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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Von Anfang an elektrisch beleuchtet
Zwischenüberschrift:
Im September 1909 wurde das neue Stadttheater am Domhof eröffnet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im September 1909 wurde das Osnabrücker Theater eröffnet. " Schlicht, aber würdig" hieß das Leitmotiv beim Bau des Bühnenhauses, das Platz für 799 Besucher bot. Immerhin versprühten sprudelnde Wandbrunnen und schimmernde Decken aus Porphyr-Material mitStuckaturen extravaganten Charme.
Seit 1902 hatte es Bestrebungen gegeben, das Theater aus dem altertümlichen Spielort an der Großen Gildewart herauszuholen. Von Prof. Martin Dülfer aus Dresden stammte der Entwurf, der sich in besonderer Weise den schwierigen Verhältnissen des Bauplatzes anpasste. Doch der Architekt wurde ausgebootet: Um Geld zu sparen, fertigte Stadtbaurat Friedrich Lehman 1907 nach Dülfers Skizzen einen abgemagerten Entwurf an und sparte damit rund 200 000 Mark ein.
Im Frühjahr 1908 hatten die Handwerker mit dem Bau begonnen. Die Bühneneinrichtung wurde zwischen Januar und Mai 1909 montiert, die weiteren Ausbauten schlossen sich dem Zeitplan genau an. Im September gehörten die Maler zu den letzten Schaffenden, die dem Gebäude den letzten Schliff gaben.
Auf die damals üblichen Stehplätze hatte man verzichtet. Die Bestuhlung aus hellem Birkenholz war zum größten Teil mit einem silbergrauen Plüsch bezogen. Auch der gewaltige Bühnenvorhang mit Applikationen war dunkelviolett. In hellem Gelb bemalt, leuchtete der Zwischenvorhang, es handelte sich um eine Schenkung der Osnabrücker Frauen und Jungfrauen. Zusammen mit den Terrazzo-Fußböden und dunkelblau-violetten Wänden herrschte im Haus eine festlich-feierliche Stimmung. Elektrisches Licht, Belüftungen und ein modernes Heizsystem sorgten für das Wohlbefinden der Gäste.
Mit wenigen Ausnahmen waren alle Arbeiten am Theaterneubau von heimischen Firmen ausgeführt worden. 690 000 Mark kostete das repräsentative Haus am Ende, wovon ein großer Anteil durch Spenden der theaterbegeisterten Bevölkerung zusammengekommen war.
Mit stolzem Pathos schrieb das Osnabrücker Tageblatt am Schluss einer ausführlichen Laudatio: " Möge das neue Stadttheater die Erwartungen in reichem Maße erfüllen und allezeit eine Pflegestätte sein des Wahren, Guten und Schönen."
Im September 1909 drehte sich nicht alles ums Theater. Die Sedanfeier, so hatte es der Magistrat beschlossen, sollte wieder den Charakter eines Volks- und Nationalfestes haben. Das Fest sollte " im altbewährten Rahmen" begangen werden und mit einem großen Feuer am 2. September beginnen. Der Sonntag darauf diente dann dem allgemeinen Gedenken mit den üblichen Festumzügen und Kommersen.
25 Jahre war die sogenannte " Kriegerfechtanstalt" des Deutschen Kriegerbundes nun schon in der Stadt tätig. Aus den bescheidenen Anfängen hatte sich bis 1909 ein bedeutender Wohltätigkeitsverband entwickelt, der insgesamt vier Waisenhäuser für Kriegswaisen unterhielt und ein fünftes in Ostdeutschland in diesen Jahren gerade gründete. Das Haus in Osnabrück befand sich seit vielen Jahren an der Knollstraße.
Ab September 1909 war Schluss mit der " wilden Fischerei", wie es damals hieß. Jeder, der im Lande an Flüssen, Seen, Teichen angeln wollte, benötigte nun einen Fischerei-Pass. Das sollte vor allem auch verhindern, dass die Bestände überfischt wurden, denn nun galt es, Schonzeiten einzuhalten.
Vandalismus kam schon vor 100 Jahren immer wieder vor. Diesmal hatten sich diverse " Frevelmütige" in der Altstadt ausgetobt. Geschäftsleute in der Loh- und Hasestraße entdeckten, dass jemand mit einem Diamanten oder ähnlich scharfen Instrument die großen und teuren Spiegelscheiben der Schaufenster angeritzt hatte. " Es ist bedauerlich", schrieb der Reporter, " dass es Leute gibt, die sich durch Sachbeschädigung zu Ungunsten anderer Personen ihr Mütchen kühlen!"
Schon jetzt, zum September 1909, kündeten zwei Oberlehrer des Ratsgymnasiums ihren Ruhestand an, den sie am Schuljahresende beginnen wollten. Professor Hollander war 72 Jahre, und auch Dr. Wietfeldt unterrichtete schon seit 35 Jahren am Rats. Eine Altersgrenze gab es vor hundert Jahren noch nicht.

Bildtext: Jugendstil in seiner schönsten Form: Vor 100 Jahren wurde das neue Theater am Domhof eröffnet. Die kolorierte Ansichtskarte von 1916 hat uns Christian Abt aus Hasbergen zur Verfügung gestellt.
Autor:
Christiana Keller


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