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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Im Sturzflug mit dem Eindecker
Zwischenüberschrift:
Als in Osnabrück die Flugbegeisterung erwachte – Ausstellung im Industriemuseum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Vor 100 Jahren erwachte in Osnabrück die Flugbegeisterung. In Frankfurt fand die Internationale Luftschiff-Ausstellung statt, in Osnabrück zeigten sich immer häufiger Ballons, Zeppeline und Flugzeuge am Himmel.
Von Margret Baumann
Osnabrück.

Das Museum Industriekultur zeigt in der Ausstellung " Die Luft durchfliegen" die Entwicklung der Fliegerei in Osnabrück, die durch die " Internationalen Luftschiff-Ausstellung" (ILA) in Frankfurt am Main beflügelt wurde. Die erste Internationale Luftschifffahrt-Ausstellung ging am 17. Oktober 1909 nach einhundert sensationellen Tagen zu Ende.
Als erste und damit älteste Luftfahrtmesse der Welt schrieb die ILA damit Geschichte. 1, 5 Millionen Besucher kamen und sahen, was es bisher nicht zu sehen gab, eine einmalige Zusammenstellung von Flugapparaten: Heißluftballons, schwebende Riesen dicht gedrängt, die gigantischen Luftschiffe des Grafen Zeppelin und die Aeroplans, mit einem Motor angetriebene Flugzeuge.
Die Luftfahrtindustrie steckte noch in den Kinderschuhen, aber sie erhielt durch durch die Messe einen Entwicklungsschub. Schon im Messejahr gab es einen rasanten Anstieg von Vereinsgründungen. Viele dieser jungen Flugvereine schlossen sich 1910 zum Deutschen Flieger-Bund zusammen.
Die Begeisterung für die Fliegerei, die die Messe schon im Vorfeld auslöste, verbreitete sich im ganzen Land und kam auch in Osnabrück an. Am 4. April 1909 gründete sich hier der Osnabrücker Verein für Luftschifffahrt. Private Luftfahrtvereine dieser Art brachten den Motorflug voran. In ihnen fanden sich Offiziere, Erfinder und technikbegeisterte Unternehmer zusammen, die erkannt hatten, dass es sich bei den Flugmaschinen um mehr als eine Rummelplatzattraktion handelte.
Auch Hans Grade entdeckte als Maschinenbauingenieur die Fliegerei und konstruierte 1907/ 08 sein erstes Flugzeug. Am 30. Oktober 1909 absolvierte er mit seinem Eindecker auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin den ersten gesteuerten Motorflug. Er flog eine Strecke von knapp drei Kilometern mit einer Rechts- und einer Linkskurve in genau zwei Minuten und 43 Sekunden.
Seine Flughöhe betrug zwar nur etwa zehn Meter. Aber damit erfüllte er die gestellte Bedingung, dass ein deutscher Pilot mit einem aus deutschem Material gebauten Flugzeug und einem deutschen Motor eine liegende Acht umfliegt. Dieser Tag gilt daher als die Geburtsstunde des deutschen Motorflugs und wird in den Jahren 2008 und 2009 mit zahlreichen Veranstaltungen unter dem Motto " Hundert Jahre deutscher Motorflug" gefeiert. Diesen mit 40 000 Mark hoch dotierten Preis hatte der Landmaschinenfabrikant Dr. Karl Lanz 1908 ausgeschriebenen, um die Entwicklung der Luftfahrt in Deutschland zu fördern. Grade wurde damit neben August Euler zum Pionier des deutschen Motorfluges.
Diese beiden Männer leiteten in Deutschland das Zeitalter des Motorfluges ein. Die Flugzeuge begannen, sich gegen die in Deutschland dominierenden Luftschiffe durchzusetzen, und holten damit auch den Rückstand gegenüber der internationalen Entwicklung auf.
1912 wurde Gustav Tweer, Flugschüler bei Hans Grade. Er hatte zuvor seine ersten Flugversuche mit einem selbst gebauten Flugzeug auf der Lodden Heide in Münster unternommen. Sein Flugzeugführerzeugnis hatte er gerade in Johannisthal erworben. Mit dem frischen Zeugnis in der Tasche wollte er sein fliegerisches Können auch in Osnabrück zeigen. Die Stadtverwaltung verwehrte Tweer aber das Starten und Landen auf der Netter Heide, da kein Interesse an der " Zirkusfliegerei" bestehe.
Gustav Tweer wich nach Lüstringen und Melle aus und zeigte sein Können bei Flugtagen in der nahen und fernen Umgebung. Immer öfter wurde die Frage gestellt, warum Tweer seine Kunst nicht in Osnabrück zeigen dürfe. Als das Luftschiff " Victoria Luise" über Osnabrück kreuzte, durchbrach Tweer den behördlichen Bann, flog von Lengerich über den Teutoburger Wald und kreiste über der Stadt. Damit war das Eis gebrochen und die Begeisterung für Tweer mündete in einer Spendenaktion der " Osnabrücker Volkszeitung", die eine beachtliche Summe zusammentrug.
In den folgenden Jahren gründete Tweer die Schleifenflug GmbH und finanzierte seine Unternehmungen durch Flugtage. Am 17. Februar 1913 erwarb der OVfL den auf der Netter Heide befindlichen Friedemeyer′schen Flugzeugschuppen und stellte ihn Tweer für die Unterstellung seines Eindeckers zur Verfügung. Der Eindecker, den Tweer flog, hatte oberhalb der Tragflächen Laufräder montiert, damit er auch auf dem Flugzeugrücken landen konnte ein Kunststück, das er wohl nie ausgeführt hat.
Tweer ahmte als erster deutscher Pilot die Kopf- und Sturzflüge des französischen Luftfahrtpioniers Pégoud nach und wurde einer der besten Kunstflieger Europas. Dafür erhielt er nationale und internationale Beachtung.
Auch Osnabrück feierte seinen mittlerweile berühmten Sohn. Nach einem Flugtag am 14. Juni 1914 auf der Netter Heide wurde er auf Schultern in die Flugzeughalle zurückgetragen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Tweer als Freiwilliger zur Fliegertruppe. Durch die rasante Entwicklung der Fliegerei im Krieg nahm die Zahl der Flugzeuge stetig zu, und die Anforderungen an die Flugzeuge wurden höher.
Gustav Tweer wurde Testpilot für neue Flugzeuge. Beim Einfliegen einer neuen Maschine der Hannoverschen Waggon-Fabrik stürzte er am 1. November 1916 ab. Die Beerdigung fand am 5. November unter großer Anteilnahme der Osnabrücker Bevölkerung auf dem Johannisfriedhof statt.

Bildtext: In den Himmel von Osnabrück wurden diese Schauflieger retuschiert. Die Ansichtskarte stammt aus dem Jahr 1913.
Wagemutige Männer, kühne Konstruktionen: Das Foto zeigt die Führergondel des Zeppelin LZ 7.
Freiballons waren die große Attraktion auf der Internationalen Luftschiff-Ausstellung, die 1909 in Frankfurt am Main stattfand. Foto: ILA
Autor:
Margret Baumann


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