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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Respekt vor der Erklärung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Mit großem Respekt habe ich die Erklärung von Herrn Dirk Kolkmeyer gelesen, in der er sich zur Unternehmens- und Familiengeschichte bekennt und sich bei allen direkt und indirekt Betroffenen′ für das Unrecht entschuldigt, das durch seinen‚Großvater in der Zeit des Dritten Reiches geschehen ist′. Er setzt damit ein bemerkenswertes Zeichen im Umgang mit der regionalen NS-Geschichte, das hoffentlich Nachahmer findet.
Neben Menschen, die das NS-Regime aktiv unterstützt haben, gab es damals auch viele Nutznießer des Unrechts Arisierung und Zwangsarbeit sollen hier als Stichworte genügen. Die Gedenkstätte Augustaschacht führt seit einigen Jahren Projekte durch, in denen Zeitzeugen der Zwangsarbeit nach Osnabrück eingeladen werden. Unter den diesjährigen Gästen befindet sich eine Zeitzeugin, die als junges Mädchen in den damaligen Karmann-Werken als Zwangsarbeiterin eingesetzt war. Sie war 2002 unter anderem auch auf Einladung der Firma Karmann zum ersten Mal wieder in Osnabrück.
Bei ihrem derzeitigen Besuch, den ich mit Schülern aus der Ursulaschule und einem Simferopoler Gymnasium (Ukraine) begleite, gilt ihr besonderes Interesse Gesprächen mit gleichaltrigen Osnabrückern (sie selbst ist 84) und deren Sicht auf die damalige Zeit. Eine Erklärung, wie sie Herr Kolkmeyer formuliert hat, würde ihr und anderen Zeitzeugen der Zwangsarbeit viel bedeuten.
Wenn Nachkommen der damaligen Unternehmen und Familien sich dazu bekennen, dass menschliches Unrecht geschehen ist unabhängig von der damaligen Rechtslage und Fragen der Entschädigung (auch Karmann hat in den Fonds der Stiftung EVZ eingezahlt) ist das ein Zeichen, das die damals mit der Zwangsarbeit einhergehende Abwertung und Verletzung der Menschenwürde heute noch anerkennt und vor dem Vergessen bewahrt. Es hat auch damals Menschen gegeben, die diese Menschenwürde geachtet haben. Vielleicht können Leser der Zeitung helfen, Nachkommen eines Mannes zu finden, zu denen die Zeitzeugin gerne Kontakt aufnehmen würde: Über ihn gibt es leider nur sehr wenige Informationen: Er hieß Heinrich, war bei Kriegsende etwa 45 bis 50 Jahre alt, hatte zwei Töchter, denen aus unbekannten Gründen gegen ihren Willen einmal die Haare geschoren wurden, worüber er sehr traurig war, und war als Aufseher oder Meister bei Karmann im damaligen Werk I an der Martinistraße eingesetzt.
Heinrich hat ihr den Arbeitsalltag nach besten Kräften erleichtert die Zeitzeugin würde sich dafür gern bedanken und seinen Nachkommen erklären, dass ihr Vater beziehungsweise Großvater ein gutherziger Mann gewesen sei."
Mechthild
Brebaum-Ersen
Mercatorstraße 32
Osnabrück

" Mit einer Erklärung zum 125-jährigen Bestehen seiner Firma möchte sich ein Osnabrücker Unternehmer für das Verhalten seines Großvaters im Dritten Reich entschuldigen. Die Neue OZ zollt Respekt und zitiert aus einer Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die Jungen seien nicht verantwortlich für das, was damals geschah, aber sehr wohl für das, was in der Geschichte daraus wird. Gewiss, aber was wird daraus, wenn die Erklärung mit einer neuen Verunglimpfung einhergeht?
Sein Unternehmen, so der Inhaber, praktiziere eine weltoffene Philosophie, in der weder Religion noch Herkunft noch andere diskriminierende Kriterien eine Rolle spielten. Will er wirklich sagen, dass Religionen diskriminierend sind? Zu den gangbaren Wegen für ein menschliches Zusammenleben, die zu suchen er in seiner Erklärung auffordert, gehört gewiss auch der Respekt vor den Religionen und vor Artikel 4 Grundgesetz."
Prof. Dr. Manfred Spieker
Schlossstraße 4
Osnabrück

Bildtext: Die Entschuldigung des heutigen Kolkmeyer-Inhabers wird von Lesern anerkannt. Seine Erklärung zur heutigen Unternehmensphilosophie findet aber auch Kritiker.

Archivfoto: Martens
Autor:
Mechthild Brebaum-Ersen, Prof. Dr. Manfred Spieker


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