User Online: 2 | Timeout: 06:42Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Brunnen für die Waisen
Zwischenüberschrift:
Osnabrückerin hilft mit Unterstützung aus der Heimat in Kamerun
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Nein, hier kann ich nicht leben, das geht gar nicht, so chaotisch, wie es hier ist." Carolin Zierath erinnert sich genau an die Gefühle, die ihr vor einem Jahr durch den Kopf gingen. Das heillose Durcheinander auf den kamerunischen Straßen machten der Osnabrückerin Angst: " Ich dachte, ich komme da nie heil über die Straße." Wie sollte sie je ein Taxi bekommen oder sich mit den schreienden Markthändlern verständigen? Heute weiß die 20-Jährige: All diese Dinge kann man lernen.
" Man wird geduldig und erkennt irgendwann auch ein System im afrikanischen Straßenchaos", schmunzelt Carolin. Nach ihrem Abitur am Gymnasium " In der Wüste" begann sie im September 2008 ein freiwilliges soziales Jahr bei der " Cameroon Baptist Convention" (CBC), einer großen kirchlichen Gesundheitsorganisation im zentralafrikanischen Kamerun. Mit drei weiteren Mädchen aus Deutschland, die ebenfalls mit dem Freiwilligendienst der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) in Kooperation mit " Brot für die Welt" unterwegs waren, lebte sie auf dem Gelände der CBC in Bamenda.
" Unsere Hauptaufgabe war die Unterstützung in den Projekten und Einrichtungen", berichtet Carolin. Da Kamerun zu den Ländern mit den weltweit größten Infizierungszahlen des Aids-Virus gehört, lag hier der Schwerpunkt. " Wir haben an Schulen Aufklärungsarbeit geleistet, aber auch Menschen unterstützt, die schon mit dem HI-Virus infiziert sind." Erschreckend fand sie die Unkenntnis: Eine Frau habe gefragt, ob Weiße sich tatsächlich nicht mit dem Virus infizieren könnten. Eine andere war fest davon überzeugt, Hexenkraft würde die Krankheit heilen.
Durch Zufall fand Carolin eine weitere Aufgabe. Bei einem privaten Ausflug zeigte ihr ein einheimischer Mitarbeiter der CBC ein spanisches Waisenhaus in Bamenda. " Er wollte uns das Haus nur zeigen, aber als die Kinder voller Freude auf uns zurannten und mit uns spielen wollten, konnten wir gar nicht anders", erzählt Carolin. Sie ließen sich nicht nur einmal zum Spielen mitreißen, sondern immer, wenn es ihre Zeit erlaubte, gingen die deutschen Jugendlichen in das Waisenhaus. Carolin: " Das war unser Beitrag, diesen Kindern einfach unsere Zeit und die Aufmerksamkeit zu schenken."
Und noch mehr: Dass die 120 Kinder weiterhin ohne fließend Wasser, mit nicht mehr tragfähigen Matratzenkonstruktionen und ohne Erste-Hilfe-Koffer leben sollten, wollten die Mädchen nicht hinnehmen. Sie schrieben ihren Verwandten und Bekannten in Deutschland, baten um Spenden und realisierten ihr eigenes Hilfsprojekt: Aus Osnabrück kamen dabei die meisten Hilfsgelder. Mit insgesamt 4000 Euro erhielten die Kinder einen neuen Brunnen mit sauberem Wasser, einen Erste-Hilfe-Koffer und neue Matratzen. Carolin dankt besonders dem Gymnasium " In der Wüste". Ständig stand sie mit ihrer ehemaligen Schule in Kontakt, während die Schüler durch verschiedene Aktionen Spendengelder sammelten. Auch viele kirchliche Jugendgruppen und Privatpersonen hätten ihren Beitrag geleistet.
Als jetzt der Heimflug anstand, war Carolin schnell klar, dass sie nicht alle Brücken abbrechen wird: " Ich werde den Kontakt halten und nächstes Jahr wieder da sein." Zwar habe das Studium der evangelischen Theologie in Münster zunächst Vorrang, aber schließlich gebe es auch Semesterferien, in denen sie wieder in ihrer neuen zweiten Heimat helfen kann.

Bildtext: Waisenkinder an den Leitungen für den neuen Brunnen. Mit Osnabrücker Spenden haben sie jetzt sauberes Wasser.

Ihre freie Zeit verbrachte Carolin Zierath in einem Waisenhaus, um mit den Kindern zu spielen.

Fotos: privat
Autor:
Stefanie Hiekmann


Anfang der Liste Ende der Liste