk, bei dem jeder Schnitt stimmen soll."
Mehr über den Film
auf Seite 16 » " Kultur regional"

Bildtext: Heute erhält der Regisseur einmal selbst Regieanweisungen. Marcel Trocoli Castro (rechts) von os1.tv erläutert Heiko Ostendorf, wie das Interview ablaufen soll. Foto: Klaus Lindemann
Autor:
Cornelia Laufer


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