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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Einwöchige Feier zur Varusschlacht
Zwischenüberschrift:
August 1909 war regenreich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zur 1900-Jahr-Feier der Schlacht am Teutoburger Wald gab es vor 100 Jahren ein Symposium der Altertumsforscher in Hannover und eine üppige Festveranstaltung in Detmold vor dem Hermannsdenkmal. Auch nach Osnabrück kamen die Gelehrten, um Münzen zu sichten und einem Vortrag von Lehrer Knoke zu lauschen.
Bearbeitet wurden auf der Tagung vor allem die Fragen, ob " Hermann" der richtige Name des Nationalhelden sei und wo der Ort der Schlacht wohl gewesen sei. Die einwöchige Gedenkfeier fand mit internationaler Beteiligung statt. Aus Texas kam eine Abordnung der Großloge des Ordens der Hermannssöhne, die gute Wünsche aus Amerika überbrachte. Dieser deutsch-nationale Bund hatte damals gut 2, 5 Millionen Mitglieder in den USA.
Unaufhörliche Niederschläge erfüllten die Landwirte mit Besorgnis. Das Korn hatte sich " gelagert", dadurch litt auch vor allem die Qualität des Strohs. Die Ernte, die wegen der erst kühlen Witterung schon 14 Tage bis drei Wochen verzögert war, wurde weiter hinausgeschoben. Das Heu lag in Schwaden auf den Wiesen und litt durch den Regen nachhaltig. Gartenfrüchte und Kartoffeln konnten die stete Feuchtigkeit ebenfalls nicht gut ertragen, zudem verursachte der immer wieder auftretende " Sturmwind" viel Schaden an den Obstbäumen.
Der Reporter des Osnabrücker Tageblattes schrieb, was alle bewegte: " Was wird sein, wenn zu den Steuererhöhungen und der wirtschaftlichen Krise auch noch eine Missernte droht?" In Russland, so merkte er an, herrsche in diesem Jahr dafür ein selten schöner, anhaltender Sommer. In Amerika stöhnten die Menschen stattdessen unter einer ungewöhnlichen Hitzewelle. Die gefühlte Stimmung der hiesigen Regentage verglich der Reporter mit " regenschweren Herbst-tagen".
Die Schützen trotzten der Witterung. Der Altstädter Schützenverein feierte im Hofhaus sein großes Fest, und die Altstadt grüßte im grünen Schmuck mit vielen bunten Fähnchen. Fabrikant Foullois schoss die Krone des Schützenadlers, der Bäcker Berger den Rumpf ihm gebührte damit die Königswürde im Sommer 1909.
Der Vorverkauf für die Eröffnungsgala des neuen Theaters am Domhof hatte begonnen. Am 29. September sollte das Haus um 16.30 Uhr mit Shakespeares " Julius Cäsar" feierlich in Betrieb genommen werden.
Die Städtischen Kollegien tagten Anfang August und beschlossen eine Erhöhung und rückwirkend eine Nachzahlung für die Lehrergehälter ab Jahresbeginn. Nicht alle Pädagogen wurden gleich bezahlt, den akademische gebildeten Herren gebührte der höchste Zahlung, die Kollegen in den Mädchen- und Bürgerschulen bekamen deutlich weniger. Von den Lehrerinnengehältern war bei diesen Verhandlungen gar nicht die Rede.
Man stritt sich weiter über den Nutzen des Antrages, Kartoffelfeuer zukünftig zu verbieten. Ebenso könne man auch dem Stahlwerk den Rauch verbieten, führte Senator Haarmann an. Diese Bemerkung sorgte bei den Anwesenden für allgemeine Heiterkeit.
In dieser Sitzung wurde ferner beschlossen, Direktor Hammersen die Errichtung von 100 Werkswohnungen am " Brökerweg vor dem Johannestore" zu genehmigen. Die Arbeiterkolonie sollte in Blockbebauung erfolgen und aus zweigeschossigen Häusern bestehen. Wenige Tage später regte sich gegen diese Entscheidung nachträglich Widerstand. Der Bürgerverein der Stadt meinte, immerhin hätte die Stadt nur Kosten und keinerlei Nutzen von einer solchen Kolonie. Dem Bauherren müssten daher auch die Kosten der Bauerschließung voll angelastet werden. Selbst die Kaufleute protestierten, denn mit einer solchen Siedlung folge auch alsbald die Gründung eines Konsumvereins, was den Einzelhändlern gar nicht gefiel. Die Bürgerschaft entschloss sich, darauf zu achten, dass nicht noch eine zweite Arbeitersiedlung geplant würde, denn echte Wohnungsnot herrsche in Osnabrück nicht.
Die neueste Erscheinung im Straßenbild war 1909 der Rollschuh. " Die Jugend nimmt sich dieses Sports mit Eifer an", hieß es im Osnabrücker Tageblatt. In anderen Städten, wo das Asphaltpflaster schon weiter verbreitet war, wurde das Rollschuhlaufen bereits praktisch ausgenutzt, man rüstete die Laufburschen mit den schnellen Schuhen aus.

Bildtext: Zum Schulbeginn die richtige Kleidung für Knaben. Faltenanzüge wurden im August 1909 im Osnabrücker Tageblatt angepriesen.
Autor:
Christiana Keller


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