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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Woher kommt der Müll im Biomüll?
Zwischenüberschrift:
Störstoffe aus der braunen Tonne machen nur Ärger und werden mit der Hand aussortiert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Deckel auf, alles okay. Zumindest auf den ersten Blick. Oben in der Tonne liegen Kartoffelschalen und verwelkte Rosen. Also rein damit in die Maschine. Es rumpelt in der Schüttung, das Scheppern und Klirren lässt den Container erzittern. Glasflaschen? Ziegelsteine? Stahlfelgen? Knochentrocken gibt Müllwerker Michael Hawighorst seinen Kommentar ab: " Da kannste mal sehen, dass das nicht alles nur Bio ist!"
Von Rainer Lahmann-Lammert
Osnabrück. Küchen- und Gartenabfälle aus Osnabrück ließen sich prima zu Kompost verarbeiten. Wenn die Störstoffe nicht wären, die von vielen Menschen achtlos in die braune Tonne geworfen werden. Manchmal sogar mutwillig. Deshalb muss der Müll im Biomüll mit der Hand aussortiert werden.
Dabei gilt der Umgang mit Bioabfällen selbst unter Müllwerkern als der " beschissenste Job", wie es Michael Hawighorst ausdrückt. Ein paar Tropfen Flüssigkeit aus der Biotonne genügen, um die Kollegen von der Restmüllfraktion in der Kantine auf Distanz zu halten. Müllwerker Hawighorst ist schon abgebrüht, wenn er unterwegs den Gestank von Essensresten und den Anblick von Maden ertragen muss. Auch von Wespen, die ihm aus überfüllten Tonnen mit halb offenem Deckel entgegenschwirren, lässt er sich nicht verrückt machen. Solche Zumutungen bringt der Job mit sich.
Als Zugabe gibt es noch den Müll, der in der braunen Tonne nichts zu suchen hat. Michael Hawighorst schüttelt nur den Kopf, wenn erbeschreibt, was da alles zum Vorschein kommt. Teppichboden, Motorengehäuse und Autobatterien sind zuweilen unter Grasschnitt und faulen Tomaten zu finden. Zum Müllsünder wird schon, wer seine biologisch einwandfreien Küchenabfälle in eine Plastiktüte stopft, um sich nicht die Finger schmutzig zu machen.
Schmutzige Finger bleiben Wilfried Barkau nicht erspart. Er ist einer der beiden Saubermänner, die im Kompostwerk Schwegermoor die Spreu vom Weizen trennen. Gnadenlos zieht das Förderband an ihnen vorbei. Immer wieder kommen zwischen Baumwurzeln, schimmeligen Wirsingköpfen und Eierschalen unerwünschte Beigaben zum Vorschein, vor allem Plastiktüten und Getränkedosen. So schnell, dass Wilfried Barkau mit seinen gelben Handschuhen gar nicht jedes Mal zugreifen kann.
Damit kein Müll in die Rotte gelangt, sind noch ein paar Sicherheitsstufen nachgeschaltet. Das Material wird sorgfältig gesiebt, durch die Windsichtung geschickt und mit einem Metalldetektor auf magnetische Bestandteile abgesucht. Aber am Ende rutscht doch immer etwas durch, wie die für die Qualitätssicherung zuständige Friederike Moek bedauert. Vor allem Plastikfetzen und Glassplitter, die zwar mit jedem Verarbeitungsschritt kleiner werden, aber eben doch nicht so klein, dass sie nicht mehr stören würden. Ebenso renitent sind Wattestäbchen, die durch sämtliche Kontrollen schlüpfen. Wer kauft schon gerne Kompost, der mit solchen Zutaten versetzt ist? Für die Qualitätsbeauftragte steht fest, dass die technischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Jetzt müsse bei den Verursachern angesetzt werden.
Da stellt sich die Frage, was das für Menschen sind, die diese Abfälle in die braune Tonne werfen. Müllwerker wie Michael Hawighorst verweisen auf sozial schwache Milieus. Am schlimmsten sei es am Jeggener Weg und an der Mindener Straße. Abfallberaterin Anita Maskos relativiert das ein wenig. Auch am Westerberg gebe es schwarze Schafe.
Ist es Gleichgültigkeit, Unwissen oder Vorsatz, wenn immer mehr Störstoffe imBiomüll gefunden werden? Friederike Moek vom Kompostwerk Schwegermoor sieht es so: " Die Leute haben zwei Tonnen, eine graue und eine braune. Und die werden einfach vollgemacht!"

Bildtext: Jeden Tag ein Container: So viele Störstoffe holen die Mitarbeiter des Kompostwerks Schwegermoor aus dem Biomüll von Stadt und Landkreis. Sven Seiler holt das Zeug nach Osnabrück.
Gnadenlos läuft das Band: Wilfried Barkau sortiert die Störstoffe aus dem Biomüll. Den größten Teil machen die Plastiktüten aus. Fotos: Rainer Lahmann-Lammert

Zumutungen gehören zu seinem Job, aber Störstoffe wären vermeidbar: Müllwerker Michael Hawighorst.
Störmanöver: Friederike Moek vom Kompostwerk Schwegermoor mit einer Kaffeemaschine aus dem Biomüll.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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