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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Das erzeugt bei mir keinen Angstschweiß"
Zwischenüberschrift:
FMO-Geschäftsführer Gerd Stöwer über Ausbaupläne, rückläufige Fluggastzahlen und Grünen-Kritik
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Anfang Juli machte das Bundesverwaltungsgericht Leipzig dem Flughafen Münster/ Osnabrück (FMO) einen dicken Strich durch die Rechnung: Der beabsichtigte Ausbau der Start-und-Lande-Bahn wird sich weiter verzögern, weil die Leipziger Richter erneute juristische Hürden aufgebaut haben. Darüber hinaus soll im rund 50 Kilometer entfernten Enschede ein zusätzlicher Verkehrsflughafen entstehen (siehe auch den weiteren Bericht rechts). Und dann sind in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auch noch starke Rückgänge bei den Fluggastzahlen zu verzeichnen. Wie FMO-Geschäftsführer Gerd Stöwer diese Themenkomplexe einschätzt, erzählt er uns im nachfolgenden Interview.

Herr Stöwer, sind Sie nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Schockstarre verfallen?
Nein, warum sollte ich? Wir warten jetzt zunächst mal auf die schriftliche Begründung, die Ende August/ Anfang September vorliegen soll.

Und dann?
Dann können wir genau sehen, was konkret kritisiert wird. Die Richtung ist ja klar: Die Richter in Leipzig haben bei der Prüfung des Urteils des Oberverwaltungsgerichts Münster etwa zehn Punkte geprüft. Neun waren in Ordnung und einer nicht. Bei diesem Punkt hat man moniert, wie das Oberverwaltungsgericht die Abwägung vorgenommen hat sprich zwischen den Argumenten pro Ausbau, also Fluggast-Prognosen, und den Argumenten kontra Ausbau, sprich Naturschutz. So wurde zum Beispiel gesagt, dass den Prognosen von vornherein eine zu große Gewichtung beigemessen wurde. Hier ist das Gericht aufgefordert worden, noch einmal tiefer einzusteigen.

Wie geht es konkret weiter?
Ich gehe davon aus, dass das OVG in Münster noch in diesem Jahr zu einer erneuten mündlichen Verhandlung einladen wird. Dann hoffe ich, dass wir spätestens im ersten Quartal 2010 erneut ein Urteil haben und endlich bauen können.

Aber Moment, das erneute Urteil kann dann doch erneut beklagt werden, oder?
Theoretisch ist das so. Praktisch aber fast unmöglich, weil jetzt die Richter in Münster genau wissen, was bemängelt wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass dann auch keine erneute Revision zugelassen wird.

Gegen die Nichtzulassung der Revision können die Naturschützer dann aber auch vorgehen.
Auch das ist theoretisch richtig. Aber ich gehe davon aus, dass auch das Bundesverwaltungsgericht keine weitere Revision zulassen wird.

Zu den Fluggastzahlen, die ja auch bei der Prognose eine wichtige Rolle spielen. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2009 verzeichnet der FMO gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Minus von fast zwölf Prozent. Ein dramatischer Einbruch.
Ich sehe das nicht dramatisch. Wir müssen hierbei doch bedenken, dass sich die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr in der tiefsten Krise befindet, die wir je erlebt haben. Das wird dazu führen, dass in diesem Jahr alle deutschen Flughäfen kräftige Rückgänge haben werden. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass sich der Luftverkehr nach Krisen schnell wieder erholt. Die aktuelle Entwicklung erzeugt bei mir keinen Angstschweiß. Entscheidend ist doch etwas ganz anderes.

Nämlich?
Im Gegensatz zu vielen anderen Flughäfen ist es uns bis zum heutigen Tag gelungen, alle unsere Strecken zu halten. Das ist für unsere Region doch viel wichtiger. Viel schlimmer wäre es doch, wenn das Angebot zusammenbrechen würde, das heißt, dass wir zum Beispiel nicht mehr nach Berlin, London oder Frankfurt fliegen würden. Dass wir das verhindert haben, halte ich für eine herausragende Leistung, die wir als kleiner Flughafen hinbekommen haben. Wir haben jetzt den tiefsten Punkt der Krise erreicht. Im nächsten Jahr wird es noch kein großes Wachstum geben, aber spätestens ab 2011 geht es dann wieder bergauf.

Wie sehen Sie sich im Vergleich zu Ihren direkten Konkurrenten aufgestellt?
Die Flughäfen Hannover und Paderborn haben ähnliche Rückgänge wie wir. Unser direkter und schärfster Konkurrent, der Flughafen Dortmund, hat in diesem Jahr durch den Rückzug von easyjet ein großes Problem. Die Dortmunder haben derzeit einen Rückgang von 30 Prozent.

Seitens der Grünen in der Stadt und im Landkreis Osnabrück wird der FMO aufgrund der immer wieder sinkenden Fluggastzahlen als " Euro-Grab" bezeichnet.
Das ist Quatsch. Als Flughafenplaner muss man langfristig denken. Die Grünen sollen doch mal fairerweise den FMO mit zum Beispiel Dortmund vergleichen. Bei uns mussten die Gesellschafter in den vergangenen zehn Jahren keinen Cent an Verlusten ausgleichen. Bei anderen Flughäfen mussten in diesem Zeitraum zirka 150 Millionen Euro an Verlusten übernommen werden. Auch die Grünen könnten mal diese Leistungen der Flughafenmitarbeiter anerkennen.

Und der Ausgleich von Verlusten durch die Gesellschafter muss auch in den nächsten Jahren nicht erfolgen?
Wir haben zurzeit einen Verlustvortrag von etwa zehn Millionen Euro. Auf der anderen Seite haben wir ein Eigenkapital von mehr als 40 Millionen Euro vor Verlustvortrag, was durch die Kapitalerhöhung demnächst auf 70 Millionen Euro steigen wird. Insofern steht das Thema Verlustübernahme nicht an.

Kurz zu den Plänen der Niederländer, in Enschede einen Verkehrsflughafen zu bauen. Erst am Mittwoch haben sich die Verwaltungsspitzen aus der Region in einem offenen Brief deutlich gegen diese Pläne gestellt. Was sagen Sie?
Wir sind der festen Überzeugung, dass auf der kurzen Entfernung zwischen dem FMO und Amsterdam kein eigenständiger Markt für einen weiteren Flughafen besteht. Wenn man dann trotzdem zwanghaft einen eigenen Flughafen bauen will, ginge das natürlich auch zu unseren Lasten. Ich halte es für eine Illusion zu glauben, dort in kurzer Zeit einen weiteren Verkehrsflughafen wirtschaftlich etablieren zu können. Ich bin sehr dankbar, dass wir in dieser Angelegenheit auch kräftig von der großen Mehrheit der Osnabrücker Politik unterstützt werden.

Bildtext: Trotz Wirtschaftskrise und Teilniederlage in Sachen Flughafenausbau vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig bleibt FMO-Geschäftsführer Gerd Stöwer optimistisch.

Foto: Hehmann
Autor:
Stefan Alberti


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