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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Äpfel mit Äpfeln vergleichen
Zwischenüberschrift:
Ein Besuch beim Pomologen
Artikel:
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Originaltext:
Hans-Joachim Bannier hat in seinem Garten rund 400 Apfelsorten stehen. Morgen wird er beim Apfelfest des Museums am Schölerberg Besucher in Sachen Apfel beraten. Fotos: Laufer
Der Berlepsch ist eine alte Sorte, benannt nach dem preußischen Politiker Hans Hermann Freiherr von Berlepsch.
Der Boskop eignet sich dank seiner Säure hervorragend als Bratapfel.
Von Cornelia Laufer
Osnabrück/ Bielefeld. Hans-Joachim Bannier könnte gut bei " Wetten, dass . .?" teilnehmen: an die 600 Sorten Äpfel kann der 50-Jährige anhand von Form, Größe, Geruch und Farbe bestimmen. Reinbeißen muss er nur in die schwierigeren Fälle. Auch die Kerne helfen ihm weiter: In den vergangenen 20 Jahren hat sich Bannier in einem Büchlein Aufzeichnungen zu rund 500 Apfelkernen gemacht. " Dafür muss man schon ein wenig verrückt sein", sagt der Pomologe.
Pomum ist lateinisch und bedeutet " Baumfrucht". Auf Französisch heißt Apfel auch " la pomme", auf Italienisch " il pomo". Ein Pomologe ist also jemand, der sich mit Obst in diesem Fall mit Äpfeln auskennt. In Deutschland gibt es nur etwa ein Dutzend solcher Experten, die sich neben der Bestimmung vor allem die Erhaltung verschiedener Sorten zum Ziel gemacht haben. Zudem möchten sie das Wissen über längst vergessene alte Sorten zum Beispiel durch Seminare auffrischen. " Es geht mir um ein Kulturgut, das nicht verloren gehen darf", erläutert Bannier.
So kommt er morgen auch zu dem Apfelfest des Museums am Schölerberg. Besucher können fünf Äpfel pro Sorte zur Bestimmung mitbringen. " Aber bitte ohne Wurm, denn der verzieht die Form des Apfels und macht das Bestimmen schwierig." 400 Apfelsorten stehen auf der zwei Hektar großen Wiese am Stadtzentrum Bielefelds. " Meine Sammlung", erklärt Bannier. Darunter auch viele seltene Stücke, zum Beispiel aus der Ukraine, oder Eigenzüchtungen und gänzlich unbekannte Sorten Findlinge, die Bannier auf anderen Wiesen aufgelesen und veredelt hat.
" Corinna" ist so ein Glücksfall. " Ich habe gesehen, dass ein Pflänzchen wild aus einer Hecke wächst, und habe es groß gezogen", erläutert Bannier. Herausgekommen ist ein Apfelbäumchen mit schöner runder Krone und großen Früchten. Stolz pflückt der Apfelexperte eine Frucht, dreht sie in den Händen. Benannt hat er die Eigenzucht nach seiner Nachbarin, die öfter in seinen Garten kommt, um Äpfel zu zeichnen.
Angefangen hat seine Apfellust Anfang der 90er: Bannier lernte auf einer Veranstaltung zwei Apfelexperten aus Ostdeutschland kennen. Damals hatte er bereits eine Obstwiese, aber mehr als Hobby. Er brachte den beiden einen großen Korb Äpfel zum Bestimmen mit. Die beiden konnten ihm sofort sagen, welche Sorten in seinem Garten wachsen. " Das konnte ich erst gar nicht glauben. Daher habe ich einfach ein Jahr später, als die beiden wieder in der Gegend waren, wieder meine Äpfel gepackt und bestimmen lassen. Mit demselben Ergebnis." Daraufhin habe er " seine Hausaufgaben" gemacht, Apfelsorten gepaukt, fotografiert, Samen gesammelt, Listen geschrieben.
Inzwischen hat er selbst ein stattliches Sortiment angepflanzt, ist Mitglied des Pomologenvereins und verschickt auf Anfrage Reiser seltener Sorten an Baumschulen oder Privatleute.
Aber auch Äpfel, die jeder aus dem Supermarkt kennt, wachsen in Banniers Garten. " Allerdings sind viele dieser Sorten sehr krankheitsanfällig", sagt Bannier und zwickt einige vertrocknete Blätter seines Jonagold-Baums ab. Die Früchte leiden an Schorfflecken. " Das ist bei fast allen heutigen Marktsorten der Fall: Gala, Elstar, Jonagold. Ohne die im Erwerbsobstbau üblichen Pflanzenschutzmaßnahmen sähen sie nicht so makellos aus wie im Supermarkt." Viele der älteren Apfelsorten gedeihen hingegen prächtig, und zwar ganz ohne Chemie. Allerdings sind die Früchte nicht ganz so groß und süß wie die Supermarktäpfel.
Diese stammen übrigens zum größten Teil vom Golden Delicious ab. " Von 1960 bis etwa 2000 war der Golden Delicious eine der häufigsten Sorten", sagt Bannier. Er kam erst in den 60ern in Mode, da er genau wie seine Abkömmlinge schorfanfällig ist, und erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts Obst vermehrt gespritzt wurde. 2000 kam der Golden Delicious jedoch wieder aus der Mode. " Die Kunden wollen lieber rote Äpfel. Und der Golden Delicious ist eben gelb", erklärt der Experte. Wenn die alten Sorten also robuster sind wieso sind sie dann zunehmend vom Markt verschwunden?
" Heute gehen die meisten in den Supermarkt, kaufen sich drei Äpfel und essen die dann im Laufe der nächsten Tage. Früher wurden viel größere Mengen Äpfel gekauft, gelagert und weiterverarbeitet." Apfelmus, Apfelsaft, Apfelkuchen, Apfelmarmelade all das gibt es inzwischen fertig zu kaufen, außerdem hat längst nicht jeder einen Keller zum Äpfellagern. Die alten Sorten eignen sich jedoch gerade zum Weiterverarbeiten. " Diese Äpfel haben zum großen Teil etwas mehr Säure und sind daher besser zum Verarbeiten geeignet." Früher hatte man spezielle Sorten für Blechkuchen oder zum Trocknen. Bis zu einem Kilo Äpfel am Tag isst Bannier zur Erntezeit. Am liebsten als Apfelkuchen mit Streuseln, jedoch meistens einfach so, direkt vom Baum.
Sogar in dem Handschuhfach seines VW liegen ein paar Äpfel. Die übrigen verkauft er. An Bioläden oder private Kunden. Oder lässt sie zu Apfelsaft verarbeiten. " Die verschiedenen Sorten werden einfach zusammengeschüttet, gepresst und ohne weitere Zusätze verarbeitet." Je nach Mischverhältnis schmeckt der Saft dann immer etwas anders, Anfang September etwas säuerlicher, später im Oktober etwas süßer. Die Mischung der Streuobst-Äpfel gibt jedoch fast immer einen harmonischen Apfelsaft. Wenn große Mostereien heute reines Plantagenobst verarbeiten, muss dagegen schon mal die den Äpfeln fehlende Säure durch den Zusatz von Ascorbinsäure ausgeglichen werden denn die Kunden sind es gewöhnt, dass der Saft immer gleich schmeckt.
Die Gewohnheit der größte Feind des Pomologen. " Der Kunde ist auch gewohnt, dieselben fünf, sechs Sorten das ganze Jahr über im Supermarkt kaufen zu können. Wenn es die Sorten hier gerade nicht gibt, kommen sie eben von der Südhalbkugel. Dieälteren Apfelsorten kennt heute ja kaum noch jemand. Deshalb sind sie schwerer zu vermarkten."
Bannier beißt in einen seiner Äpfel, kaut, schüttelt den Kopf. " Vielleicht erscheinen wir Pomologen etwas verrückt, weil wir so viele Apfelsorten anbauen und kennen. Doch wirklich verrückt sind doch eigentlich diejenigen, die massenweise krankheitsanfällige Apfelsorten anbauen, die ohne intensiven Pflanzenschutz gar nicht überlebensfähig wären."
Das Apfelfest findet morgen im Museum am Schölerberg von 11 Uhr bis 18 Uhr statt. Neben Fachvorträgen gibt es viele ältere Apfelsorten zu kaufen. Besucher können an einer Saftpresse Apfelsaft herstellen.


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