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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Als der Krieg ins Wohnzimmer kam
Zwischenüberschrift:
Ungewöhnliches Möbelstück für Bilderschlachten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ein Fernseher, größer und höher als eine Waschmaschine. Der Bildschirm ist auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Denn die Vorderfront besteht aus einem riesigen Lautsprecher. Zu sehen ist er in der Ausstellung " Bilderschlachten" in der Dominikanerkirche.
Von Matthias Liedtke
Osnabrück. Bei einer Waschmaschine würde man von einem " Top-Loader" sprechen, denn die " Tür" zum " Fernsehempfänger DE 6 mit senkrecht eingebauter Bildröhre", Baujahr 1938, befindet sich auf der Oberseite. Damit die Zuschauer aber nicht im Stehen und aus der Vogelperspektive in die lange Röhre schauen mussten, ist auf der Innenseite des Deckels ein " Umlenkspiegel" angebracht.
Die ersten Spiegelbilder, die durch ein derartiges Empfangsgerät ausgestrahlt wurden, waren solche vom Krieg. Und mit der Klappe öffnete sich auch die Tür zur medialen Reinwaschung kriegerischen Geschehens. Für die Nationalsozialisten war das Fernsehen ein ideales Propagandainstrument. Ab 1935 lieferten sie den " Zeitdienst" frei Haus, eine reine Kriegsnachrichtensendung, deren anfängliche Erfolgsmeldungen später mit Durchhalteparolen ersetzt wurden.
Mit dem Beginn des Fernsehzeitalters verschwand zusehends die räumliche wie zeitliche Distanz zu den Kriegsereignissen. Schlechte Nachrichten nahmen plötzlich in der guten Stube Platz. Dies zwar nicht unvermittelt, aber bis 1941 zumindest noch unmittelbar. Dann ersetzte man die aktuelle " Live"- Sendung, in der zunächst über, bald aber auch von den Kriegsschauplätzen berichtet wurde, durch die stärker kommentierend aufbereitete " Deutsche Wochenschau". Zwei Jahre später wich die Kriegsberichterstattung zunehmend reinen Unterhaltungsformaten. Damit war der Beginn des Fernsehens als Medium der Ablenkung und Zerstreuung markiert.
Bis heute findet aber auch die tagesaktuelle Berichterstattung immer noch ihren Platz. Dabei ist die " Tagesschau", die ebenso wie ihr DDR-Pendant " Aktuelle Kamera" erstmals 1952 auf Sendung ging, seit 1961 täglich, immer noch weit entfernt von der heute üblichen Mischform der " Infotainment"- Nachrichtenmagazin-Sendungen.
Waren in der Bundesrepublik 1955 80 000 Fernsehempfänger angemeldet, so erhöhte sich die Zahl in den darauffolgenden 20 Jahren auf 18, 9 Millionen. Zur flächendeckenden Versorgung der Bevölkerung mit bewegten Bildern kam es 1965.
Der Vietnam-Krieg gilt als erste militärische Auseinandersetzung, in die breite Bevölkerungsmassen involviert und dadurch auch politisch bewegt wurden. So unterstützten die Bildbewegungen des ersten " Wohnzimmerkrieges" auch eine gesellschaftliche Bewegung.
Bilderschlachten: Die Ausstellung ist noch bis zum
4. Oktober in der Kunsthalle Dominikanerkirche, im Remarque-Zentrum und im Magazingebäude des Museums Industriekultur zu sehen.

Bildtext: Blick in die Röhre: Bei diesem gewaltigen Gerät von 1938, das in der Dominikanerkirche ausgestellt ist, mussten die Bilder noch gespiegelt werden. Foto: Ausstellungsbüro
Autor:
Matthias Liedtke


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