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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Damals war es die Cholera
Zwischenüberschrift:
150 Jahre Marienhospital – Königin Marie war die Patin
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Königin Marie von Hannover stiftete eine jährliche Zuwendung von zwanzig Goldmünzen im Wert von 330 Mark. Und auch in ihrem Testament hat die Namensgeberin das Krankenhaus in Osnabrück, das ihren Namen trägt, reich bedacht.
Indem Bischof Dr. Paulus Melchers der evangelischen Landesmutter die Patenschaft für ein neues Krankenhaus in Osnabrück antrug, bewies er zugleich diplomatisches Geschick. Denn so wertete er das katholische, der Gottesmutter geweihte Marienhospital gegenüber dem bereits bestehenden evangelisch geprägten Stadtkrankenhaus auf.
Dabei verdankt das Marienhospital in der Südstadt, das heute sein 150-jähriges Bestehen feiert, seine Gründung eigentlich einem Notruf des städtischen Magistrats. Im Sommer 1859 grassierte die Cholera in Osnabrück, und das städtische Krankenhaus war schnell überfüllt. Bürgermeister Stüve wandte sich deshalb an den Bischof mit der Bitte um Hilfe. So wurde auch in der Neustadt im Dechantenhaus von St. Johann ein Hospital eingerichtet, drei Schwestern vom Orden des Heiligen Borromäus aus Trierübernahmen die Pflege.
Der erste Kranke allerdings, der am 20. August eingeliefert wurde, war ein am " Nervenfieber" erkrankter Knabe. Seither gilt dieser Tag als Gründungstag des Krankenhauses in der Neustadt, das nun einen festen Platz im Gesundheitswesen der Stadt Osnabrück einnimmt.
Mit diesen Anforderungen ist das Marienhospital stetig gewachsen. Wurden in den Anfängen gerade einmal 400 Patienten versorgt, die allerdings durchschnittlich mehr als drei Wochen gepflegt werden mussten, so ist die Zahl der Patienten heute auf über 25 000 stationäre und 46 000 ambulante Fälle im Jahr gestiegen. Die Liegezeit jedoch ist auf unter zehn Tage gesunken.
Wieder und wieder musste auf dem Gelände an der Johannisfreiheit gebaut werden, um diesen gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Besondere Belastungen brachte der Zweite Weltkrieg, als große Teile des Krankenhauses zerstört wurden. Eine Ironie der Geschichte: In den verbliebenen Halb-Ruinen quartierte sich für wenige Wochen sogar die Gestapo ein. Und nach Kriegsende überschwemmte zu allem Überfluss noch einmal die Hase alle Kellerräume, sodass die letzten dorthin geretteten Vorräte untergingen.
Doch bereits 1950 war die vollständige Rückverlegung aller Abteilungen möglich, 1961 der Wiederaufbau vorerst abgeschlossen. Die Einrichtung neuer Fachabteilungen forderte in den 70er- Jahren wiederum zahlreiche Umbaumaßnahmen.
Zugleich stand damals der Gedanke auf der Tagesordnung, ein komplett neues Krankenhaus irgendwo außerhalb der Stadt zu bauen. Das Kuratorium des Marienhospitals entschied anders, sprach sich ganz bewusst für ein Krankenhaus " im Herzen der Stadt" aus. Und damit war für den langjährigen Krankenhausdirektor Friedhelm Schniederbernd ein Arbeitsauftrag verbunden, den er sehr diskret und sehr effektiv umsetzte: möglichst alle Grundstücke im Weichbild von Pfaffenstraße und Holtstraße anzukaufen.
Die Früchte dieser Arbeit erntete dann sein Nachfolger: 2006 konnte der neue Funktionstrakt in Betrieb genommen werden, und der Haupteingang wurde an die Bischofsstraße verlegt, so- dass heute in einem gut ausgestatteten und hochmodernen Krankenhaus die Patienten versorgt werden.
Mit drei Borromäerinnen hat die Tradition christlich geprägter Pflege im Marienhospital einmal begonnen. Heute leben noch fünf Schwestern dieses Ordens im Hause. Künftig sollen sie aber durch Herz-Jesu-Schwestern aus dem indischen Kerala abgelöst werden. Grundlegend bleibt jedoch der Gedanke der Caritas, basiert auf pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen und geprägt durch ein christliches Menschenbild, das sowohl körperliche als auch seelische Aspekte berücksichtigt.

Bildtext: Die alte Kapelle: Ein Blick auf die Johannisfreiheit im Jahr 1885. Rechts im Bild ist auch die alte Johannisschule zu erkennen. Derzeit entsteht an dieser Stelle das neue Christliche Kinderhospital Osnabrück.

Das alte Dechantenhaus neben St. Johann war der Ursprung des Marienhospitals. 1859 wurden hier die ersten Cholerakranken versorgt. Aquarell von Friedrich Gottlieb Müller.

Königin Marie von Hannover war Förderin und Namenspatin des Marienhospitals.
Autor:
Frank Henrichvark


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