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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Bei mir ist eben alles Eisenbahn"
 
Für Familen und Fachleute
Zwischenüberschrift:
Mit viel ehrenamtlichem Einsatz halten Osnabrücker Dampflokfreunde ihren Fahrzeugpark fahrbereit
 
Osnabrück unter Damfp - Für alle etwas
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Platzangst darf man hier unten nicht haben. Langsam robbt Albert Merseburger mit der ölverschmierten Arbeitshose über den Schotter und keucht. Wie ein dicker Käfer, der es aus eigener Kraft nicht wieder auf die Beine schafft, liegt er da auf dem Rücken. Platz zum Stehen wäre auch keiner. In seinen Brillengläsern spiegeln sich 18 Tonnen Stahl, zwei Handbreit über dem krausen Lockenkopf erstreckt sich ein scheinbares Gewirr aus daumendicken Schrauben und rostigen Rohren. Osnabrück. Mit der rechten Hand reibt Albert eine kreisförmige Öffnung mit Fett ein, bis sie glänzt. " Eben echtes Hightech von 1925", scherzt er mit dem Kollegen und schiebt einen Bremskolben vorsichtig in den Zylinder. Noch ein paar Schrauben festziehen, und das war′s. Die Druckluftbremse ist funktionstüchtig, die " Donnerbüchse", ein fast 100 Jahre alter, zweiachsiger Personenwaggon, kann wieder auf die Schiene.
Die Bundesbahn wollte Albert damals nicht. " Wegen der Brille", seufzt er. Im Zechenbahnhof am Osnabrücker Piesberg hängt er seinen Job als Elektriker dreimal die Woche an den Nagel. Stattdessen zieht er eine Latzhose über und klettert unter jahrzehntealte, reparaturbedürftige Eisenbahnwaggons. Der Mittfünfziger ist einer der wenigen bei den Osnabrücker Dampflokfreunden, die nicht auch im wirklichen Leben für das Schienenunternehmen arbeiten. Aber wie seine Vereinskollegen vom Fach opfert er seinen Feierabend für jede Menge unbezahlte Arbeit. " Es ist ein tolles Gefühl, hier was Schrottiges zu haben und es dann wieder fit zu machen", erklärt der Hobbybahner. Aus seinem Mund klingt das Wort Schrott liebevoll, so gar nicht nach Abwrackprämie. Es gehe nicht nur um Technik, sondern auch um den Erhalt von Kulturgut, von etwas Historischem.
Als etwa auf dem Stahlwerksgelände der Georgsmarienhütte das alte Stellwerk abgerissen werden sollte, schoben die Dampflokfreunde Sonderschichten. Stein für Stein trugen sie das kleine Fachwerkgebäude aus den 20er-Jahren ab, nummerierten in mühsamer Kleinarbeit die Giebeldachbalken, um das Stellwerk samt Schalthebeln am Zechenbahnhof Piesberg komplett neu zu errichten. In Zukunft wollen sie Weichen und Signale wieder an die Stellwerkdrähte anschließen. Oder die Zugexperten erhielten den Auftrag e ines bahnverrückten Hoteliers aus Merzen: Baut mir ein Hotelzimmer auf Schienen. Kollege Sascha Didden fasst den Alltag der Vereinsfreunde in schlichte Worte: " Obs junge Hunde regnet oder nicht, es wird gearbeitet."
Manchmal muss auch einfach nur etwas angestrichen werden. Mit zugekniffenen Augen und Kippe im Mundwinkel begutachtet Sascha, wie der jüngste im Bunde, der schlaksige Azubi Tobias Thörner, geduldig einen mannshohen Metallbolzen mit Lack bepinselt. Nachwuchsprobleme hat der Verein keine, obwohl nur selten so spannende Aufgaben wie die Restaurierung einer Lok auf dem Programm stehen. Tobi nimmt′s gelassen. Der 18-Jährige macht eine Ausbildung zum Baugeräteführer, kennt jede Maschine aus dem Effeff. Bei den " Dampfis" fährt er am liebsten mit dem Zwei-Wege-Bagger, der Räder für Schiene und Straße besitzt. " Der weiß mehr über Technik als wir alle zusammen", meint Sascha anerkennend.
Der ideale Feierabend auch für einen Dampflokfreund könnte er einfach aus einem Weißbier auf dem sommerlichen Balkon bestehen. Wenn Sascha nach seiner Vier-Uhr-Frühschicht noch auf den Piesberg pilgert, ist beides nicht in Sicht. Warum er sich das antut? Das wisse er auch nicht so genau, gibt Sa scha grinsend zurück. " Bei mir ist eben alles Eisenbahn außer mein Sohnemann und meine Frau."

Bildtext: Die größte Herausforderung, der sich die Osnabrücker Dampflokfreunde bisher gestellt haben, ist die geplante Wiederinbetriebnahme der sogenannten Schinkellok. Die 41 052 wird bei " Osnabrück unter Dampf" erklärt. Archivfoto: Detlef Heese
Autor:
Jonas Kückelmann


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