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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Geschlagen mit Peitschen und Stöcken
Zwischenüberschrift:
Ausstellung im Remarque-Friedenszentrum zeigt Schicksal jüdischer Häftlinge im KZ Sachsenhausen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler eröffnete im Remarque-Friedenszentrum am Markt die Ausstellung " Jüdische Häftlinge im Konzentrationslager Sachsenhausen 1936–1945". Bis Mitte Januar sind über 50 bebilderte Gedenktafeln zu sehen, die an Gräueltaten und Torturen erinnern, denen die Gefangenen im nationalsozialistischen " Vorzeigelager" in der Berliner Vorstadt Oranienburg ausgesetzt waren.
" Die Blockführer schlugen mit Peitschen oder Stöcken, was sie gerade zur Hand hatten, auf die Häftlinge ein." So beschrieb einst der in Osnabrück geborene, überlebende Insasse Josef de Vries eine alltägliche Szene im KZ Sachsenhausen. Insgesamt sieben aus Osnabrück stammende Juden konnte Professor Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, in seinen Archiven ermitteln. " Wie viele es genau waren, weiß man nicht. Aber vier Osnabrücker Juden sind belegbar hier gestorben", sagte Morsch, der vor 50 teilweise vor Schreck erstarrten Zuhörern die Eröffnungsrede hielt. In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Osnabrück und der Alfred-Gong-Gesellschaft konnte das Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum die Wanderausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten nach Osnabrück holen. Das KZ Sachsenhausen wurde 1936 unter anderem von Häftlingen aus den Emslandlagern errichtet und hatte als " Vorzeigelager", in dem SS-Wachmannschaften ausgebildet und " Rasseforscher" zu Studien eingeladen wurden, eine Sonderstellung. Insgesamt sind hier mehr als 200 000 Menschen, darunter zahlreiche Juden, inhaftiert und gequält worden. Mehrere Zehntausend kamen durch Hunger, Krankheiten, Misshandlungen, gezielte Mordaktionen oder durch Zwangsarbeit im gefürchteten, nahe gelegenen Klinkerwerk ums Leben. Bei unerträglichen Arbeitsbedingungen in der zeitweise weltweit größten Ziegelfabrik zur Herstellung von Steinen für den Bau der geplanten Metropole Germania starben Tausende. " In den ersten Jahren kamen vor allem politische Gefangene nach Sachsenhausen. Erst ab 1938 wurden Juden aus reinen Abstammungsgründen ins KZ gebracht", so Morsch. Im Sommer 1938 kamen durch die von der Reichskriminalpolizei angeordnete " Aktion Arbeitsscheues Reich" die ersten 800 Häftlinge, die explizit gegen " antisemitische Gesetze verstoßen" hatten. Unter ihnen war auch der aus Westerkappeln stammende 38-jährige Alwin Pels. Der Jude überstand die Torturen zwei Jahre und starb im September 1940. " Juden standen auf der rassistischen Stufenleiter auf der letzten Sprosse. Sie bekamen schlechtere Essensrationen, wurden in bestimmten Krankheitsphasen nicht mehr behandelt und unterlagen den Misshandlungen der brutalsten Wärter", sagte Morsch. Beim sogenannten " Sport" und beim militärischen Exerzieren seien Juden durch Tritte und Schläge bis zur völligen Erschöpfung gequält worden. Während andere Gefangene mit 75 Personen in einer Baracke nächtigten, schliefen Juden mit 150 Mann dicht zusammengepfercht auf dem Boden. Häftlinge mussten unter Ohrfeigen und Schmährufen stundenlang Appell stehen, Kinder wurden zu " Forschungszwecken" mit Hepatitis oder schweren Wundinfektionen infiziert. Im Zuge der Novemberpogrome wurden 60 Osnabrücker Juden in das für die Region vorgesehene Konzentrationslager Buchenwald getrieben. Einige wenige wurden, wahrscheinlich aus Platzmangel, nach Sachsenhausen transportiert. Unter ihnen waren Bruno Hermanns, der Kaufmann Philipp Münz und der Rechtsanwalt Dr. Hugo Schulhoff, der hier ebenso wie der Jurist Dr. Adolf Cohen und der Klempner Hermann Behr ermordet wurde. Nach der Verlegung der Juden ins Vernichtungslager Auschwitz blieben Ende 1942 nur noch einige Hundert Juden in Sachsenhausen.
Während der Nazi-Diktatur wurden sechs Millionen Juden ermordet, davon mindestens 162 Osnabrücker. Vier von ihnen wurden in Sachsenhausen getötet. " Ihrer besonders möchte ich heute gedenken", so Morsch in seinem Schlusswort.

Bildtext: Bei der Ausstellungseröffnung (von links): Günter Morsch, Karin Jabs-Kiesler und Thomas Schneider. Foto: Elvira Parton
Autor:
Christian Hardinghaus


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