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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Medizinische Hilfe ohne Versicherung
Zwischenüberschrift:
Ärzte behandeln auch illegal hier Lebende
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Wer krank ist, geht zum Arzt. Aber was tun Menschen, die illegal unter uns leben, keine Papiere und deshalb auch keine Krankenversicherung haben? Für diese Patienten bietet der Malteser-Hilfsdienst jetzt eine ehrenamtliche Sprechstunde an: Unter dem Namen " Malteser Migranten Medizin".
Immer dienstags von 10 bis 12 Uhr hält ein Kreis von Ärzten im " Unruhestand" reihumund ehrenamtlich Sprechstunden in der hausärztlichen Notdienst-Ambulanz in der Bischofstraße 28 ab. Sieben ehrenamtliche Ärzte und eine ausgebildete Krankenschwester stehen im Wechsel den Hilfesuchenden kostenlos mit Rat und Tat zur Seite. Mit dabei ist Dr. Johannes Schwertmann (75), der lange Zeit eine Praxis für Allgemeinmedizin geführt hat.
" Wir behandeln alle akuten Krankheiten, aber machen keine Drogentherapie", sagt Schwertmann: " Durch eine Kooperation mit dem Marienhospital und dem Franziskushospital ist auch der nötige Rückhalt für Laboruntersuchungen oder stationäre Behandlungen gesichert." Beispielsweise übernimmt die Krankenhausapotheke die anfallenden Kosten für Medikamentenverschreibungen. Und in Verhandlungen mit der Ausländerbehörde bei der Stadt und der Staatsanwaltschaft wurde geklärt, dass Besucher der Sprechstunde anonym bleiben können und keine Verfolgung durch die Ausländerbehörde fürchten müssen.
Das sei sehr wichtig für die Akzeptanz der Sprechstunde, betonte Dr. Schwertmann: " Diese Menschen leben ja alle in der Illegalität. In ganz Deutschland konnte die Malteser Migranten Medizin bisher 13 000 Menschen helfen." Häufige Gründe, die Anlaufstellen aufzusuchen, sind Schwangerschaft, Unfallfolgen, akute Zahnschmerzen, Tumorerkrankungen sowie Infektionskrankheiten. Die Patienten sind durchschnittlich deutlich jünger und schwerer erkrankt als in einer normalen Arztpraxis.
Auch Dr. Schwertmann hat in den letzten Wochen ähnliche Fälle erlebt: etwa eine junge Frau aus Nordafrika, die schwanger wurde und einen Aids-Test machen lassen wollte, ein Mann aus Polen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs, Patienten mit Infekten, offenen Wunden oder einer Magenschleimhautentzündung.
Nach Schätzungen leben in Deutschland bis zu eine Million Menschen in der Illegalität. Hinzu kommen mehr als 100 000 Deutsche ohne Krankenversicherung. Besonders in den Großstädten und Ballungsgebieten lebt eine hohe Zahl von Menschen ohne Krankenversicherungsschutz. Die erste Anlaufstelle entstand 2001 in Berlin. Seit 2005 existiert die Migranten Medizin in Köln, seit 2006 auch in München, Darmstadt und Frankfurt. Im Jahre 2007 wurde in Hannover, Münster und Hamburg eine solche Praxis eröffnet.
" Das Angebot muss sich in Osnabrück noch herumsprechen", sagt Dr. Johannes Schwertmann dazu, " denn der Bedarf ist ganz sicher da."

Bildtext: Kümmert sich um Patienten ohne Krankenversicherung: Dr. Johannes Schwertmann. Foto: Hermann Pentermann
Autor:
fhv


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