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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mord nach Aktenlage
Zwischenüberschrift:
Erika Delkeskamp fiel durch das Raster der nationalsozialistischen Ideologie
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Eingang zum Grundstück an der Ziegelstraße 6 mutet idyllisch an. Hier wohnte Erika Delkeskamp. Doch 1921 wurde die unverheiratete Pfarrerstochter in die benachbarte Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen. Nationalsozialisten deportierten sie 1941 von dort nach Eichberg in Hessen und ermordeten sie dort. Jetzt erinnert ein Stolperstein an sie.
Ob sie psychisch krank war oder geistig behindert, ist nicht mehr bekannt. Es fanden sich keine Zeitzeugen, die darüber Auskunft geben könnten, woran Erika Delkeskamp leiden musste. Wohl bekannt ist jedoch das Mordmotiv der Nationalsozialisten. Zu ihrer Ideologie gehörte es, Menschenleben in " wert" und " unwert" einzuteilen. 1939 erteilte Adolf Hitler eine " Tötungsermächtigung" und initiierte die T4-Aktion. Die Abkürzung steht für die Adresse Tiergarten 4 in Berlin. Dort organisierte eine Verwaltungszentrale die Ermordung von Anstaltspatienten. Staatsbedienstete erfassten sie, und Ärzte entschieden nach Aktenlage. Auch, dass Erika Delkeskamp getötet werden sollte, wurde am Schreibtisch entschieden. Sie wurde vom Osnabrücker Gertrudenberg in die Landesheilanstalt Eichberg in Hessen deportiert und dort im Alter von 77 Jahren ermordet. Die Nationalsozialisten deklarierten solche Taten als Euthanasie Sterbehilfe.
Sie war die dritte Tochter des evangelischen Pfarrers Adolf Delkeskamp, der aus Bissendorf-Holte stammte und 1910 starb. Es wird vermutet, dass seine Ehefrau bereits vorher gestorben war. Osnabrücker Adressbücher geben darüber Auskunft, dass die Familie bereits um die Jahrhundertwende in der Ziegelstraße lebte. Überliefert ist außerdem nur der Name Ottilie Delkeskamp. Diese Schwester von Erika Delkeskamp zog später in die Kiwittstraße. Ende der 30er- Jahre ist die Ziegelstraße 6 als Adresse des OKD-Kindergartens der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt angegeben.
Paten des Stolpersteins für Erika Delkeskamp sind die evangelisch-lutherische Bonnus-Gemeinde und die evangelisch-reformierte Gemeinde Osnabrück. Die Pastoren Jürgen Schulz-Wackerbarth und Steffan Tuschling erinnerten während der Zeremonie an das Schicksal dieses Opfers des NS-Regimes und auch an die Anmaßungen der Täter: " Verführte Verführer schafften es, als selbst ernannte Heilsapostel die breite Masse eines Volkes auf Irrwege zu führen."

Sie lebte in der Idylle der Ziegelstraße 6. Erika Delkeskamp wurde 1941 von Nationalsozialisten deportiert sie bezeichneten den Mord als Euthanasie. Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Jann Weber


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