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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Drangsaliert, deportiert und ermordet
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein erinnert an Jenny Frankl – Sie starb im Konzentrationslager Minsk
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wer war Jenny Frankl? Es fand sich kein Zeitzeuge, der etwas über ihr Leben berichten konnte. Sie war Jüdin und damit Opfer der Nationalsozialisten, die sie diskriminierten, umsiedelten, deportierten und schließlich im Konzentrationslager ermordeten. Jetzt steht ihr Name auf einem Stolperstein im Gehweg vor ihrer ehemaligen Wohnung in der Katharinenstraße 53.
Sie stammte aus Reval, dem heutigen Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Dort wurde sie 1883 als Jenny Isaacson geboren. Wie kam sie nach Osnabrück? Wer war Herr Frankl, den sie heiratete? Solche Fragen bleiben unbeantwortet. Doch ihr Name gehört jetzt wieder zum Katharinenviertel. Dessen Bürgerverein ist Patin des Stolpersteins.
Manfred Haubrock vom Bürgerverein erinnerte daran, wie Nationalsozialisten die Juden immer mehr bedrängten, dann deportierten und töteten. " Die Adressen der jüdischen Familien verschwanden." Noch 1939 lebten in Osnabrück an 29 Adressen etwa 100 jüdische Familien. Doch ab dem Jahr konnten sich Juden nicht mehr auf ihre Mietverträge berufen. Sie mussten Radios und Wertgegenstände abgeben. Für sie galten Ausgangssperren. Ab 1941 mussten sie gelbe Sterne tragen.
Die Nationalsozialisten richteten " Judenhäuser" an der Kommenderiestraße 11 und an der Heger Straße 24 ein. Dort war ab August 1941 auch Jenny Frankl " gemeldet", wie es offiziell hieß. Es waren beengte Zwangsgettos, in denen die noch 69 verbliebenen Osnabrücker Juden isoliert wurden. Sie hatten keine Rechte mehr und wurden ihres Eigentums beraubt.
Noch im August 1941 kam für Jenny Frankl die " Abmeldung nach Düsseldorf" weshalb und unter welchen Umständen, ist nicht überliefert. Von dort wurde sie im November 1941 nach Minsk ins Konzentrationslager deportiert und ermordet. Ihr Todesdatum ist unbekannt.
Eine der heutigen Bewohnerinnen des Hauses an der Katharinenstraße 53 ist Anneliese Westermann. Sie las bei der Verlegung des Stolpersteins aus dem Psalm 56. Dieser etwa 2500 Jahre alte Text wurde in der Zeit des Nationalsozialismus für die Juden in Deutschland beklemmende Wirklichkeit: " Menschen stellen mir nach; täglich bekämpfen und bedrängen sie mich. [. . .] viele kämpfen gegen mich voll Hochmut. [. . .] Sie rotten sich zusammen, sie lauern und haben Acht auf meine Schritte [. . .]." So ist es auch Jenny Frankl ergangen.

Bildtext: Hier war ihre letzte Wohnung: Jenny Frankl lebte in der Katharinenstraße 53, bevor sie ins " Judenhaus" musste und schließlich nach Minsk deportiert wurde. Sie wurde im Konzentrationslager ermordet. Foto: Jörn Martens
Autor:
Jann Weber


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